Wie kann ich mein äußeres Bein im Galopp ruhig halten?

7 Antworten

hi,

hast du, wenn du mit dem äusseren fuss aus dem steigbügel rutscht, das gefühl, im inneren steigbügel richtiggehend zu "stehen"?

das "hüpfen" im sattel kommt relativ häufig vor, wenn man beginnt auf den oberschenkeln zu hocken und damit automatisch nach vorn fällt. der tipp an anderer stelle, dich zurückzulehnen ist schon mal gut. eigentlich ist damit gemeint, dass das gesäss wieder im sattel platz nimmt. achte bitte darauf, dass du weiterhin mit beiden sitzbeinhöckern im sattel sitzt.

vermutlich versuchst du auch, die galopphilfe zu deutlich zu geben und fällst dann nach innen, sitzt also nicht mehr mittig im sattel. dann wird der äussere steigbügel plötlich "zu lang" und du rutscht raus.

lässt sich dein pferd einigermassen aus dem schritt angaloppieren? dann kannst du folgendes machen: du reitest einen recht fleissigen mittelschritt. aus diesem gibtst du die hilfe zum angaloppieren, lässt dein pferd 2, maximal 3 galoppsprünge machen und parierst sofort wieder durch, denn DU bestimmst, wann das pferd langsamer wird. also durchparieten, solange dein pferd weitergaloppieren würde - und bevor du den halt verloren hast.

das übst du am besten erst aus einer ecke heraus, dann auf dem zirkel und zum schluss auf der langen seite und der wechsellinie. und zwar immer an unterschiedlichen stellen, damit dein pferd auch lernt, auf die hilfe zu warten und nicht etwa von allein angaloppiert.

aus dem schritt heraus kannst du dich besser auf deinen sitz konzentrieren und auf die gezielte hilfengebung. es ist viel einfacher aus dem schritt anzugaloppieren als aus dem trab. und nach 3 galoppsprüngen solltest du noch einigermassen ordentlich sitzen. auf die art übst du sitz und hilfen im galopp. immer nur ganz kurz. du kannst während einer gerittenen einheit von 45 minuten 4 oder 5 solcher übungen einbauen, immer 3 oder 4 mal hintereinander. wichtig: der letzte versuch, bevor du wieder was anderes reitet muss erfolgreich gewesen sein. so wirkst du frust bei dir und dem pferd entgegen.

gib dir selber zeit zum lernen. bis die übung auch auf der geraden in 90 von 100 versuchen klappt, das kann durchaus 2 monate oder länger dauern. super wenns schneller klappt, auch nicht schlimm, wenn ihr länger braucht.

wenn du das gefühl hast, jetzt klappts einigermassen und du das gefühl hast, du sitzt kontrollierter, kannst du den galopp dann auch mal ein bisschen länger beibehalten. nach und nach immer weitere galoppsprünge dazunehmen, bis du eine ganze runde galoppieren kannst, ohne dass du verrutscht. wie gesagt: wann langsamer geritten wird, bestimmst du, nicht das pferd.

wenn das klappt, gibts eine weiter übung: aus dem trab parierst du zum stand durch, richtet sofort, wenn das pferd steht, eine pferdelänge rückwärts, lässt das pferd in der spannung vom rückwärtsrichten etwa 2 sekunden an den hilfen stehen und galoppierst dann aus dem stand an. alles in allem ist das ein trainingsprogramm für ein gutes halbes jahr.

achte darauf, immer mittig im sattel zu sitzen und es mit dem vorgehen in der schulter und dem zurücklehnen im galopp nicht zu übertreiben. wobei das immer noch besser ist, als nach vorn zu fallen. wichtig ist ausserdem, dass du dir angewöhnst, darauf zu achten, dass deine fussspitzen beim retien immer nach VORN zeigen. nur so kannst du den schenkel FLACH am pferd positionieren und hast optimale einwirkung. dazu das becken aufrichten. damit hast du immer die optimale körperspannung (beim trockenreiten kannst du dich natürlich auch einfach hinlümmeln - es soll dich ja auch entspannen, nicht nur das pferd).

