Welches Stück ist schwerer: Das Prelude Nr. 3 cis-Moll von Rachmanninov oder Schumanns Träumerei

3 Antworten

Es kommt drauf an, was du üben willst, würde ich sagen. Die Träumerei ist recht schnell gelernt, man hat aber agogisch einen recht großen Spielraum. Ich denke bei Rachmaninov kannst du dich nicht nur ausschließelich auf die Agogik konzentrieren. Unter diesem Aspekt: Entscheide selbst, was du als schwieriger empfindest :P

Die Träumerei besteht nur aus wenigen Noten, aber die Nuancen sind nicht leicht plastisch herauszuarbeiten - sonst klingt das Ding wie eine Wiederholung banaler Melodien. Es ist ziemlich knifflig, die "Dreidimensionalität" mit Agogik, Phrasierung und Dynamikebenen schön hinzukriegen. Ich habs mit etwa 10 Jahren mal gespielt...heute bin ich 30 und finde es immer komplizierter, da meine Höransprüche gewachsen sind. Der Rachmaninoff ist natürlich technisch anspruchsvoller, richtig schwer ist er nicht (da gibt es von Rachmaninoff ganz andere Sauereien)...aber hier ist die Herausforderung, die Sprünge sicher zu meistern, richtig zu "donnern" und im schnellen Mittelteil die Melodie klarzumachen. Im Grunde ein Vergleich von Äpfeln und Birnen...

Was die rein technischen, pianistischen Probleme angeht, so ist das Prélude op. 3,2 wegen des vollgriffig-akkordischen Satzes um einiges schwieriger als die Träumerei zu spielen. (Den Schwierigkeitsgrad legt der Klavierpädagoge Klaus Wolters bei Rachmaninows Komposition auf Stufe 11, bei der von Schumann auf 8 [Skala von 1 bis 15] fest.) Im Gegenzug "wirkt" das Prélude logischerweise auch entsprechend mehr, wogegen Schumanns Werk in den Bereichen Anschlag, Phrasierung und Pedaltechnik höhere Anforderungen stellt, deren Meisterung allerdings nicht zwingend zu standing ovations führt. Gegensätzlicher könnten die beiden Stücke nicht sein: das Prélude ist nach außen gewandt, die Träumerei wie kaum ein anderes Werk nach innen gekehrt. Zurück zu Ihrer eigentlichen Frage: Arthur Rubinstein hat einmal sehr schön gesagt: "Je einfacher ein Stück ist, desto schwieriger ist es zu spielen."

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