Sind (Asperger) Autisten aufgrund der hohen Reizaufnahme schneller bzw. schnell müde und benötigen aus diesem Grund dann viel Ruhe?

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6 Antworten

Ich kann es nur für mich persönlich mit einem Jein beantworten - erschöpft ja, aber nicht wirklich "müde".

Erstmal gibt es den Unerschied zwischen der erhöhten Reizwahrnehmung im Alltag und einem Overload.
Mein Alltag ist erstmal ja so geplant, dass ich darauf achte, mich möglichst wenig Situationen auszusetzen, in denen ich Probleme haben würde und für diese Situationen möglichst gute Vorbereitungen zu treffen. Doch selbst wenn ich den ganzen Tag zuhause in meinem Zimmer lerne, habe ich ja trotzdem noch eine höhere Reizwahrnehmung als NTs - ich spüre z.B. die ganze Zeit die Kleidung auf meiner Haut, sehe den Rahmein meiner Brille, fühle, dass ich sitze und so weiter und so fort - das alles bleibt da und lässt sich nicht ausblenden. Doch das ist für mich vollkommen normal, deshalb belastet es mich auch nicht besonders und in dieser Situation fühle ich mich dann normalerweise auch fit.

In Situationen, in denen ich die Reize, die auf mich wirken aber nicht kontrollieren kann, ist das schon etwas schwieriger. Ich werde dann, wenn es mir zuviel wird nicht im klassischen Sinne müde, so von wegen "ich will jetzt ins Bett und schlafen" und oft nehme ich auch erst einmal gar nicht bewusst war, dass ich Überflutet bin. Ich werde dann einfach sehr still, und wenn man mich dann noch bedrängt, je nach Gesamtsituation entweder (verbal) aggressiv oder aber weinerlich.
Daran merke ich dann selbst, dass ich mich zurückziehen muss.
Dabei sprechen die Fachleute dann oft von einem zurückziehen in eine "reizärmere" Umgebung. Aber in meiner Wahrnehmung ist das eigentlich falsch, denn ich nehme immer noch alles um mich herum war, es sind nicht unbedingt mehr oder weniger Reize als vorher. Das wichtige ist, dass ich die Reize kontrollieren kann. Ein Lied, dass mich beruhigt in Dauerschleife zu hören ist ja nicht leise, aber deutlich weniger störend als flüsternde Sitznachbarn.

Besteht diese Rückzugsmöglichkeit allerdings nicht, dann kann es zum Overload, also der totalen Reizüberflutung kommen. Das ist extrem unangenehm und wirklich nicht, was ich jemand anderem wünschen würde. Allerdings habe ich zum Glück die Möglichkeit, mein Leben so zu strukturieren, dass ich selten mehr als zwei oder drei ausgewachsene Overloads im Jahr bekomme.
Wenn ich dann soweit bin, kann ich gar nichts mehr anderes machen, als mich im Bett zu verkriechen und zu warten, bis es vorbei geht - was Tage dauern kann, wenn es wirklich schlimm war. Allerdings kann ich dann auch kaum schlafen, immer nur ein bis zwei Stunden, danach bin ich auch schon wieder wach.

Ein erhöhtes Schlafbedürfnis habe ich eigentlich nicht, und es ist auch nicht immer "Ruhe" im Sinne von wenigen Geräuschen die weiter Hilfe.
Doch jeder Autist ist anders und sicherlich erlebt jemand anderes seine eigenen Sinneswahrnehmungen und Reizüberflutungen ganz anders, als ich es tue.

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Kurz gesagt: Ja.

Lang gesagt:

Die andauernde Reizüberflutung erfordert gelegentliche Pausen an ruhigen Orten. Man geht zum Beispiel nur ein paar Stunden raus und dann wieder nach Hause. Oder man unterbricht einen Tag in der Innenstadt für eine Mittagspause im Stadtpark.

Wenn einem die nötige Pause nicht gegönnt wird, kann es zum sogenannten Overload kommen. Das ist eine Art von "Notabschaltung" der überlasteten Nerven. Je nach Mensch und Situation kann sich dabei das Blickfeld verengen, der Kreislauf schwächeln, die Sprachfähigkeit vorübergehend verschwinden. Kleine Kinder wehren sich sogar mit Schreien und Flucht gegen die Reizflut.

Aus diesem Zustand kommt man nur durch Ruhe wieder heraus. Am besten geht man alleine ins Grüne oder schließt sich in ein vertrautes Zimmer ein. Notfall auch über den nächsten Tag. Bis alle ausgebrannten Funktionen wieder laufen.

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Ich denke, das lässt sich nicht pauschal beantworten.

Es gibt Reize, die "puschen" mich, machen mich munter - besonders solche, die mir gut tun.

Sind es Reize, denen ich zwangsweise ausgesetzt bin, machen diese mich eher erschöpft.
Somit brauche ich dann mehr Ruhe.

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Es ist denke ich ganz unterschiedlich, wie Autisten mit ihrer erhöhten Reizaufnahme umgehen. Bei mir ist es mit der Müdigkeit relativ schlimm. D.h. ich werde sehr schnell sehr erschöpft, wenn ich über einen längeren Zeitraum einer Situation ausgesetzt bin, die für mich nicht kontrollierbar ist bzw. der ich nicht aus dem Weg gehen kann.

Wenn ich von der Schule komme, schlafe ich auch erstmal bis abends durch (ca. 4 std.) und dann bis zum nächsten Morgen noch einmal 7 std. Es kann also nicht daran liegen, dass ich zu wenig Schlaf bekomme. 

Overloads sind bei mir meist das Resultat einer eh schon angespannten Situation, zu welcher dann ein bestimmter oder beliebiger Reiz hinzukommt. Dieser auslösende Reiz muss dann erst beseitigt werden, ehe eine Entspannung möglich ist. Diese Entspannungsphase geht dann auch immer mit einer gewissen Erschöpfung einher.

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Was du mit erhöhter Reizaufnahme wahrscheinlich meinst ist die komplette Überflutung der sogenannte Meltdown wo die Überflutung der Reize so groß ist das man quasi am Ende ist und einfach nur wieder in die Spur kommen möchte.

Durch die Reizaufnahme täglich und der Konzentration auf seine eigenen Handlungen wird man sehr gefordert was einen in extremen Situationen müde werden lässt..

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Hallo,

ja, ich bin zwar keine Autistin, habe aber ADHS, was mich auch extrem reizoffen macht .

Wenn ich ein oder zwei Stunden ohne Gehörschutz in der Großstadt bin oder auf einer Party,dann kann man mich nicht mehr gebrauchen. Dann ist mein Kopf wie in Watte gepackt und ich kann kaum noch denken oder Informationen aufnehmen, habe oft Kopfschmerzen und wenn es ganz schlimm kommt, habe ich sogar meine Bewegungen nicht mehr völlig unter Kontrolle. (Greife neben eine Sache oder nicht fest genug zu, laufe gegen Türrahmen, knicke mit dem Fuß um)

Dann hilft nur noch Ruhe und Schlafen.

LG Octopamin

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