Sagt man "Das hat keinen Sinn" oder "Das macht keinen Sinn."?

13 Antworten

Ich habe Linguistik studiert und bin anders als 90% aller Deutschlehrer der Meinung, dass die Wendung "das macht keinen Sinn" durchaus Sinn ergibt. In der Schriftsprache, ganz besonders jedoch in der formellen Schriftsprache sollte man jedoch trotzdem darauf verzichten, "das macht keinen Sinn" zu schreiben, weil viele Leute, auch Experten, felsenfest davon überzeugt sind, dass das falsch ist.

Der Grund besteht darin, dass die Wendung tatsächlich ursprünglich aus dem Englischen stammt und das Verb "machen" isoliert "etwas mit den Händen schaffen/produzieren" bedeutet, während das Englische "make" viel öfter auch im figurativen Sinn verwendet wird, d.h. für Produkte, die eher abstrakt sind und wo man nicht wirklich davon sprechen kann, dass tatsächlich etwas Konkretes erschaffen wird.

Auch das englische Wort "sence" ist etymologisch nicht mit unserem deutschen Wort "Sinn" verwandt. Es mag zwar sein, dass sich "sence" in einigen Kontexten mit "Sinn" übersetzen lässt, die Grundbedeutung ist jedoch eine andere (wie z.B. in "sence of humo(u)r"). Somit ist "Sinn machen" nur insofern mit "make sence" verwandt, als viele Deutsche diese Phrase für die wörtliche Übersetzung von "make sence" halten.

Rein semantisch gesehen hat "Sinn machen" die Bedeutung "sinnvoll sein" oder "Sinn ergeben". Auch wenn "machen" eigentlich eine andere Bedeutung hat, so lässt sich "Sinn machen" meiner Ansicht nach nicht einfach so in seine Bedeutungsbestandteile zerlegen. Eines der häufigsten Argumente der Gegner ist, dass man Sinn eigentlich nicht "machen" kann (und das stimmt auch), aber "Sinn machen" bedeutet nicht Sinn zu "machen", sondern Sinn zu ergeben. Es handelt sich um eine semantisch nicht weiter zerlegbare Redewendung, genau so wie das z.B. bei "Du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank" auch der Fall ist. Somit würde ich "Sinn machen" als umgangssprachlich, aber dennoch als richtig ansehen, weil es von der Mehrheit der deutschen Sprachgemeinschaft verwendet wird und weil ich eher deskriptiv als präskriptiv veranlagt bin. Was die Mehrheit macht, ist meiner Meinung nach grammatikalisch richtig, egal was in dicken Büchern steht.

Witzig: Und du schreibst im ersten satz "einen Sinn ergibt". Also gibts noch eine Variante. Aber nach Überprüfung von Links anderer User, stammt es doch aus dem angelsächsischen Sprachrau, da die Übersetzer englischer Literatur, das wörtlich übersetzt haben. Genau so wie : "Nicht wirklich." Dies beschreibt im amerikanischen bzw. englischen: Nicht tatsächlich auf die perfekt-Variante bezogen. In deutschland wird daraus immer: Nicht so richtig. Also nicht vollständig.

Das mit " nicht alle Tassen im Schrank" ist ja eine metaphorische Redewendung. Also in diesem Fall kein passender Vergleich.

Jetzt bist du dran.

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@amicoamico

Die deutsche Sprache ist voll von Synonymen. Insofern stellt es auch keinen Widerspruch dar, dass die folgenden Sätze alle dasselbe bedeuten:

  • Das ist sinnvoll.
  • Das ergibt Sinn.
  • Das hat Sinn.
  • Das macht Sinn.

Es spielt darüber hinaus überhaupt keine Rolle, ob die Wendung das Resultat einer Fehlübersetzung aus dem Englischen ist. Sobald eine Wendung von so vielen Deutschsprechern verwendet wird, dass jeder Deutschsprecher den semantischen Inhalt versteht, gilt die Wendung für mich unabhängig vom subjektiven Geschmacksempfinden als übernommen.

