Vergleiche das Höhlengleichnis mit dem Kaninchen Zaubertrick?

2 Antworten

Jostein Gaarder, Sofies Welt : Roman über die Geschichte der Philosophie. Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. 1. Auflage. München ; Wien : Hanser, 1993, S. 21:

„Einer der alten griechischen Philosophen, die vor über zweitausend Jahren gelebt haben, glaubte, daß die Philosophie durch die Verwunderung der Menschen entstanden sei. Der Mensch findet es so seltsam zu leben, daß die philosophischen Fragen ganz von selber entstehen, meinte er.

Das ist so, als wenn wir bei einem Zaubertrick zusehen: Wir können nicht begreifen, wie das, was wir sehen, möglich ist. Und dann fragen wir danach: Wie konnte der Zauberkünstler zwei weiße Seidenschals in ein lebendiges Kaninchen verwandeln?

Vielen Menschen kommt die Welt genauso unfaßbar vor wie das Kaninchen, das ein Zauberkünstler plötzlich aus einem eben noch leeren Zylinderhut zieht.

Was das Kaninchen betrifft, so ist uns klar, daß der Zauberkünstler uns an der Nase herumgeführt hat. Wenn wir über die Welt reden, liegen die Dinge etwas anders. Wir wissen, daß die Welt nicht Lug und Trug ist, denn wir laufen auf der Erde herum und sind ein Teil der Welt. Im Grunde sind wir das weiße Kaninchen, das aus dem Zylinder gezogen wird. Der Unterschied zwischen uns und dem weißen Kaninchen ist nur, daß das Kaninchen nicht weiß, daß es an einem Zaubertrick mitwirkt. Mit uns ist das anders. Wir glauben, an etwas Rätselhaftem beteiligt zu sein, und würden gerne klarstellen, wie alles zusammenhängt.

PS. Was das weiße Kaninchen betrifft, so ist es vielleicht besser, es mit dem gesamten Universum zu vergleichen. Wir, die wir hier wohnen, sind das wimmelnde Gewürm tief unten im Kaninchenfell. Aber die Philosophen versuchen, an den dünnen Haaren nach oben zu klettern, um dem großen Zauberkünstler voll in die Augen blicken zu können.“

Eine starke Ähnlichkeit des Höhlengleichnisses bei Platon, Politeia, und des Zaubertricks mit dem Kaninchen besteht nicht, weil nicht die gleiche Erkenntnistheorie vertreten wird.

Gemeinsamkeiten

  • Gleichnis: Ein Gleichnis ist eine der Veranschaulichung dienende (oft bildhafte) Gegenüberstellung von Dingen, die unter einem gemeinsamen Gesichtspunkt miteinander verknüpft werden und mindestens teilweise verhältnismäßig ausführlich beschrieben werden. Das Höhlengleichnis steht für den Glauben an den (täuschenden) Anschein bei einem Verhaftetsein an bloße Sinneswahrnehmung, den daraus befreienden Aufstieg zu wahrer Erkenntnis durch Erkenntnis der Ideen mit der Idee des Guten an der Spitze und der Aufgabe, zu den noch in Unkenntnis befindlichen Menschen zurückzukehren und sie durch Vermittlung der Erkenntnis zu befreien, da die meisten Menschen eines Anstoßes und einer Unterstützung von außen bedürfen. Der Zaubertrick mit dem Kaninchen steht für den Eindruck einer Unbegreifbarkeit/Unfaßbarkeit der Welt und den Wunsch, den Zusammenhang von etwas, das rätselhaft vorkommt, zu klären.
  • Menschen, die mit Gegenständen hantieren und damit etwas zum Ansehen bewirken: Im Höhlengleichnis tragen Menschen Gegenstände entlang einer Mauer (wie sie Gaukler verwenden, die Erstaunliches zeigen), von denen Gefangenen durch das Licht eines Feuers Schatten an einer gegenüberliegenden Wand sehen. Zauberkünstler ziehen beim Zaubertrick aus einem Zylinderhut, der kurz vorher leer zu sein schien, ein weißes Kaninchen.
  • trügerische Sinneswahrnehmung: Im Höhlengleichnis sehen die Gefangenen nicht die Dinge, wie sie wirklich sind, sondern einen täuschenden Anschein der Schatten. Beim Zaubertrick wird vorgetäuscht, das Kaninchen herbeizuzaubern, wobei durch Tricks der Anschein erweckt wird, sie aus einem leeren Zylinderhut hervorzuziehen.
  • Bezug auf eine Wahrheit: Im Höhlengleichnis geht es um einen Weg zu wahrer Erkenntnis. Beim Zaubertrick besteht im Publikum Wissen, irgendwie getäuscht worden zu sein (in Wahrheit ist das Kaninchen nicht aus der Leere herbeigezaubert), wie auch „die Welt nicht Lug und Trug ist“.
  • ein Aufstieg nach oben: Der philosophische Weg im Höhlengleichnis ist ein Aufstieg aus der Höhle nach draußen und in das Licht der Sonne (Erkenntnis der Ideen und an ihrer Spitze die Idee des Guten). Bei der Aussage zum Kaninchen  versuchen Philosophen, im Universum nach oben zu klettern, „um dem großen Zauberkünstler voll in die Augen blicken zu können“ (später wird eine Anlehnung an die Philosophie von George Berkeley, nach dessen Auffassung zu sein bedeutet, wahrgenommen zu werden, wobei das Wahrgenommene Vorstellungen eines Bewußtseins sind, letztlich des Geistes Gottes). 

