Warum sind Kinder glücklicher als Erwachsene?

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11 Antworten

Sehr interessante Frage, aber damit sprichst du wirklich ein riesiges und hochkomplexes Thema an. Ich versuche es mal ansatzweise nach meinem Verständnis zu umreißen.

Kinder sind übermäßig emotional, positiv sowie negativ. Sie erleben Positiverfahrungen intensiver, aber ebenso erleben sie Negatives, Schmerzen und Enttäuschungen stärker. Dementsprechend sind Erfahrungen und Gefühle intensiver, sodass die wahrgenommene Belohnung sowie Bestrafung von Verhalten prägender sind (Emotionalität bedeutet einen starken Lernprozess und eine intensive Verarbeitung). Aber auch Prozesse wie Verdrängung (die vor allem über Ablenkung, also eine Form von Positivemotionen funktioniert) überschatten noch sehr stark das Denken. Kinder sind also formbar und empfänglich für Prägungen aller Art. Kinder nehmen die Welt weniger abstrakt und stärker konkret wahr. Sie wägen kaum Vor- und Nachteile ab, sondern erleben sehr stark die konkrete Situation.

Erwachsene haben eine stärker kognitiv orientierte Art, Dinge zu erleben. Sie ordnen alles sofort in ein Spektrum von Wissen und Wertesystemen bzw. Wertigkeiten ein. Damit relativieren sie häufig alles direkt, wenn es passiert. Wenn sie zum Beispiel einen Regenbogen sehen, werden die meisten Erwachsenen eher wenig darauf reagieren, aus vielfältigen Gründen, z.B. weil sie wissen oder sich durch frühere Erfahrung ankonditioniert haben, dass es "peinlich" ist, als "leicht zu beeindrucken" oder "emotional" wahrgenommen zu werden. So will es schließlich die Wertigkeitskategorie "Zurückhaltung", "Männlichkeit", "Sachlichkeit", oder was auch immer gerade angestrebte oder sich eingeredete Eigenschaften der eigenen Persönlichkeit oder des eigenen sozialen Status sind. Erwachsene, die sich trotzdem so verhalten, werden belächelt, weil viele Menschen diese Art von Emotionalität mit niedriger Intelligenz und mangelnder Abstraktionsfähigkeit verbinden. Von Kindern wird es erwartet bzw. sie interessieren sich nicht für diese Kategorien im Denken. Oder genauer gesagt, sie sind (noch) nicht dazu in der Lage, Gefühle effektiv ihrer Kognition unterzuordnen. Du siehst also, Erwachsene sind viel gehemmter und in der eigenen Wahrnehmung eingeschränkter durch ihre Umwelt, als Kinder das sind (oder genauer, als Kinder fähig sind zu sein).

Die Frage nach dem Warum ist, so wie die nach allen menschlichen Verhaltensmustern, vermutlich am ehesten evolutionsbiologisch zu beantworten, wobei das natürlich noch größtenteils unbekannt und eher spekulativ ist und sich auf den frühen homo sapiens und seine Lebensweise bezieht, etwas über das wir nicht allzu viel wissen. Für das Kindchenschema sowie für die Überlebensfähigkeit waren oben beschriebene Eigenschaften des kindlichen Denkens auch schon in damaligen Zeiten durchaus sinnvoll. Wer schwach und unwissend ist, ist überlebensfähig, wenn er sehr anpassungsfähig und formbar ist. Zu gefestigte Denkkategorien würden für ein mit allem überfordertes sowie nicht alleine überlebensfähiges Wesen wie ein menschliches Kind wohl häufig den sicheren Tod bedeuten, denn würden trotz dem mangelnden Wissen und der starken Verletzlichkeit zu starke Eigenentscheidungen stattfinden, wären deren Folgen häufig fatal. Eine starke "Offenheit" gegenüber den eigenen Fehlern und bisher angenommenen Wertigkeitskategorien (die vor allem durch Emotionalität stattfindet) bedeutet dagegen einen Lernprozess, der fürs Überleben unabdingbar war und ist.

Wäre allerdings im Erwachsenenalter, das viel stärker von Eigenschaften wie kommunikativer Stärke, Entscheidungsstärke und Selbstbewusstsein abhängig ist (welche beim Sozial- und Hierarchiewesen Mensch eben auch Durchsetzungsfähigkeit, Egoismus und Dominanzfähigkeit bedeuten, Eigenschaften die durch zu starke (Positiv-)Emotionalität erschwert sind), die "Offenheit" gegenüber eigenen Fehlern und die Bereitschaft zur Änderung der eigenen Wertesysteme ähnlich hoch, wären die Chancen auf Überleben bzw. Weitergabe der Gene eher schlecht, aus vielfältigen Gründen. Das mag jetzt etwas einseitig betrachtet sein und aus heutiger Sicht ziemlich brachial klingen, aber bezogen auf den frühen Menschen vor jeglicher Zivilisation (in komplexen Gesellschaften mit kollektiv übergeordneten Wertesystemen ist es eben wieder etwas anderes), dessen DNA wir alle nunmal in uns tragen, wären diese kindlichen Verhaltens- und Denkmuster im Erwachsenenalter fürs Überleben definitiv ein Überlebensnachteil.

