Seminararbeit schreiben, Problem!?!

...komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Hallo antoinette356,

deiner Frage entnehme ich, dass du die Technik wissenschaftlichen Arbeitens kennst. Richtiges Zitieren und dementsprechend in Fußnoten belegen ist der handwerkliche Teil, und du hast natürlich recht, dass das nicht alles ist.

Der Sinn wissentschaftlichen Arbeitens ist eine Fragestellung, die ein Problem beinhaltet (ein problemorientierter Ansatz), welches noch nicht geklärt ist und wozu es unterschiedliche Meinungen gibt. Deine Arbeit soll zur Klärung beitragen. Dazu kann es ausreichen, durch Quellenstudium und einem anschließenden Vergleich des Material (idealerweise mit unterschiedlichen Standpunkten, die darin zum Ausdruck kommen), eine zuvor formulierte These zu beweisen oder zu widerlegen.

Schau dir das bisher gesichtete Material und deine Zusammenfassung an und überlege dir, wo dieser problemorientierte Ansatz sein könnte, und formuliere das als These.

Von jetzt an schaust du dir dein Material nicht mehr global an, sondern aus mindestens 2 unterschiedlichen Blickwinkeln und suchst nach dem Für und Wider.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, zu einer Fragestellung einen Test oder eine Untersuchung zu überlegen, dessen Ergebnis du dann mit der Fragestellung vergleichst und dann einen eigenen Standpunkt formulierst, der aber dem von dir gesammelten Datenmaterial entsprechen muss.

Es wäre hilfreich, wenn du die Thematik und die Fragestellung hier postest, dass würde eine genauere Antwort ermöglichen.

Grüße dalko

Danke, das klingt schon etwas verständlicher!!! Also ist es in Ordnung, wenn ich Fakten aufzähle und dann anhand dieser Fakten meine eigenen Thesen aufstelle?

Viele Grüße

0
@antoinette356

Ja, das kannst du machen. Wenn diese Fakten Unterschiede beinhalten, an denen du dich "reiben" kannst oder anders ausgedrückt, wenn du aus unterschiedlichen Quellen viele Fakten hast, die alle das gleiche aussagen, hast du keine Angriffsfläche, wo du einhaken kannst und eine eigene These entwickeln kannst. Ein Beispiel:

Thema: Jan Hus, sein Leben, seine Lehre und sein Tod in Konstanz.

Du sammelst Material und bemerkst, das nicht viel über ihn zu lesen ist, dafür umso mehr über Martin Luther. Dann fällt dir auf, das Jan Hus als Vorreformator bezeichnet wird, Luther als der Reformator. Dann merkst du, dass die Tschechen Jan Hus viel bedeutender sehen als man es im deutschsprachigen Raum sieht.

Als nächstes vergleichst du beide und entwickelst die These, dass Jan Hus aus irgend einem Grund nicht genügend berücksichtigt wird und das es vor Luther sehr wohl eine Reformation gegeben hat, die aber durch Gewalt beendet wurde und später zu Gunsten von Luther untergeordnet bewertet wird.

Jetzt bist du an dem Punkt angelangt, ein und das selbe Material aus unterschiedlichen Richtungen zu betrachten und deiner These entsprechend neu zu bewerten, und wenn du keinen "Bockmist" zusammenfantasierst, sonder Fakten nur neu bewertest, hast du ein spannendes Thema für eine Seminararbeit, welches auch gut bewertet werden wird.

Entsprechend diesem philosophisch-religiösen Thema kannst du eine Seminararbeit auch in anderen Schulfächern strukturieren, in den Naturwissenschaften ist es allerdings viel schwieriger, hier hast du "Gesetzmäßigkeiten", die von einer Oberstufenschülerin schwer durch eine neue These und dann auch noch wissenschaftlich belegt neu interpretiert werden können.

Hast du noch Fragen, dann melde dich. Vielleicht kann ich dir dann noch bessere Beispiele für eine gute Themenauswahl bringen.

