Waren die 50er/60er Jahre wirklich so schön wie es behauptet wird?

4 Antworten

Gute Frage! Man darf das Gefühl damals nicht mit heute vergleichen. Ich habe ,,Eis am Stiel" auch mit Freue gesehen. Die Geschichte war nicht viel wert, sondern die Musik, die Kleidung und was noch mehr an diese Zeit erinnert. Ich bin auch in dieser Zeit aufgewachsen und es gab zwei riesige Unterschiede zur jetztigen Zeit. Erstens: Die Aufbruchsstimmung. Alles wurde nach dem 2.Weltkrieg neu gebaut; es gab Wachstum und im Gegensatz zu was in den anderen Antworten gesagt wurde; kam es mir nicht ,,spiessig" vor. Di Moral ja, aber die Gestaltung der Häuser, der Elektro-Apparate, der Autos usw. war bunt. Auch aus den USA kamen neue Anstösse. In der jetztigen Zeit ist man dagegen etwas ratlos, ziellos und unzufrieden, weil alles mehr, aber nicht besser wird.

Zweitens: Man erreichte selbst etwas. Es ist doch eine viel größere Freude, zum ersten Mal Musik aus dem selbst zusammengelöteten Verstärker zu hören (und was für Musik!!) als die 47ste App auf dem Smartphone herunterzuladen, im Wissen, dass diese nur für Werbung oder Datensammler dient.

,,Rock and Roll" und ,Beat*" sind in dieser Zeit entstanden und waren eine Revolution! Die heutige Pop-Musik baut noch auf diese Errungenschaften fort.

Ich könnte noch vieles schreiben. Diese Zeit war überhaupt nicht ideal, aber wir haben damals noch Ideale gehabt.

Ich habe die Fünfziger und frühen Sechziger als Kind erlebt: Sie waren spießig, muffig und verklemmt. Erst der Aufbruch Mitte der Sechziger brachte etwas frischen Wind in die Republik: Studentenproteste, Frauenbewegung, sozial-liberale Regierung, Anfänge einer ökologischen Bewegung. Davor: reinster Stillstand.

Liebe in den 1950ern und frühen 60ern war sicher alles andere als toll - zumindest wenn man mehr als nur Händchenhalten wollte. Die Pille kam 1961 auf den Markt, wurde aber bis in die späten 60er nur an verheiratete Frauen verschrieben. Kondome konnte man nur in der Apotheke kaufen, und auch das nur "unter dem Ladentisch", und das Ganze galt als sehr anrüchig. Junge Leute bekamen keine Kondome. Stell dir mal Verhütung ohne Pille und ohne Kondome vor - Alptraum!

Außerdem machten sich Eltern strafbar, wenn sie den Freund oder die Freundin ihres Kindes bei sich zuhause übernachten ließen ("Kuppelei").

Ich glaube, diese Zeit wird gern verklärt, weil es Vollbeschäftigung gab und alles auf "Aufbruch" war. Aber es war doch im Vergleich zu heute sehr eng und spießig. Wärest du mit zwei Fernsehprogrammen in schwarz-weiß zufrieden? Und was wäre, wenn man dir gesagt hätte, Mädchen brauchen kein Abitur, die heiraten ja doch? Oder wenn du in einer Wohnung ohne Bad wohnen müsstest?

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