Utilitaristisch oder egoistisch?

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6 Antworten

>Seit Tagen möchte ich wissen ob es egoistisch oder utilitaristisch ist
ein Kind abzutreiben, wenn es durch eine Vergewaltigung entstanden ist.<

Guten Tag,

eine sehr schwierige Frage die sicherlich keine zufriedenstellende Lösung anbieten darf.

Eine Frau -die sich nach einer Vergewaltigung- zur Abtreibung entschließt hat ganz sicher unzählige "Programme" im Kopf. Von Gegenwart bis Zukunft, die nicht nur die eigene Person betreffen sondern auch eine evtl. Zukunft des ungeborenen Kindes.

Allein die eigene Ausgangslage und wissentlich u.U. keine Hilfe zu erhalten, können bereits den anstehenden Handlungsvorgang ins "Schwitzen" bringen.

Evtl. als alleinerziehende Mutter das "Paket" Kind zu absolvieren war noch nie einfach und darauf hoffend, dass sich so mütterliche, liebevolle Gefühle ergeben, machen die Tatsache einer Vergewaltigung nicht zum Kinderspiel.

Eine solo Entscheidung, die jede Frau in dieser Situation zur Verzweiflung treiben kann. Eine Entscheidung die nicht nur Gewissenskonflikte hervor bringt, da auch die Zukunft oft ungeahnte Problematiken enthält.

So ist jede Frau gezwungen -allein mit ihrem Gewissen und ihren Gefühlen-einen Weg zu finden, den inneren Halt nicht zu verlieren.

Dazu gibt es keine außenstehenden, fremden Entscheidungen.

 

 

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Utiliaristisch bedeutet ja, dass alle Beteiligten berücksichtigt werden und ein Kompromiss gesucht wird, der für alle am besten passt - keiner trägt alle negativen Konsequenzen und keiner bekommt nur das Positive. Die Frage ist, wer da alles beteiligt ist, aber ich nehme an, wir gehen nur von Mutter und Kind aus.

Mit diesen Voraussetzungen muss man sich jetzt fragen, was die Konsequenzen der Abtreibung sind beziehungsweise wenn sie das Kind behält. 

Abtreibung: Tod für das Kind, möchlicherweise psychische Schwierigkeiten für die Mutter, möglicherweise Probleme bei der nächsten Schwangerschaft oder andere gesundheitliche Schäden

Behalten: psychische Schwierigkeiten für das Kind, psychische und finanzielle Schwierigkeiten für die Mutter

Das ist sehr vereinfacht, und wenn die Mutter das Kind austrägt, ist ja noch nicht entschieden, ob sie es behält oder zur Adoption freigibt - dann würden die finanziellen Schwierigkeiten wegfallen. Doch mit diesen Argumenten ist, finde ich, eindeutig, dass Abtreibung egoistisch ist. Denn ein schwieriges Leben ist für das Kind noch immer besser als gar kein Leben, beziehungsweise bekommt es erst mit einem Leben auch die Chance, sich zu wehren und seine Meinung zu sagen.

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Kommentar von annemarie37
12.04.2016, 10:16

Diese Argumentation geht davon aus, dass der Embryo ein "Beteiligter", also einem Menschen gleichzusetzen ist. Ist er aber nicht...

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Es gibt offenbar verschiedene Interpretationen von "Utilitarismus". https://de.wikipedia.org/wiki/Utilitarismus#Formen_und_Richtungen

Grundsätzlich geht es beim Utilitarismus um Glücksmaximierung und/oder Leidensminimierung für die grösstmögliche Zahl von Menschen (und evtl. empfindungsfähigen Tieren). 