lernziel wäre auf deine frage bezogen: verbesserung des sitzes, verbesserung der einwirkung, bessere koordinierung der hilfengebung, beim pferd: bessere reaktion auf weniger "verwaschene" hilfen, verbesserung der taktreinheit und des gleichgewichts. und mit ein bisschen glück, wirst du bei deinem pferd die gangfreude verbessern, so dass ihm idealfall auch wieder gern galoppiert (also ein bisschen was von seiner "faulheit" verliert).

je öfter du dressurmässig reitest, desto schneller wirst du natürlich dein ziel erreichen.

beginne jede dressureinheit mit genügend langen aufwärmphasen für das pferd und dich, damit dein pferd wieder lernt, ordentlich über den rücken zu laufen ("hoppeln" kommt auch, wenn das pferd den rücken wegdrückt, und sich verspannt). 

falls du bisher hilfszügel verwenden solltest: lass diese bitte weg und ersetze sie durch ein martingal - und zwar durch eins, bei dem man die länge einstellen kann. es muss so lang eingestellt werden,  dass bei normaler kopfhaltung des pferdes der zügel auch beim annehmen ohne winkel durch die ringe läuft. eigentlich wäre das martingal in deinem fall eine reine "kopfsache", weil es bei korrekter verwendung ja keine einwirkung hat - aber helfen kann es trotzdem, weil es dir ein gewisses gefühle der "sicherheit" vermittelt, dass du bessere kontrolle übers pferd hast.

wenn der kopf dann soweit ist, dass er diese "stütze" nicht mehr braucht, lässt man das martingal bei der dressurarbeit weg und verwendet es nur noch im gelände.

viel erfolg.

Was soll man da noch sage, außer: Ein gutes Schulbuch sollte so ein Beispiel wie Deines enthalten. DH

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@WesternCalimero

danke schön.

sollte ich einen verlag finden, gibts eines tages gesammelte werke. denn zwischen all den guten lehrbüchern gibts tatsächlich noch eine rubrik, die fehlt.

book on demand ist leider zur zeit finanziell nicht drin.

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und fienchen07 beschreibt die situation in der frage einfach so gut, dass ich sie in der entsprechenden situation quasi vor mir sehe. die qualität der frage gibt die qualitativen möglichkeiten der antwort vor. und diese frage ist meiner meinung nach sehr gut gestellt. bei solchen fragen mache ich mir gern die mühe, eine halbe stunde oder mehr in die antwort zu investieren.

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Erst einmal musst Du dir die Frage stellen, warum man das äußere Bein beim angaloppieren zurücklegt. Das äußere Bein ist nämlich nicht die Galopphilfe (!), sondern soll nur das Ausbrechen der HH beim angaloppieren verhindern.

Die Galopphilfe geschieht immer mit dem inneren Bein, das in einer kreisenden Bewegung von hinten nach vorn am Pferd entlangstreift. Das ist von außen nahezu unsichtbar, kann aber Anfangs deutlich ausgeführt werden. Als erstes sollte allerdings die Gewichtshilfe einsetzten. Wird die Gewichtshilfe deutlich eingesetzt, brauchst Du das äußere Bein fast gar nicht mehr.

Nach dem Angaloppieren darf das äußere Bein auch wieder zurückgenommen werden. Es besteht keine Notwendigkeit es hinten zu lassen. Im Gegenteil, lässt man es hinten, wie bringt man dem Pferd dann später bei auf das äußere Bein zu reagieren und daraufhin nach innen zu gehen?

Also: Erst Gewicht nach innen, dann mit dem inneren Bein treiben.

LG Calimero

Verlieren der Bügel kommt fast immer durch klemmende Oberschenkel.

Lass die Beine aus der Hüfte heraus locker, mach dem Pferderücken Platz, als solle es in Dich hineinwachsen.

Rhythmisches (!) Treiben mit dem inneren (!) Schenkel; kein Dauerdruck, vor allem nicht außen.

Drehsitz einnehmen, also vom Treiben innere Hüfte und äußere Schulter vor.

Jeden Galoppsprung mit der innerer Hand raus lassen.Anlehnung aufrecht erhalten.

Wenn schon kein Unterricht, besorg Die wenigstens ein gutes Buch über Sitz und Hilfen.

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