wie gingen die menschen im Mittelalter mit der pest um

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Liebe/r Foto96,

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Oliver vom gutefrage.net-Support

5 Antworten

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Kaum eine andere Katastrophe prägte die kollektive Vorstellung von Machtlosigkeit, Untergang und Unglück so sehr wie die Heimsuchung durch die Pest. Schätzungsweise ein Drittel der europäischen Bevölkerung starb zwischen 1347 und 1352/3 an der Pest. Wirklich zuverlässige Opferzahlen gibt es nicht, die Schätzungen schwanken zwischen 20 und 50 Millionen Toten.

Die vermutlich erste medizinische Dissertation über die Pest verfasste der aus Nidda stammende Arzt Johannes Pistorius der Jüngere: De vera curandae pestis ratione (Über die rechte Art, die Pest zu behandeln). Zunächst kannten die Menschen im Mittelalter kein wirksames Mittel gegen die Pest. Häufig wurden die Menschen zur Ader gelassen: Man entnahm ihnen Blut, indem man - meist im Oberarm - in eine Vene schnitt. Andere Kranke wiederum bekamen Brechmittel oder Einläufe. Heute ist bekannt, dass diese Maßnahmen den ohnehin geschwächten Patienten eher schadeten als nützten. Um sich zu schützen, trugen die Menschen Tücher oder Masken vor dem Gesicht. Außerdem versuchten sie durch das Verbrennen duftender Hölzer und Kräuter sowie durch das Versprühen von Essig- oder Rosenwasser gegen die Krankheit anzukämpfen, doch auch das blieb erfolglos. Manchmal, wenn Ärzte die Pestbeulen zum richtigen Zeitpunkt aufschnitten, den Eiter abfließen ließen und die Wunden mit Essigwasser desinfizierten, hatten die Patienten zumindest eine kleine Überlebenschance. Anfangs wurden die Kranken ohne besondere Vorkehrungen in die örtlichen Krankenhäuser gebracht, die Toten wurden normal beerdigt. Später kennzeichnete man die Häuser von Pestkranken mit einem Kreuz, die Betroffenen mussten in Zwangsunterkünfte außerhalb der Städte ziehen. Mit der zunehmenden Zahl der Toten verbreitete die Pest Angst und Schrecken unter den Menschen. Das führte dazu, dass die Erkrankten oft von ihren eigenen Familien und Freunden im Stich gelassen wurden. Selbst Geistliche verweigerten ihren Beistand. Erst nachdem mehrere Hunderttausend Menschen gestorben waren, wurde klar, dass die Ausbreitung der Seuche durch die Isolation der Kranken eingedämmt werden konnte. Um 1423, lange nachdem die Verbreitung der Seuche ihren Höhepunkt erreicht hatte, gab es auf einer Insel bei Venedig das erste Pestkrankenhaus Europas. Ebenfalls auf einer venezianischen Insel entstand eine Quarantänestation. Da die Venezianer einen Zusammenhang zwischen Pest und Schiffsverkehr vermuteten, standen Reisende, die aus verpesteten Städten kamen, zunächst für 40 Tage unter Beobachtung. Für diese Zeit mussten sie auf der Insel Lazzaretto Nuovo in der Lagune von Venedig bleiben. Aus dieser Zeitspanne der Isolation entstand der Begriff "Quarantäne", denn "quaranta" ist das italienische Wort für 40. Das Mittelalter ist durch eine verheerende Pandemie, die als „Schwarzer Tod“ bezeichnet wird, gekennzeichnet. Sie wird überwiegend für eine Variante der Pest gehalten. Sie breitete sich bis nach Norwegen aus und wurde dort als „Svarte Dauen“ und „Den store Mannfall“ bezeichnet. Man fasste die „Pest“ als Strafe Gottes auf. Das führte vielerorts dazu, dass man sich in sein Schicksal ergab und gar nicht erst versuchte, der heranrückenden Pest zu entkommen. Stattdessen wurden Bußpraktiken empfohlen, um Gott wieder zu versöhnen. Das führte zu einem Aufschwung der Geißlerumzüge:manche Gläubige begannen damit, sich selbst zu geißeln: Sie zogen tagelang umher und schlugen sich währenddessen selbst blutig. Durch diese Maßnahmen wollten sie für ihre Sünden büßen und dafür sorgen, dass sie es im Jenseits gut haben würden. Auch der Ablasshandel der Kirche nahm in den Zeiten der Pest enorm zu. Mithilfe von Ablässen konnten sich die Menschen für eine bestimmte Zeit von ihren Sünden, und somit auch vom reinigenden Prozess des Fegefeuers freikaufen.Außerdem wandte man sich an die Pestheiligen St. Rochus und St. Sebastian.

