Warum hat man früher EUCH als Anrede anstatt SIE gesagt?

9 Antworten

Die 2.Person Plural ist in vielen europäischen Sprachen die übliche Höflichkeitsform. Beispiele:

im Schwedischen ist "ni" (ihr) die Höflichkeitsform
(wird kaum noch genutzt, Polizisten sollte man so anreden)

im Finnischen ebenso "te" (ihr) (z.B. gegenüber älteren Leuten)

auch wenn die Isländer sich zumeist duzen, stehen die Anreden auf Hinweisschildern in der 2.Person Plural "athugið" = (wörtlich) "beachtet!" = beachten Sie, oder "munið" = "denkt an...!" usw.

im Französischen "vous" 

Die 3.Person Plural ist eher die Ausnahme für die Höflichkeitsform. Im Deutschen fand wohl mal ein Wechsel von der 2.Person auf die 3.Person statt. Die Frage ist also eher, wie es dazu kam, dass Deutsch eine eher abweichende Form (gegenüber anderen Sprachen) wählte.

Die Anrede in der 2.Person ist durchaus logisch. "du" oder eben "ihr" (Plural aus Gründen der Höflichkeit).

Weil man im deutschem Raum Fremde immer in der Mehrzahl angesprochen hat, als Vertreter seines Volkes (Kelten, Normannen, Westfalen, Badener, Würtemberber usw). Deutschland ist ja ein Viel-Völker-Staat. Mit "Euch" gegenüber einem König sprach man ihn als Vertreter seines Volkes an, nicht als Einzelperson.

Relikt aus dem Mittelalter, oder davor? Stammesvertretern behandelte man lieber immer besonders respektvoll/ vorsichtig, denn es gab ja viele Kriege.

Wenn wir heute jemanden sietzen, kommt das auch aus dieser Zeit. Nur "Stammesmitglieder" hat man gedutzt. Darum haben wir heute im deutschen immer das Problem mit dem "Du" anbieten. Ab wann gehört der Neue zum "Stamm"...

Google mal das YouTube Video von Andreas Popp

"Was ist wirklich eine Demokratie?"

Eigentlich ist eher die Frage, wieso man "Sie" als Anrede nimmt. "Euch" ist ja wenigstens eine Anrede.

Die Beantwortung der Frage ist etwas für Philologen.

"Sie" ist, als ob man über jemanden spricht, der gar nicht dabei ist. Früher gab es die Anrede "Seine Durchlaucht". Über den König sprach man nur in der 3. Person, zumindest wenn er anwesend war. Vielleicht hat sich daraus das "Sie" entwickelt.

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