Grüße dalko

1
@dalko

Vielen Dank für die ganze Mühe!

Mein Thema geht über einen Sänger aus Québec, der gleichzeitig ein Nationalist ist. Und ich muss eben beide Seiten von ihm zeigen, Fakten, Bücher und Quellen habe ich sehr, sehr viele. Das Problem ist, ich weiß nicht was ich genau herausfinden soll. Unser Seminarleiter hat mich auch nicht gewarnt o.ä., im Gegenteil fand er das Thema super. Aber eigentlich steht es einfach fest, dass der Sänger auch ein Nationalist ist. Soll ich vielleicht beurteilen, ob man als öffentliche/berühmte Person seine politischen Meinung als Nationalist ausüben darf? Schließlich hat er eine Menge Einfluss auf die Menschen ... Was anderes fällt mir leider nicht ein ...

Vielen Dank und Grüße nochmal!

0
@antoinette356

Gerne, es macht auch Spaß.

Der thematische Bogen überspannt folgende Bereiche:

  • die Kindheit des Künstlers, soziale Herkunft, Familie, was hat ihn geprägt, besondere Ereignisse, Bildung usw.
  • damalige politische Situation, welche politische Strömungen (andere Strömungen, z.B.religiöse), Ursachen, Unzufriedenheit im Volk? Ursachen?
  • wie wird er Nationalist, wie ist er eingebunden? Einzelgänger? Welche Aussage haben seine Lieder? Welcher Stilrichtung ist er zuzuordnen?

Dann vielleicht die Frage: Künstler mit politischer Aussage oder Politiker mit künstlerischen Fähigkeiten?

Wenn du das Material gesichtet hast, fällt dir vielleicht noch etwas anderes an seinem Leben auf, an dem sich These und Antithese festmachen lassen. Gibt es in der Literatur auch widersprüchliches?

Kennst du Aussagen von Freunden und Feinden seiner Person, die sich wahrscheinlich unterscheiden werden? Kannst du da vielleicht einen Konflikt aufzeigen, den du analysieren kannst und den du dann aus deiner Sicht heraus neu bewertest und mit dem Material auch belegen könntest?

Versuch mal, in dieser Richtung zu denken, mehr fällt mir mangels Info jetzt nicht mehr ein. Wenn dir etwas auffällt, wo du einhaken könntest, dann melde dich und vielleicht kannst du noch den Namen des Sängers mitteilen?

Grüße dalko

1
@dalko

Vielen lieben Dank, mir erscheint jetzt alles viel klarer danke! Ungefähr so habe ich es auch aufgebaut, nur muss ich dann härter am Teil arbeiten, den ich dann selbst belegen muss. Aber jetzt ist das Ziel schon deutlicher als vorher. =)

0

Dass du fremdes Wissen benutzt, ist ganz normal. Eine Fussnote hinter jedem Satz ist dann schon etwas viel. Du sollst ja nicht einfach Sätze aus Arbeiten zu einer eigenen Arbeit zusammenkopieren. Dann schreibst du besser am Anfang des Absatzes, dass sich die folgenden Angaben auf die Arbeit von Herrn XYZ beziehen. Dann formulierst du alles mit deinen eigenen Worten.

Solche Arbeiten kann es durchaus geben, und sie können auch wissenschaftlich sein - zum Beispiel wenn du ein kleines Thema hast, das in verschiedenen Arbeiten erwähnt wurde, aber nicht in einer einzigen Arbeit.

Wenn du wirklich gar keine Eigenleitung beitragen kannst, hast du möglicherweise einfach ein ungeeignetes Thema gewählt. Natürlich wirst du bei jedem Thema am Anfang nichts wissen und dich einlesen müssen, aber dieses "Hintergrundwissen" soll dann nicht deine ganze Arbeit werden.

Am besten sprichst du mit deinem Betreuer. Vielleicht kann er dir helfen, dein Thema umzuschreiben, sodass du selbst was rausfinden kannst.

Was möchtest Du wissen?