Auch "nicht wirklich" halte ich nicht wirklich für ein linguistisches Problem, da jeder Deutschsprecher versteht, was damit gemeint ist. Es handelt sich eher um ein ideologisches Problem von Sprachpuristen, die nicht akzeptieren können, dass Sprachen immer im Wandel sind und vor allem bei der momentanen Lage der Welt, in der das Englische so stark dominiert, Sprachwandel durch Sprachkontakt nicht zu vermeiden ist. Man könnte "nicht wirklich" auch als Superstrat bezeichnen, genau so wie "Sinn machen". Der Ursprung ist mir persönlich aber wie gesagt egal. Ich orientiere mich nicht am Geschmacksempfinden von selbsternannten Sprachbewahrern, sondern danach, wie auf der Straße tatsächlich gesprochen wird.

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Kleine Korrektur: sense wird selbstverständlich mit "s" geschrieben... Das ist typisch, man kann noch so gute Argumente bringen, ein kleiner orthographischer Fehler, und man wird direkt an die Wand genagelt :D

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Hä?

Seit wann schreibt man "sense" mit c, also "sence"?

Da hab ich wohl in der Schule nicht aufgepasst, aber kann ja mal vorkommen ;-)

Und Du hast mit Deinem Geschreibsel allen anderen Linguisten einen Bärendeisnt erwiesen. Denn jeder Laie muss muss jetzt doch denken, wenn eine studierte Linguistin dermaßen hanebüchene Fehler macht, dann kann man das ganze Fach in die Tonne treten.

Und naja, irgendwie kann man das ja auch, wenn ich z. B. an solche Leute wie Noam Chomsky denke.

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@BalduinB

Okay, hab' grad gesehen, es haben dich wohl schon andere drauf aufmerksam gemacht.

Aber so'n Fehler darf nicht vorkommen, und schon gar nicht mehrfach.

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@BalduinB

Entschuldigung, ich bin auch nur ein Mensch und kann mich mal irren. Warum mich jetzt ein einfacher orthographischer Fehler gänzlich disqualifizieren sollte, ist für mich nicht ersichtlich, zumal sich das Englische durch eine ziemlich unregelmäßige Orthographie auszeichnet, die zu solchen Fehlern geradezu einlädt. Na gut, sollte man wissen, ich hab's jetzt kapiert. Man kann aber auch aus einer Mücke einen Elefanten machen.

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"Was die Mehrheit macht, ist meiner Meinung nach grammatikalisch richtig, egal was in dicken Büchern steht."

Meinst Du das jetzt ernst?

Ich hab mal aus anderem Anlass "Jornalist" bei Google eingegeben - das ergab 167.000 Fundstellen.

Das gleiche Spielchen kann man mit Dutzenden Wörtern treiben.

Noch ist das nicht die Mehrheit, noch nicht.... Aber ich sehe es kommen.

Da könnt man doch glatt zum Anti-Demokraten werden.

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@BalduinB

Dadurch, dass das "r" im Silbenauslaut vokalisiert wird, klingt das [u] für viele eher nach einem [o] und daher ist es nicht verwunderlich, dass viele irrtümlicherweise "Jornalist" schreiben. Ich glaube jedoch, dass sich die Schreibweise von Wörtern nur sehr schwer verändern lässt, da die Orthographie im Gegensatz zur Grammatik und zum Wortschatz viel stärker normiert ist. Daher würde selbst ich "Jornalist" als falsch einstufen. Bei neuen Wörtern und Wendungen ist es jedoch anders: Jedes Jahr werden neue Vokabeln und Phrasen in den Duden aufgenommen, weil die Sprache ständig im Wandel ist und ständig neue Einflüsse hinzukommen. Irgendwie passt da dein Argument mit der Schreibweise von "Journalist" nicht so ganz rein, es ist ein bisschen so, als ob man Äpfel mit Birnen vergleichen würde

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gestrichen, sorry

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  • Richtig, "das macht keinen Sinn" und "das macht Sinn" sind Anglizismen von "to make sense". Im Deutschen gibt es diese Phrase schlichtweg nicht. Es ist einfach schlechtes Deutsch, "Sinn machen" zu verwenden.
  • Richtig sagt man "Das ergibt keinen Sinn.", wenn man meint, dass etwas in sich nicht stimmig, folgerichtig oder korrekt ist. Ich finde die Verwendung von Hilfsverben wie "haben" nicht schön, wenn es Vollverben gibt, die den Sachverhalt besser ausdrücken.
  • Richtig sagt man "Es ist sinnlos, ...", wenn man meint, dass eine Maßnahme nicht das erwartete Ergebnis erzielen wird.

