War die Weimarer Republok zum scheitern verurteilt?

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Die Weimarer Republik war nicht zum Scheitern verurteilt, sondern nur erheblich gefährdet und insgesamt nicht besonders stabil.

In der Geschichte gibt es meiner Meinung nach keinen völlig zwangsläufigen Verlauf (es wirken nur zum Teil schwerwiegende Gründe), weil dieser auch von menschlichen Entscheidungen abhängt und Menschen Willensfreiheit haben (ein radikaler Determinismus hat dazu eine anderen Standpunkt, aber dessen Argumentation überzeugt mich nicht).

Die Demokratie in Deutschland hatte damals ungünstige Rahmenbedingungen und die Weimarer Republik war Belastungen ausgesetzt.

Es gab Erblasten, die das Deutsche Kaiserreich hinterlassen hatte (z. B. verlorener Krieg und dessen weitgehende Finanzierung über Krediten, die ein wichtiger Grund für eine starke Inflation waren). Der Versailler Vertrag hatte ungünstige psychologische Folgen und führte zum langandauernden Problem der Reparationszahlungen, was radikalen Kräften Agitationsmöglichkeiten mit Angriffen gegen auf Kompromisse, internationale Verständigung und Einsicht in reale Bedingungen ausgerichtete Demokraten bot. Dolchstoßlegende und Kriegsunschulddlegende (als Reaktion gegen den überzogenen Vorwurf der Alleinschuld) waren schädlich.

Alte Machteliten mit einer konservativ-Autoritäten Einstellung behielten eine starke Stellung.

Die Arbeiterbewegung war gespalten und die Kommunisten bekämpfen die Sozialdemokraten lange Zeit als Hauptgegner.

Die Verfassung hatte Schwächen (Machtfülle des Reichspräsidenten durch Kombination von Möglichkeit von Notverordnungen, Recht auf Reichstagsauflösung und Ernennung/Entlassung des Reichskanzlers, destruktives Misstrauensvotum gegen Regierung möglich, keine Unveränderlichkeit von Grundrechten und demokratischen Grundprinzipien im Wesenskern). Aber die politische Ordnung war grundsätzlich für eine staatliche Existenz tauglich und am Anfang hatte es inhaltlich tragfähige Grundkompromisse gegeben.

Zu Anfang war eine Mehrheit zu einem demokratischen Weg bereit. Eine antidemokratische Mentalität spielte eine starke Rolle und hat Menschen zu einer Gegnerschaft beeinflusst. Aber Argumente, eine bessere politische Kultur und Erfahrungen mit praktischer Politik (auch die von Parteien mit Abneigung gegen Demokratie wie der DNVP) hätten in dieser Hinsicht auch wieder zu günstigere Verhältnisse herbeiführen können, da viele keine feste Weltanschauung hatten, sondern oft vor allem desorientiert waren.

Die Weimarer Republik hat 1919 – 1923 beträchtliche Schwierigkeiten und Angriffe überstanden. 1924 – 1928 gab es verhältnismäßig gesehen eine Stabilisierung. Es gab eine Chance auf eine Weiterentwicklung mit allmählicher Konsolidierung bei mehr Zeit.

Erst in der Weltwirtschaftskrise kam es zu zunehmenden beträchtlichen Auflösungsprozessen in der politischen Ordnung. Aber bis 1933 gab es Handlungsspielräume und Handlungsalternativen. Es vollzog sich kein Geschehen mit absoluter Notwendigkeit, wie groß oder klein auch immer die Verwirklichung von einzelnen Alternativen beurteilt werden.

Darstellungen in Büchern beschäftigen sich mit dem Problem, das von Historikern unterschiedlich beantwortet wird.

Eberhard Kolb, Die Weimarer Republik. 7., durchgesehene und erweiterte Auflage. Oldenbourg : München, 2009 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte ; Band 16). ISBN 978-3-486-58870-5, geht darauf im Abschnitt „Grundprobleme und Tendenzen der Forschung“ ein und weist auf Literatur zum Thema hin.