Es gibt eine Anordnung des Bischofs von Bergen und des Domkapitels zur Bekämpfung einer nicht genauer beschriebenen Pestepidemie von 1445, deren Beginn unklar ist. Es handelt sich um Messen, Almosen, Prozessionen, Fasten und Altargang über 5 Tage. Solche Maßnahmen waren zur Pestbekämpfung europaweit üblich. Besonders die Messen und Prozessionen trugen zur Verbreitung der Pest bei. Erst 1498 untersagte man in Venedig beim Auftreten der Pest alle Gottesdienste, Prozessionen, Märkte und Versammlungen. Es scheint, daß sich erst allmählich ein Denken und Verhalten entwickelte, daß nicht nur religiös auf die Pest regierte, sondern auf tatsächlichen Erfahrungen mit der Seuche beruhte. So galten nach einer Quelle von 1484 im Preetzer Kloster besondere Verhaltensregeln in Pestzeiten. Zudem gab es vielleicht in Schleswig des 15. Jahrhunderts eine solche Pestordnung, wie sie in der Frühen Neuzeit etwa aus Rendsburg und auch vom König für die Herzogtümer aus dem Jahr 1713 bekannt ist. Die Anordnungen bestehen meist aus einer Mischung aus wirksamen und unwirksamen Maßnahmen. Zu den wirksamen Mitteln zählen sicherlich Marktverbote, die isolierte Behandlung von Pestkranken und besondere Vorsichtsregeln bei Beerdigungen. Unwirksam waren medizinische Mittel, aber auch das alleinige Verbot des Zuzugs von Fremden, nicht jedoch von Einheimischen, die aus pestverseuchten Gebieten kamen.

Mehr läßt sich über die kulturellen Folgen der Pest sagen, die im Zusammenhang mit der Furcht vor dem Tod stehen. So beteiligte sich der Lübecker Rat an einer von anderen Städten initiierten Judenverfolgung. Überall im Reich wurden zu dieser Zeit Juden beschuldigt, die Pest verbreitet zu haben. Häufig wurden sie jedoch umgebracht, um sich seiner Schulden bei ihnen zu entledigen oder ihres Vermögens habhaft zu werden. Nie handelte es sich um Pogrome, die von den unteren Schichten aus Angst vor der Pest ausgingen. In der Regel waren vielmehr die führenden Schichten der Gesellschaft bis hinauf zum Kaiser die Initiatoren. In Lübeck gab es im Mittelalter keine Juden, weswegen der Rat der Stadt andere Personen aufgreifen und zum Tode verurteilen ließ, da sie angeblich im Auftrag von Juden die Pest verbreitet hätten. Da dies auf dem Höhepunkt der Seuchenwelle geschah, ist nicht auszuschließen, daß der Rat mit dem Verfolgen von Sündenböcken den Unmut der Einwohner dämpfen wollte. Längerfristige Wirkung dürfte es kaum gehabt haben, da die Krankheit ja weiterhin andauerte. Der Lübecker Rat ließ sich dazu durch Briefe von den Räten anderer Hansestädte über ähnliche Vorgänge bewegen. Er unterließ es nicht, auch andere Räte und Herrscher in Norddeutschland vor den vermeintlichen Machenschaften der Juden und ihrer angeblichen christlichen Helfer zu warnen und dazu aufzurufen sie zu verfolgen. Diese Lübecker “Judenverfolgung ohne Juden” blieb in der Hansestadt jedoch ein Einzelfall.

Kannst du googlen...aber ganz allgemein gesagt, die Leute(die Kranken) wurden in Häuser gesteckt, die Türen verriegelt und die Kranken starben qualvoll, Sachen/Haus wurden verbrannt...so sollte die Pest eingedämmt werden...tja war wohl nix;)

Die Kranken wurden isoliert,oder besser gesagt,in ihren Häusern eingenagelt,mit Holzbalken,und mußten dor elendigst sterben.Auf den Häusern gab es Schriftzeichen,damit man wußte was da los war.Das hört sich alles sehr gemein an,aber nachdem das eine ansteckende,tödliche Krankheit war,wollte die noch gesunden Menschen,auch nur ihr Leben retten.

Meinst du die Menschen, die die Pest schon hatten? Oder die Menschen, die sich vor der Pest schützen wollten?

Die Menschen, die die Pest hatten, gingen in Krankenhäuser, ließen sich Blut abzapfen und für sich beten. Die, die keine Pest hatten, grenzten sich nicht unbedingt nur ab. Es war ja noch gar nicht bekannt, dass die Pest von Mensch zu Mensch übertragen werden konnte. Aber später wurde auch viel über die Abgrenzung berichtet. Die Toten wurden dann vor die Tür gelegt und von Landstreichern gegen geringes Entgelt fortgeschafft.

Hier findest du weitere Antworten und Dokus über die Pest: http://www.deutschland-im-mittelalter.de/pest.php#gegenmassnahmen

Menschen meiden, Kranke vertreiben, Sachen und Hausrat alles verbrennen.

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