Der springende Punkt ist, dass du von "Kind abtreiben" schreibst, "das Kind, das nichts dafür kann". Da ist aber noch keine Kind, sondern ein Embryo, der noch keine Interessen haben kann, da noch keine Empfindungsfähigkeit, noch ein minimales Bewusstsein vorhanden ist. Jedenfalls nicht in den ersten Monaten der Schwangerschaft. Auch wenn man diesem Beginn eines menschlichen Lebens einen gewissen moralischen Wert beimessen mag, so ist der sicher auf der Werteskala nicht auf der gleichen Stufe wie die betroffene Frau selbst. Das Leid bzw. das Glück anderer Personen als dieser Frau, insbesondere des Vergewaltigers, verdienen sicher keine oder nicht die gleiche Berücksichtigung.

Ausserdem störe ich mich daran, dass "egoistisch" immer mit einem negativen Beigeschmack verwendet wird. Das finde ich falsch. Warum sollte es moralisch schlecht sein, wenn eine Frau, die ungewollt schwanger geworden ist (sei das durch Vergewaltigung oder auf "normale" Art), erst mal an sich selbst denkt? Sie ist die am direktesten Betroffene, sowohl körperlich wie seelisch. Ihr Interesse, möglichst viel Glück und möglichst wenig Leid zu empfinden, ist vielleicht "egoistisch", aber nicht moralisch schlecht. Und dass es ihr gut geht, ist im Interesse der ganzen Gesellschaft. "Ethisch entschei­den kann nur, wer auch die Konse­quenzen aus diesem Entscheid zu tragen hat" (Hans Saner, Philosoph).  

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Kommentar von carn112004
12.04.2016, 16:00

Bezüglich diesem
"Das Leid bzw. das Glück anderer Personen als dieser Frau, insbesondere des Vergewaltigers, verdienen sicher keine oder nicht die gleiche Berücksichtigung."

fände ich es spannend zu beobachten, was Leute, die das Argument bringen, die Weiterexistenz des ungeborenen sei wie ein Andauern der Vergewaltigung für die Frau und deshalb sei das Unterlassen des Abtreibens gegen den Willen der Frau niemals zumutbar,

dazu sagen würden, wenn ein Vergewaltigungsopfer basierend auf dem Argument, dass die Weiterexistenz des Vergewaltigers wie ein Andauern der Vergewaltigung für sie sei und es zu unterlassen, diesen zu töten, sei ihr nicht zumutbar, diesem das Hirn rauspustet.

Vor allem bei solchen, die dem ungeborenen in der späteren Schwangerschaft mehr oder minder Menschsein zubilligen, aber dennoch Abtreibung wegen Vergewaltigung dann zulassen wollen.

Denn letztlich haben sie damit zugebilligt, dass das Vergewaltigungsopfer, wenn es denn anders nicht geht, einen nahezu-Menschen töten darf; das Töten des Schuldigen anstelle dieses nahezu-Menschen, wenn das auch hilft, wäre da auf den ersten Blick eine ethisch erwägbare Alternative.

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Man muss immer bedenken, dass zwischen der Tötung eines geborenen Babys und der Tötung eines Kindes vor der Geburt ethisch keinen Unterschied gibt.

Und daher darf man ein ungeborenes Kind, das durch eine Vergewaltigung gezeugt wurde, genauso wenig töten, wie man ein geborenes Kind, das durch eine Vergewaltigung gezeugt wurde, töten darf.

Es sollten alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, die die unantastbare Würde des ungeborenen Kindes, das nicht das Geringste dafür kann, das es durch Vergewaltigung gezeugt wurde, und sein Recht auf körperliche Unversehrtheit achten. 

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Ich stimme deiner Freundin zu, unter der Grundannahme, daß der Umstand eines lebenden Kindes mehr Nutzen zu stiften in der Lage ist, als der Umstand eines toten es könnte. Deine Annahme die werdende Mutter würde Selbstmord begehen ist m.E. unbegründet, da Vergewaltigungen in den meisten Fällen nicht zu solchen Taten führen.

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Um dir eine Meinung zu bilden, könntest Du das Buch "Tochter des Schicksals" lesen. Da beschreibt eine Mutter nach einer Vergewaltigung, Ihre Gedanken, Kämpfe...was sie durchlebt und durchlitten hat. Da wird die ganze Problematig greifbar und durchsichtig.

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