Warum werden Behinderte Menschen oft unterschätzt in ihrer Selbstständigkeit?

5 Antworten

Ich kann glücklicherweise ein positives Gegenbeispiel liefern:

Mein Vorgesetzer beruft alle halbe Jahre eine Art Mitarbeiterversammlung ein - und dabei lobt er Mitarbeiter mit hoher Pünktlichkeit, geringen Fehlzeiten und anderen positiven Eigenschaften, während er die Anderen ermahnt, sich ein Beispiel daran zu nehmen.

Nicht ungewöhnlich?

Nun, die Mehrzahl der ausdrücklich gelobten Mitarbeiter hat eine Behinderung, einige eine Schwerbehinderung - während die Gesunden praktisch immer mit Negativwerten in den genannten Bereichen auffallen.

Er stellt stets aufs neue fest,wie zuverlässig, belastbar und leistungswillig Menschen mit Behinderung sind und er weiß ihr Engagement und ihren Enthusiasmus wirklich zu schätzen.

Das mag vielleicht ein Einzelfall sein - aber man sieht, dass es auch positive Arbeitgeber gibt - und das weit bevor es den Begriff "Inklusion" gab.

Das Ausmaß einer geistigen Behinderung spielt da sicherlich eine Rolle, wozu es ja auch verschiedene Schweregrade gibt. Von leicht ausgeprägt bis eben schwer und absolut nicht alleine lebensfähig. Bei den letzteren Fällen ist es ja klar, aber bei z. b. den fast verschwindend geringen oder nur moderaten Fällen (wie z. b. Lernschwächen) oder auch Asperger-Autismus ist es in der Tat durchaus schade, dass man dazu geneigt ist auch dies über einen Kamm zu scheren und nicht etwa den individuellen Fall zu betrachten und auch das zugrundeliegende Potential nicht weckt oder es durch nIcht-beachtung ebend verkümmert, und ein Mensch vielleicht ungerechtfertigt eine komplette Lebenshilfe in Anspruch nimmt.

Selbst beim Down-Syndrom gibt es auch die verschiedensten Fälle, wonach manche mit einer geringeren geistigen Behinderung durch Förderung ein für sie halbwegs selbstständiges Leben führen (ganz wird es nie gehen, aber so das es eben etwas würdevoller ist, auch wenn die betroffenen das Niveau wahrscheinlich nicht objektiv bewerten (können).

Ausschließlich Körperliche Behinderungen sollten gänzlich differenziert betrachtet werden. Da hackt es ja 'nur' etwas mit Mobilität und einen schnelleren Bewegungsablauf.

Es geht schon Leuten so, welche Hör oder gar Sprachbehindert sind, die für solche Leute gehalten werden, welche nicht im Leben zurecht kommen und auf Dauer auf einen Betreuer angewiesen sind.

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@Amigo37

Auch hier ist sicher der Schweregrad ein Faktum. Im produktiven Sinne gehört eine halbwegs lupenreine Kommunikation und sprachliches Verständnis leider zu unserer Defintion eines funktionalen Alltags, nicht zuletzt weil jener so schnelliebig daher geht. Erst mal 5 Minuten abzuwarten, bis ein (sprachlich) eingeschränkter einen geraden Satz rausbringt, mitteilt was er möchte, oder eben in Kombination mit Hörminderung, hat bei manchen leider einen untergeordneten Platz.

Privat.. Könnten Gegenüber entspannter und offener reagieren.

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Weil -ohne das Böse zu meinen- man durch eine "Behinderung" doch mehr oder weniger beeinträchtigt ist! Natürlich kann man den Alltag bewältigen wenn man im Rollstuhl sitzt! Allerdings ist es doch deutlich schwerer, als wenn man laufen kann!

Deswegen ist es auch überhaupt nicht böse gemeint, wenn man einen Rollstuhlfahrer oder einen anders "Behinderten" die Tür auffhält oder fragt, ob man helfen kann:)

Natürlich gibt es immer Idioten die sich darüber lustig machen, aber mit dem Großteil der Menschen macht man durch und durch gute Erfahrungen!

Das erlebe und fühle ich gar nicht. Ich bin durch Unfall beidseitig hüftexartikuliert, also vollkommen beinlos, komme damit aber sehr gut zurecht und bewege mich in einen chicen, flinken Carbonrolli vorwärts.

Ich erlebe in meinem Umfeld gar keine Unterschätzung, ganz im Gegenteil, die Leute finden es klasse wie ich mit meiner beinlosigkeit zurechtkomme, das ich selbstbewusst bin und das ich ganz ohne Beine trotzdem alles schaffe und überall hinkomme

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Weil wir Menschen immer jemanden suchen der „anders“ als es die Norm verlangt ist... Menschen versuche sich gegenseitig zu kategorisieren um sich selbst weit oben zu sehen. Ohje, ich hoffe man versteht was ich meine.
Nur weil man beeinträchtigt ist, ist man kein schlechterer Mensch.

Ich verstehe Dich sehr genau und ich bin genau der selben Meinung. Man ist in der Tat kein schlechterer Mensch, nur weil man beeinträchtigt ist. Und der Wert einer Gesellschaft erkennt man daran wie sie mit den Schwachen umgeht.

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@Amigo37

Inwiefern ist ein Behinderter Mensch auch ein Schlechter? Im Gegenteil, innerhalb ihrer Einschränkungen sind sie meist herzlicher und freundlicher als alle so gennanten Normalen. Keiner sucht es sich aus mit Behinderungen geboren zu werden, so sollte aber der logische Umkehrschluß bei derlei Argumenten sein?! Nach dem Motto, 'Du bist schlecht, weil du dich dazu entschloßen hast so geboren zu werden'. Keiner sucht sich sowas bewusst aus. Es ist eine Verkettung unglücklicher Erbanlagen oder wenn sich diese treffen und spontan entstehen. Oder wenn bei der Geburt Komplikationen entstehen, wie Sauerstoffmangel.

Auf religiöser Ebene galt (früher) auch oft, dass Menschen mit Behinderungen die Nachkommen schwerer Sünder sind, und diese so damit bestraft werden. Vielleicht kommt deswegen bei manchen die Definition von 'schlecht'?

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