Verwirrt über meine „Freundschaft“ mit einem vergebenen Mann - Außenperspektive?
Hallo zusammen,
ich bin total verwirrt und könnte etwas Außenperspektive gebrauchen.
Ich habe einen Freund (knapp 9 Jahre älter als ich), der in einer festen Beziehung ist (Fernbeziehung, sieht seine Partnerin sehr selten, sagt aber, dass seine Beziehung alles ist und er sie unbedingt am Laufen halten möchte, dass das sein einziges Ziel sei). Wir befinden uns seit fast zwei Jahren in so einer „Grauzone“. Ich mag ihn sehr, liebe ihn sogar, und er weiß das, aber er will keine romantische Beziehung mit mir. Trotzdem treffen wir uns regelmäßig, gehen essen, ins Kino, auf Konzerte, spazieren und führen sehr persönliche Gespräche – und im Laufe der Zeit habe ich ihm ziemlich teure und bedeutungsvolle Geschenke gemacht (Konzerttickets usw.), die er immer angenommen hat, obwohl er mehr verdient als ich.
In letzter Zeit bin ich immer frustrierter über sein Verhalten:
Ich fühle mich oft nicht ernst genommen. Er teilt sehr wenig über sich oder seine Beziehung, während ich viel von mir erzähle (Gefühle, meine schwierige Beziehung und Trennung, allgemeines Leben, Familie – alles).
Er sagt Dinge wie „wenn ich niemanden hätte könnte ich es nicht ausschließen mit uns“, gleichzeitig aber „Ich will dir keine Hoffnung machen“. Er hat mir gesagt, dass ich optisch, charakterlich und vom Intellekt her sein Typ bin.
Wenn ich um eine Entscheidung oder ein klares „Nein“ bitte, sagt er, dass Gefühle nicht immer schwarz oder weiß seien. Er betont, dass er mir keine Hoffnung machen will, dass wir irgendwann zusammen sein könnten, wenn er mal Single wäre. Aber ein klares „Nein“ sagt er nicht, obwohl ich ihn schon mehrfach danach gefragt habe.
Nach Treffen reagiert er oft distanziert („Alles gut“), aber wir schreiben danach noch spät nachts WhatsApp-Nachrichten und sagen uns „Gute Nacht“.
Ich habe das Gefühl, mich ständig nach ihm richten und Rücksicht nehmen zu müssen, während er macht, was er will – er lebt einfach sein bestes Leben.
Vor Kurzem habe ich ihm eine Sprachnachricht geschickt, in der ich erklärt habe, dass mich diese gemischten Signale verletzen und dass ich mir einfach Ehrlichkeit über seine Absichten wünsche – zum Beispiel ein klares „Nein“, wenn er keine Beziehung will. Ich habe mich entschuldigt, falls die Nachricht verletzend war. Seine Antwort war im Wesentlichen: Ich solle keine Annahmen über sein Leben oder seine Beziehung treffen, weil ich ihn ja gar nicht kennen würde. Ja, weil er nichts erzählt - im Gegensatz zu mir. Er erzählt praktisch gar nichts "Tieferes" von sich, weil ich ihm mal gesagt habe, dass ich nichts über seine Freundin hören will, weil ich mich dann mit ihr vergleichen würde. Ich will einfach nicht hören, wie toll sie ist. Alles andere kann er erzählen. Aber er meint das ginge nicht. Er würde immer in den Bereich rutschen, den ich nicht hören wolle. Deshalb lässt er es.
Das verwirrt mich noch mehr: Einerseits zeigt er Interesse und Zuneigung, akzeptiert Geschenke, verbringt Zeit mit mir. Andererseits ist er eindeutig nicht verfügbar, sagt widersprüchliche Dinge und es fühlt sich oft so an, als würde er mich „auf der Ersatzbank“ oder warm halten. Vielleicht genießt er auch einfach die Aufmerksamkeit und dass ich ihn begehre.
Ich weiß, dass es wahrscheinlich gesünder wäre, Abstand zu gewinnen oder die Freundschaft zu beenden. Aber wir sehen uns auch regelmäßig bei der Arbeit, komplette Distanz ist schwierig. Ich weiß nicht, ob ich ohne ihn besser klar käme oder ob ich eine Art Verbindung irgendwie aufrechterhalten könnte. Er sagt, dass ich ihm als Freund wichtig bin, dass er meine Gedanken und meinen Charakter schätzt – trotzdem verstehe ich das nicht.
Ist das einfach eine ungesunde Dynamik oder kann man das irgendwie als ungewöhnliche Freundschaft sehen?
Warum verhält er sich so?
Was bin ich für ihn?
Danke schon mal für eure Gedanken!
Noch was: Seit ein paar Wochen, nachdem ich ihm von einer schweren Beziehung erzählt habe, umarmt er mich zum Abschied immer, drückt mich an sich und es fühlt sich teilweise an, als würde er mir fast einen Kuss auf die Haare geben. Verstehe ich nicht. Ich bin in diesen Umarmungen immer sehr passiv...
5 Antworten
Du bist nicht seine Freundin, sondern sein emotionales Backup. Ihm gefällt deine Zuneigung offensichtlich, die Nähe und die Aufmerksamkeit, ohne dir etwas zurückgeben zu müssen, so wirklich. Es gibt kein klares Nein, für den Fall, dass er es doch mal braucht. Das ist keine Freundschaft, sondern ein emotionales Ungleichgewicht. Du investierst, nicht gerade wenig, und er nimmt mehr oder weniger nur. Die Distanz nach einem Treffen und die ausweichenden Antworten zeigen irgendwo, er will dich nah genug halten, um daraus irgendwie zu profitieren, aber fern genug, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Wie du all dies interpretieren möchtest, obliegt deiner Verantwortung. Ich wünsche dir alles liebe, und vergiss nicht dich selbst zu lieben, schau häufiger in den Spiegel und schenk dir selbst ein lachen.