Unterschiede

  • Thema Staunen/Verwunderung als Anfang des Philosophierens: Beim Höhlengleichnis wird nicht das Staunen/die Verwunderung als Anfang des Philosophierens thematisiert. So eine Aussage steht bei Platon, Theaitetos 155 und Aristoteles, Metaphysik A 2, 982 und 983 a.
  • Kritik an bloßer Sinneswahrnehmung als erkenntnistheoretische Grundlage: Platon wendet sich im Höhlengleichnis gegen einen sehr weitgehenden Empirismus (Erfahrung durch Sinneseindrücke als alleinige Quelle eines Wissens über die Wirklichkeit), dem Verhaftetsein an bloße Sinneswahrnehmung und vertritt eine Ideenlehre. Dahinter steht eine Kritik mit mehreren Gesichtspunkten. a) Bei der Sinneswahrnehmung können Sinnestäuschungen vorkommen. b) Bei einer einzelnen Sinneswahrnehmung kann eine Blickverengung/eine Fixierung auf eine einzige Perspektive zu einer falschen Gesamtbeurteilung führen. c) Die Sinneswahrnehmung kann etwas an Einzeldingen erfassen, aber sie neigt zu unmittelbarer Verallgemeinerung, ohne einen Sachgehalt (etwas Bestimmtes in seiner Sacheinheit) richtig zu erfassen. Dies leistet erst begriffliches Denken. Die Sinneswahrnehmung gewährleistet keine angemessene Unterscheidung zwischen Idee und Nicht-Idee.

Bei den Aussagen zum Zaubertrick ist keine grundsätzliche und tiefgehende erkenntnistheoretische Kritik an der bloßen Sinneswahrnehmung enthalten und in „Sofies Welt“ wird keine platonische Ideenlehre vertreten.

  • Wissen um Täuschung: Im Höhlengleichnis halten die Gefangenen (die gewöhnlichen Menschen) die Schatten für das wahrhaft Seiende. Sie bemerken keine Täuschung und wehren sich zuerst gegen eine Änderung ihrer Überzeugung, als andere sie befreien wollen. Es gibt für sie zunächst keinen Klärungsbedarf gegenüber einer Täuschung. Beim Zaubertrick weiß das Publikum, einen täuschenden Anschein geboten zu bekommen („Was das Kaninchen betrifft, so ist uns klar, daß der Zauberkünstler uns an der Nase herumgeführt hat.“), es mangelt nur an Wissen, wie dies genau geschieht. Allgemein meinen Menschen, an etwas Rätselhaften beteiligt zu sein und möchten eine Klarstellung der Zusammenhänge erreichen.
  • erzieherische und ethische Aufgabe einer Befreiung durch Vermittlung von Erkenntnis an andere Menschen: Bei Platon gibt es die Aufgabe, andere Menschen zu befreien, indem sie zu Erkenntnis der Ideen gebracht werden (hin und her gehendes analysierendes und verknüpfendes Denken des Verstandes und unterscheidendes und erfassendes Denken der Vernunft). Bei den Aussagen zum Zaubertrick mit dem Kaninchen kommt so etwas nicht vor. 

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