Welches Metrum?

2 Antworten

Dieser Rhythmus ist nicht regelmäßig, weil er zwischendurch Daktylus-Elemente hat, D.h.: auf eine betonte Silbe folgen zwei und betonte.

Der Knecht hat er stochen den edeln Herrn,

Der Knecht wär' sel ber ein Ritter gern.

Es gibt kein einheitliches Versmaß. Du müsstest also herausfinden, wie du betonst und dann einteilen:

Ich fang an:

Der Knecht | hat er sto | chen den ed | len Herrn

Jambus | Anapäst | Anapäst | Jambus

Kann man die erste Silbe nicht als Auftakt verstehen? Ich war ganz erschrocken, als ich hier noch mal zum nachdenken gezwungen wurde ;-)

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@gutifragerno

Das ginge ja nur beim Daktylus, und dnn gibt es am Ende eine einsame betonte Silbe:

Der | Knecht hat er | sto chen den | ed len | Herrn ø

- oder es gibt ein komplettes Mischmasch, und dafür finde ich die Verse zu regelmäßig. Oder wie würdest du aufteilen?

Der Knecht | wär sel | ber ein Rit | ter gern

Jambus | Jambus | Anapäst | Jambus

Auch mit einem Blick auf den Rest des Gedichts passt der Jambus mit eingeschobener unbetonter Silbe zusätzlich (Anapäst) hier und da.

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@LottaKirsch

Liebe Lotta, danke für den Hinweis, aber was hältst du davon, wenn man die ersten zwei Verszeilen zusammen liest, in der Praxis des Rezitierens hat man möglicherweise Das Problem mit der isolierten Hebung am Ende gar nicht.

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@gutifragerno

Dann hab ich das Problem doch aber nur verschoben 🤔 - an das Ende der zweiten Zeile. Und wenn ich dann alles ganz atemlos an einem Stück rezitiere, habe ich ganz am Ende eine betonte Silbe, die ganz allein ist, und gehe ganz nebenbei über Vers- und Strophengrenzen hinweg...

| Der Knecht | hat er sto | chen den ed | len Herrn | // Der Knecht | wär sel | ber ein Rit | ter gern. |

| Er hat | ihn er sto | chen im dun | klen Hain | // Und den Leib | ver sen | ket im tie | fen Rhein. |

| Hat an | ge legt | die Rüs | tung blank, | // Auf des Her | ren Roß | sich ge schwun | gen frank. |

| Und als | er spren | gen will ü | ber die Brück, | // Da stu | tzet das Roß | und bäumt | sich zu rück. |

| Und als | er die güld | nen Spo | ren ihm gab, | // Da schleu | dert's ihn wild | in den Strom | hi nab.

Mit Arm, | mit Fuß | er ru | dert und ringt, | // Der schwe | re Pan | zer ihn nie | der zwingt. |

Auftaktig ist es ja durch den Jambus und den Anapäst ja ohnehin...

Schreib du doch mal auf, wie du aufteilen würdest. Nur weil ich meine Überlegung schlüssig finde, bestehe ich nicht darauf, wenn mich eine andere überzeugt 😊

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@LottaKirsch

Deine Betonungs-Aufteilung ist völlig überzeugend. Ich habe das Gedicht jetzt mal rhythmisch für mich gelesen - und da ist es erstaunlich, dass das überhaupt kein Problem ist. Man hat nicht das Gefühl einer Störung. Und was die Hebung am Ende der zweiten Zeile angeht - die kann man ja verschleifen mit der unbetonten Silbe zu Beginn der nächsten Strophenzeile.

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@gutifragerno

Ich war nie davon ausgegangen, dass wir unterschiedlich betonen würden. Es ging doch nur um die Frage, wo die Grenzen der Takte sind, oder?

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@gutifragerno

Ich sag ja - da ist eine Regelmäßigkeit drin, obwohl das Versmaß nicht durchgängig einheitlich ist 😊

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@LottaKirsch

Wunderbar! die Wirklichkeit der Literatur hat eben manchmal doch mehr zu bieten, als manche sich im Deutschunterricht träumen lassen ;-) ich bin jedenfalls immer wieder positiv überrascht, auch von den Denkanstößen hier im Netz :-)

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