:)
Seine Aussagen sind eigentlich klar.
„Meine Beziehung ist alles“ und „Ich will dir keine Hoffnung machen“ bedeutet praktisch: Er will keine Beziehung mit dir.
Er hält die Tür bewusst halb offen.
Sätze wie „wenn ich niemanden hätte, könnte ich es nicht ausschließen“ verhindern ein klares Ende, ohne dass er etwas ändern muss.
Die Dynamik ist einseitig.
Du investiert Gefühle, Offenheit und sogar teure Geschenke.
Der andere gibt Zeit und Aufmerksamkeit, aber keine echte Verbindlichkeit.
Welche Rolle du für ihn wahrscheinlich hast:
– emotionale Aufmerksamkeit
– angenehme Begleitung
– mögliche Option für die Zukunft
Außenperspektive:
Das ist keine ungewöhnliche Freundschaft, sondern eine ungesunde emotionale Warteschleife. Dein Freund hält Hoffnung, während der andere sein normales Leben weiterführt.
M15/Bi
Fakt ist: der Typ hat eine Beziehung und scheint seine Freundin zu lieben. An deiner Stelle würde ich mir keine Hoffnung machen und mich ihm gegenüber einfach anders verhalten als üblicherweise. Vor allem, ihm keine teuren Geschenke machen. Versuch dich so gut wie möglich von ihm abzugrenzen. Wünsche dir ganz viel Glück
Bin erst bei der Hälfte vom Text, aber alleine dieses hinhalten mit „vielleicht in der Zukunft“ und „wenn ich keine Freundin hätte“ ist so unfair dir gegenüber. Das ist reines warm halten, falls es mit seiner aktuellen Beziehung doch nicht hinhaut. Ich bin der Meinung, wenn er dich wirklich wollen würde, würde er Schluss machen. Ich persönlich würde auch nicht gerne die zweite Wahl für jemanden sein wollen:/
Ich möchte dir mal eine etwas andere Außenperspektive anbieten, was aber natürlich nur eine Möglichkeit ist.
Dieser Mann sieht dich als sehr guten Freund und Kumpel. Er schätzt deine Qualitäten als Mensch, scheint aber kein großes Interesse an dir als Partnerin zu haben - die hat er schon, und möchte auf sie nicht verzichten. Er scheint auch treu zu sein, ihr habt ja keinen Sex miteinander. Wart ihr schon befreundet, als du noch deine Beziehung hattest?
Du schreibst, dass du ihm Geschenke machst. Macht er dir auch mal Geschenke?
Ich könnte mir vorstellen, dass er dich sehr gerne mag, dich vielleicht sogar auf eine bestimmte Art lieb hat und dich nicht verlieren möchte (als Freund). Vielleicht kann er deshalb kein direktes "nein" aussprechen weil er Angst hat, dass du dann den Kontakt abbrichst?
Wie wäre es eigentlich, wenn du ihm mal fragen würdest wie er darauf reagieren würde, wenn du einen anderen Mann kennenlernen würdest? Wenn er darauf positiv reagiert, hast du deine klare Antwort.
Immerhin kann er nicht erwarten, dass du auf ihn wartest, bis er (vielleicht irgendwann mal - oder auch gar nicht) Single wird.
Ich denke, dass er deine Nähe genießt, den Austausch mit dir - auch wenn er sich selbst bedeckt hält. Viele Männer sind so, dass sie nicht viel von sich preisgeben. Erst recht, wenn sie in einer Beziehung sind, weil sehr vieles in ihrem Leben eben mit dieser Beziehung verknüpft ist.
Vielleicht hörst du einfach auf dich nach ihm zu richten? Lebe dein Leben, und er kann sich auch mal nach deinen Verfügbarkeiten richten - nicht nur du an seinen. Wenn du etwas vorhast, dann tu es und nimm keine Rücksicht darauf, ob es ihm gerade passt. Es sollte für dich passen. Ihr seid beide freie Menschen - sogar, wenn euch eine tiefe Freundschaft verbinden sollte. Geben und Nehmen - Gleichberechtigung.
Wenn er dir gut tut, würde ich die Freundschaft aufrecht erhalten, aber nicht damit rechnen, dass es mehr zwischen euch wird. Sein Spruch "wenn ich Single wäre" könnte auch ein Kompromissdenken seinerseits sein: Bevor ich sie als Freund verliere, würde ich - wenn ich Single wäre - mit ihr auch eine Partnerschaft eingehen.
Die Schwierigkeit scheint zu sein, dass du mehr und andere Gefühle ihm gegenüber hast, als er zu dir. Wenn es für dich schwierig ist ihn "nur" als guten Freund zu sehen, mit dem man reden (auch wenn er nicht oder kaum redet) und eine gute Zeit verbringen kann, dann wäre es wohl für dich das Beste, es abkühlen zu lassen, und allmählich auf Distanz zu gehen. Triff dich weniger mit ihm, sage ihm dass du beschäftigt bist usw. - reduziere den Kontakt (auch schriftlich). Du könntest ihm ja auch ehrlich sagen, dass du mehr von ihm wolltest, und wenn das nicht geht, du mehr Distanz bräuchtest. Etwas tricky ist es schon, da ihr am selben Ort arbeitet. Da würde ich es an deiner Stelle nicht zu einem offenen Konflikt kommen lassen. Das kann die gesamte Arbeitsatmosphäre beeinträchtigen.
Ich wünsche dir, dass du dich für dafür entscheidest, was sich für dich stimmiger anfühlt. Die optimale Lösung wird es nicht geben, daher bietet sich nur die zweit- oder drittbeste Lösung an.