Was bedeutet eigentlich Orthodox?

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Der Begriff kommt aus dem Griechischen. ortho bedeutet gerade, aufrecht, richtig. Dox bedeutet Ruf, Ruhm, Meinung. So bedeutet Orthodox die richtige Meinung. Heute wird der Begriff nur im Zusammenhang mit Religon gebraucht. Damit ist dann die "richtige" Religion gemeint. Der Gegensatz zur Orthodoxie, der Rechtgläubigkeit, ist die Heterodoxie, der andere, "der falsche" Glaube. Heterodoxie wird auch als Unglaube und Ketzerei bezeichnet.

wörtlich "rechtgläubig", in der Regel mit der Bedeutung einer konservativen, strengen, bemüht ursprünglichen und manchmal etwas kompromisslosen Auslegung der jeweiligen Glaubensgrundsätze.

Die Orthodoxe Kirche bezeichnet hingegen eine Konfession, die sich im Mittelalter vom Katholizismus abgetrennt hat.

Orthodox ist kein Glaube. Orthodox bedeutet lediglich, dass man an die ursprünglichen Festlegungen hält und diese nicht gerne abändert. In Bezug auf Religionen bedeutet es, dass eine Glaubensrichtung besonders dogmatisch an den Ursprüngen der jeweiligen Religion festhält. In den jeweiligen Religionen ist es aber sehr unterschiedlich zu verstehen.

Unter orthodoxen Juden versteht man eine ganze Schar von jüdischen Glaubensgemeinschaften, die aber allesamt mit der Gesamtreligion verbunden sind. Es gibt bei den Juden keine so scharfe Trennung wie bei Christen. Es sind eben meist Sekten im Judentum, die an sehr strengen Regeln bezüglich des Äusseren, des Verhaltens und religiösen Pflichten festhalten und hauptsächlich ständig mit Studien der heiligen Schriften beschäftigt sind.

Orthodoxe Moslems sind ein noch wager gefasster Begriff. Man kann sicherlich z.B. Wahabitten und ähnliche Zweige des Islam als orthodox bezeichen. Generell wohl die Moslems, die der Schariah grosse Bedeutung zumessen, sprich der Religion auch die Gesetzgebung überlassen, das wären wohl orthodoxe Moslems.

Orthodoxe Christen sind ein ganz anderer Schuh geschichtlich. Eigentlich haben sich die Katholiken und die orthodoxen Christen(die 2 Zweige aus Rom und Konstantinopel, also Westrom und Ostrom als Reiche) beide als "die wahren" Christen gesehen. Das war ein Machkampf und die Bezeichnung war ein stückweit Kampfparole. Nach dem Motto: wir sind die richtigeren Christen. Mittlerweile hat diese Geschichte kaum noch Bedeutung. Die Bezeichnung ist aber geblieben. Somit werden alle Christen, die der ehemels oströmischen Religion angehörten(Griechen, Russen, Bulgaren, Serben, Georgier, Kopten) als orthodoxe Christen bezeichnet. Wobei sie in vieln Dingen weniger orthodox als z.B. Katholiken sind.

Orthodox kommt aus dem Griechischen und heißt "die richtige Meinung, die richtige Lehre"

Bereits in dem Wort "richtig" liegt der Zündstoff. Denn in Glaubensdingen behaupten viele innerhalb ihrer Konfession, dass nur sie die "richtige Lehre" haben. Das liegt darin begründet, dass alle Heiligen Schriften - sowohl im Judentum, im Christentum, im Islam aber auch im Buddhismus - sehr auslegungsfähig sind und auch sehr verschieden ausgelegt wurden. Allein das Frühchristentum war ein "bunter Haufen" verschiedenster Auslegungen. Jesus selbst hatte ja nichts aufgeschrieben! Die Evangelien sind Lehrmeinungen erst in zweiter und dritter Generation nach seinem Tod.

Orthodoxe sind Leute, die für sich beanspruchen, dass sie nach wie vor allein die "richtige Lehre" besitzen. Andere wurden als "Abtrünnige" qualifiziert, und soweit im Besitz weltlicher Macht, auch blutig verfolgt als Ketzer. Ihnen gegenüber stehen heute "Moderne", die ihre Konfession als "evolutionär" ansehen, als Entwicklung und immer noch weiter entwickelbar. Dazwischen ist die große Masse der Mitläufer, denen das egal ist und die sich dem anpassen, was so die meisten in der Umgebung glauben.

Wenn man sich jedoch die Terroranschläge in der islamischen Welt ansieht, richten sich die wenigsten Anschläge gegen "Ungläubige". Meist bebomben sich die verschiedenen Orthodoxien wie Sunniten gegen Shiiten oder noch radikalere Orthodoxe.

Wenn die Religionen sehr auslergerisch sind, wie schwer ist es dann Übersetzung auszulegen? Ich mein die sind ja schon durch die Übersetzer/in verfälscht. Man müsste doch die sankskritschrift beherschen und am best möglich muttersprachler sein.

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@froggle

Das ist ein großes Problem. Es reicht ja nicht, die Sanskritschrift heute zu beherrschen, sonder man müsste auch die Wortbedeutungen in den gesellschaftlich realen Situationen vor 2500 Jahren kennen. Allein die Bibel umfasst Zeiten mit verschiedenen Gesellschafts- und Wirtschaftsformen und die gebrauchten Bilder sind auf die jeweiligen Gesellschafts- und Wirtschaftsformen zu beziehen.

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