Von daher: Ja, Kinder nehmen Positivreize viel stärker wahr, aus gutem Grund. Aber nein, im Erwachsenenalter so zu denken und handeln, wäre bzw. ist mehr als problematisch, denn "Hemmungen" aller Art und die starke Unterordnung unter übergeordnete hierarchische oder moralische Systeme (denen der Wunsch nach Handlungssteuerung durch Gefühle dann untergeordnet wird) sind für ein "erwachsenes" Verhalten und damit "Erfolg in der Erwachsenenwelt" (Überlebensfähigkeit und Selbsterhaltung, Weitergabe der Gene etc.) nach wie vor unabdingbar. Menschen, die im Erwachsenenalter ähnlich emotional-offen wie Kinder und wenig rational-voreigenommen denken, gibt es auch, aber diese werden von der Gesellschaft nicht akzeptiert oder wären alleine nicht oder kaum zum Überleben in der "Erwachsenenwelt" fähig (z.B. Menschen mit geistiger Behinderung oder mit vollständig fehlenden Hemmungen gegenüber ihren Emotionen). Außerhalb unserer modernen und in hohem Maßstab sozialen Gesellschaft wären diese Menschen (so grausam es auch ist) überhaupt nicht überlebensfähig.

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Kinder leben ganz im Moment, für sie zählt nur das Hier und Jetzt. außerdem tragen sie keine Verantwortung und denken nicht über die Zukunft nach. Ganz wie ein Kind kann man als Erwachsener wohl nicht leben, aber natürlich kann man an der eigenen Einstellung arbeiten. Ich bin auch nicht immer glücklich, aber ich versuche, mir jeden Tag klarzumachen, welch ein Glück ich habe, in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein. Ich habe ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, habe es warm, habe Freunde und einen Beruf, der mich ausfüllt. Wenn ich mir das klarmache, bin ich zumindest zufrieden.

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Kinder brauchen nicht viel um glücklich zu sein. Wenn sie zuhause eine Bezugsperson haben, die immer für sie ansprechbar ist und sich auch liebevoll mit ihnen abgibt, ihre Wünsche und Ideen teilnahmsvoll annimmt in allen Situationen, fühlen sie sich absolut geborgen und sind so glücklich in ihrem Dasein. Vorallem wenn sie ihre Unbefangenheit verständnisvoll ausleben dürfen.

Wenn man als Erwachsener das " Kind im Manne " nicht abwirft, kann man seinen geistigen Alterungsprozess so weit verlangsamen, so daß man sich immer jung fühlt bis in´s hohe Alter, beinahe die Einstellung eines Kindes behält.

Ich selbst, bereits im Rentenalter, habe mich trotz anstrengender Arbeit im Berufsleben immer liebend gern mit Kindern abgegeben, so daß sie mir oft sagten, sie könnten mein Alter gar nicht richtig einschätzen. Unter uns bist du so wie wir, unter Erwachsenen aber anders.

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Kommentar von dfllothar
16.01.2017, 09:34

Aber noch abschließend bemerkt: Bei allem Verständnis für das kindliche Verlangen bin ich aber nicht für vollkommen antiautoritäre Erziehung, sonst würde vieles ausrastern.

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Ganz einfach weil Kinder sich ziemlich leicht ablenken lassen können und teilweise auch schnell etwas vergessen können.

Das heißt eine schlechte Erfahrung kann am nächsten TAg schon wieder längt vergessen sein.

Erwachsene sind halt das Produkt ihrer Erfahrungen. Wenn ein Erwachsener halt schlechte Erfahrungen gesammelt hat, das kann ihm ein Leben lang nachhängen.

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Ja, das stimmt. Erwachsene könnten das auch... aber dafür sind die zu seriös und finden sich zu wichtig. Ich kenne einige erwachsene, die ganz witzig drauf sind. Und es ist einfach die soziale Norm und Vernunft. Kaum Erwachsene lachen nunmal, wenn in einem Zeichentrickfilm etwas witziges passiert. Und die Stimme passt dazu dann ja auch gar nicht mehr.

Ich finde, dass es sehr viele Mütter gibt, die nicht lachen. Meist die ständige Sorge um das Kind. Viele Mütter gehen halt ihrer "mütterlichen Fürsorge" nach. Und sehen, was alles passieren kann: Vom Auto überfahren werden, wenn man allein über die Straße geht; oder man muss die nächste Fuhre Wäsche waschen, wenn das Kind in eine Fütze springt.

