Sollte ein freiwilliges soziales Jahr verpflichtend eingeführt werden?

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Hi,

Ich finde das freiwillige soziale Jahr stört die freie Entfaltung eines Menschen, da man nach der Schule noch ein Jahr verpflichtet ist.

Außerdem stört mich der Begriff „freiwillig“: Er besagt, dass man eine freie Entscheidung fällen darf, dies ist aber hier nicht der Fall.

Hinzu kommt noch dass es anscheinend verfassungswidrig ist, das kann ich aber leider nicht bestätigen.

Ich glaube man lernt in so einem Jahr sehr viel Soziales.

Aber als Danksagung, dass man in einem solchen wohlhabenden Staat aufwachsen durfte/darf, wäre so ein FSJ sehr geeignet.

✌🏻 Clemens m13


Lisa20002  29.10.2021, 21:58

Es wäre europarechtswidrig, die europäische Menschenrechtskonvention verbietet grundsätzlich Zwangsdienst, macht aber für die Wehrpflicht extra eine Ausnahme.

Sprich die Wehrpflicht ist ein Zwangsdienst der Normalerweise vom Verbot von Zwangsarbeit erfasst sein müsste aber eine Ausnahmeregelung genießt.

Für eine allgemeine Dienstpflicht (wo es nicht primär um den militärischen Dienst geht) gibt es keine Ausnahme, und das ist auch gut so, den der Staat hat sich aus dem Privatleben der Bürger möglichst heraus zu halten.

Auch wenn ein Jahr nach der Schule nach nicht viel klingt, wenn man in der Zeit bereits arbeitet verdient man etwa 25000€ in der Zeit, dementsprechend ist der Schaden der jedem einzelnen entsteht auch knapp so hoch (gut wenn man das Taschengeld dass man bei diesem sozialen Jahr bekommt abzieht sind es vl 22000€ Schaden, aber nicht viel besser.

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Ich finde es ziemlich interesant dass du hier von einem freiwilligen sozialen Jahr sprichst und dieses verpflichtend sein muss.

Was den nun? Zwang oder Freiwilligkeit?

Ein freiwilliges soziales Jahr gibt es eh und das finde ich auch sinnvoll.

Ein verpflichtendes soziales Jahr sollte es nicht geben, erstens wäre das sowieso europarechtswidrig und zweitens greift das viel zu tief in die individuelle Selbstbestimmung der Leute ein.

Und nicht nur das, dem Staat bringt es auch mehr wenn die jungen menschen schnell ins Berufsleben einsteigen und Steuern zahlen statt mit sowas ihre Zeit zu verschwenden.

"Verpflichtend" ist genau das Gegenteil von "freiwillig"!

Wer keinen Bock auf soziales Engagement hat, aber dazu gezwungen wird, richtet wahrscheinlich mehr Schaden an als Nutzen.

Nein, absolut nicht. Niemand sollte gezwungen werden etwas bestimmtes tun zu müssen wenn er mit der Schule fertig ist.

Das wäre schlicht und einfach verfassungswidrig. Schon der Wehrdienst war schlicht und einfach Zwangsarbeit, und nur und ausschließlich vom Grundgesetz deshalb gedeckt, da es um eine Vorbereitung auf einen militärischen Angriff von außen diente. Auch sämtliche Ersatzdienste legitimierten sich nur und ausschließlich als eine Ersatzdienst zu eben jener Wehrpflicht. Der Staat hat nicht das Recht, einfach mal so Menschen zu verpflichten, irgend einen Zwangsdienst zu absolvieren, weil es dafür auch irgendwelche positiven Aspekte gibt. Der Mensch gehört hierzulande nämlich nicht dem Staat oder der Gesellschaft, sondern nur sich selbst.


ZEUSOFFICIAL  18.10.2021, 07:04

Aber als Danksagung dass man in einem solchen wohlhabenden Staat aufwachsen durfte/darf wäre so ein FSJ sehr geeignet.

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Pantauals  18.10.2021, 07:31
@ZEUSOFFICIAL

Ach, Sie meinen, dass man jemanden mit der vorgehaltenen Waffe des Staates zwingt, mal herzlich "danke" zu sagen? Außerdem stammt der Wohlstand unseres Landes aus der Arbeitsleistung seiner Bürger. Genauer genommen von grade mal 15 Millionen Nettosteuerzahlern (Beamte und jeder, der aus Steuergeldern bezahlt wird oder von diesen lebt, können keine Steuern zahlen, da es bereits Steuergelder sind, die sie erhalten). Vielleicht wäre es daher angebrachter, wenn alle anderen, einschließlich der Politiker an einem Tag im Jahr mal vor diesen auf die Knie fallen würden und ganz herzlich Danke sagen würden, dafür dass man sich schmatzend und schnaubend an deren Arbeitsleistung satt frisst.

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ZEUSOFFICIAL  18.10.2021, 07:45
@Pantauals

Ich finde den Vergleich mit „der vorgehaltenen Waffe“ etwas hart. Sie werden nicht mit dem Tod bestraft wenn sie nicht am FSJ teilnehmen. Ich verstehe aber grundsätzlich ihre Argumentation, dass man sich das alles nicht ausgesucht hat. Tatsächlich könnten sie sich bei den 15 Millionen Nettosteuerzahlern (heutigen „Rentnern“) bedanken, indem Sie sie pflegen und/oder schützen (Bundeswehr). Aber ich bin zu diesem Thema etwas zwiegespalten.

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Pantauals  18.10.2021, 10:15
@ZEUSOFFICIAL

Immer wenn Sie fordern, dass der Staat etwas durchsetzen solle, ist es im Extremfall IMMER die vorgehaltene Waffe. Denn der Staat hat nun mal nichts anderes, es gilt immer entweder Freiheit oder Zwang. Und Zwang setzt der Staat nun mal wenn es hart auf hart kommt mit der Waffe durch.

Zudem: Ich habe noch bei der Bundeswehr gedient. Das bedeutet, dass ich ein Jahr später anfing zu studieren und dementsprechend eine Jahr später ins Berufsleben eintrat. Hierdurch entgeht dem Staat alleine ca. 30.000 € an direkten Steuern und Abgaben, welche ich ihm weniger zahle. Denn für diese Betrachtung muss man natürlich immer das letzte Berufsjahr ansetzen und nicht das erste. Es ist somit auch ökonomisch eine Milchmädchenrechnung, dass die Gesellschaft hierdurch einen Nettonutzen hätte. Sklavenhaltung ist daher aus verschiedenen Gründen schlechter als Marktwirtschaft. Auch werden die Arbeitsressourcen kostenwirksamer eingesetzt, wenn es kein Sklave ist sondern jemand, der dafür marktgerecht bezahlt wird.

Unser Gesundheitssystem sollte daher zunächst mal wieder auf ein marktwirtschaftliches Fundament gestellt werden, um jene Mängel zu beheben, die überall dort zu bewundern sind, wo wir die Marktwirtschaft quasi abgeschafft haben (Bildung, Energieversorgung, Gesundheit, Rente usw.).

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