Kinder können so etwas noch nicht realisieren. Und Erwachsene wollen sich das Leben so ruhig wo möglich halten. Und dazu ist man nunmal strenger und kommt nicht so schnell zum Lachen.

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Wenn ich als Erwachsener soviele Eltern ErzieherFreundeGroßeltern  etc um mich hätte, und so wenigVerantwortlich wäre für eigenen und fremden Bockmist und so viel Zeit ohne festgelegte Aufgaben, wäre ich genauso glücklich wie als Kind. Ich merke das immer an Weihnachten, meinem Geburtstag und Feiertagen :)

Jetzt muss ich mich aber rumärgern mit Nachbarn, Vermietern, Steuerbehörden, Gez, unerfüllbaren vorgaben auf Arbeit, und ich bekomme ständig post, die ich nicht verstehe (Steuerbescheid, Änderung der AGB von xy, bitte umBeteiligung am xyz). 

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Ein Wort, gut wenn man den Artikel dazu nimmt, dann zwei: Das System!

Kinder werden zwar vom System bereits beeinflusst, doch sie sehen es NOCH nicht mit ihren eigenen Augen und wenn, dann haben sie mein Mitleid.

Ich wollte als Kind und Jugendlicher schon immer erwachsen sein und nun, ich bin 18, hab eine eigene Wohnung und mache eine Ausbildung. Ich bereue meine Worte NUR weil das System uns Menschen UNSER Leben weg nimmt und ruiniert und zeitgleich uns weiß macht, dass das SO SEIN MUSS.

Als Kind sieht man der Realität nun mal nicht ins Auge und darum ist die Kindheit das schönste. Gut, dass die Bildung der letzten...10...100...1000...Jahren....Ewigkeiten?!....Mist ist, muss ich nicht erwähnen. Es geht ja darum, dass Kinder ohne die Sorgen des Alltags Spaß haben können und mehr Freizeit haben als Menschen die durchblicken, wie man uns arbeitenden Menschen das Leben verbietet. Diese Ansicht merken besonders heutzutage glücklicherweise immer mehr Menschen und das erklärt warum Menschen, ich sag mal ganz stumpf, depressiver durchs Leben gehen und es hassen. 

Und wenn ich weiter ausholen darf und mich sogar von deiner Frage ein wenig distanzieren darf, dann ist das der Grund, warum man sich heutzutage besonders sehr nach einem Partner sehnt, nur um die wirklichen Probleme der Welt zu verdrängen wenn nicht sogar zu vergessen.

Wenn du wissen willst, wie man die Menschen bringt positiver zu denken, dann gibt es nur 2 Möglichkeiten: Verändere die Realität oder bilde eine neue und weitere Illusion. 

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Kommentar von Stellwerk
15.01.2017, 22:12

"wie man uns arbeitenden Menschen das Leben verbietet."

Glückwunsch, das ist eine sehr kindische Einstellung - nömlich Verantwortung für das eigene Leben auslagern auf eine externe Kraft, natürlich hier das böse "System".

Selber denken, selber das Leben in die Hand nehmen und gestalten und ein bisschen an der eigenen Einstellung arbeiten. Niemand verbietet Dir das Leben.

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Berufsbedingter und privater stress nimmt zu mit dem alter.. mehr verantwortung, mehr aufgaben, mehr probleme kommen auf einen zu und die zeit wird immer knapper...

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Nein ich denke nicht, außer man ist reich. Kinder genießen nur. Erwachsene genießen nur ab und zu wenn nicht dann sogar noch seltener. Kinder haben mehr Kontakt mit anderen und können sich mehr erlauben als Erwachsene. Wie z.B. im Schlamm spielen usw. mir fällt gerae nicht mehr ein. Erwachsene haben einfach mehr zutun als sich permanent mit Sachen beschäftigen zu können was ihnen Spaß macht. Alltag von Kindern/Kleinkindern: Spaß, essen, Spaß, essen, Spaß, essen, schlafen, aufwachen, Spaß usw. Erwachsene: Essen, arbeiten, essen, sich um Rechnungen, evtl Verträge kümmern, Zeit mit Frau verbringen, mit Kindern spielen, essen, schlafen, aufwachen, essen usw.

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Nein, Erwachsene mit der Einstellung eines Kindes sind unreif.

Denn Erwachsene sehen das große Ganze, und das große Ganze läuft verdammt mies. Das große Ganze überschattet die Freude an den kleinen Dingen.

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Warum ist das so? Und kann man als Erwachsener nicht auch mit der Einstellung eines Kindes Leben?

Doch, wenn der Gefühlsneutralpunkt richtig liegt.

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