Mittlerweile, darf man sogar offiziell im Deutschen auch Sinn machen, da sich dies sogar im DUDEN finden lässt [1].

  • etwas macht [k]einen Sinn (umgangssprachlich; etwas ergibt [k]einen Sinn, ist [nicht] verständlich, sinnvoll; nach englisch something makes sense)

Erste Fundstellen von "Sinn machen" reichen bis in die sechziger Jahre des (!) achtzehnten Jahrhunderts zurück [2]!

Somit ist es sinnvoll, dass man im Deutschen nun auch Sinn machen kann, auch wenn im das Wort "machen" isoliert betrachtet im Zusammenhang mit Sinn falsch ist.


[1] http://www.duden.de/rechtschreibung/Sinn

[2] http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2009/01/12/seit-wann-machen-wir-im-deutschen-sinn/

Hi.
Version 2 stammt, wie du sagst, aus dem Englischen und hat sich inzwischen bei uns eingebürgert.

Sie steht inzwischen sogar im (Online-) Duden, ganz gleich, ob Sprachpuristen das nun gut finden oder nicht. Und ganz gleich, ob man meint, es mache keinen Sinn, diesen neumodischen Krimskrams mitzumachen.

Bei "unpassend" handelt es sich um ein Geschmacksurteil deines Professors.

Gruß, earnest

..., wobei ich in diesem Fall den Geschmack des Professors teile.

Gruß, Bswss

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@Bswss

... ich auch, aber das war nicht das eigentliche Thema. Ich gebe allerdings zu, daß ich mich immer öfter bei "es macht Sinn" ertappe. Und mir zunehmend weniger böse darüber bin. So ändern sich die Zeiten ...

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@earnest

... wenn ich jetzt noch einmal den thread überfliege, wundere ich mich (I wonder), warum die Diskussion stellenweise so verbissen geführt wird. Das macht doch nicht wirklich Sinn, liebe Liebhaber der deutschen und der englischen Zunge ...

;-)

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Bin weder Linguist noch Germanist, sondern verlasse mich bei derartigen krausen Sprachschöpfungen gern auf Bastian Sick ("Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod"). Der gilt zwar als neunmalklug und überheblich, aber er kann Deutsch....

"Das macht keinen Sinn / das macht Sinn" ist die 1:1-Übersetzung des englischen Äquivalents und inzwischen Mainstream-Denglisch.

Ich finde die o.a. Denglisch-Wendung genauso bescheuert wie zum Beispiel "ich rufe Sie zurück" (I call you back) anstatt "ich rufe Sie wieder an".

Bastian Sick ist bescheuert und hat eigentlich viel weniger Ahnung, als man von ihm annimmt. Erstens ist "Sinn machen" wie in meiner Antwort beschrieben keine wörtliche Übersetzung von "make sence", zweitens finde ich, dass "zurückrufen" viel präziser und weniger umständlich (weil kürzer) als "noch einmal anrufen". Bei letzterer Variante wird nämlich nicht deutlich, dass Person B vorhat, A anzurufen, nachdem A B angerufen hat. "Ich rufe Sie nochmal an" kann auch bedeuten, dass B zum xten mal A anruft, ohne das A jemals B angerufen hat.

Anglizismen sind nicht perse schlecht, manchmal sind sie tatsächlich eine Bereicherung, nämlich dann, wenn man Dinge in einer anderen Sprache (in dem Fall Englisch) besser ausdrücken kann als auf Deutsch.

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@MayaPapaya89

Mal langsam:

Erstens heißt das Wirt "sense" (nicht 'sence'), und "per se" schreibt man getrennt.

Das englische Wort "make" hat SEHR WOHL die Grundbedeutung "machen /herstellen".

Und Bastian Sick, der wirklich gute Kenntnis der deutschen Sprache hat, als "bescheuert" zu bezeichnen, schlägt voll auf Dich selbst zurück.

Dass Anglizismen nicht per se schlecht sind, stimmt natürlich, und trotzdem ist das "nicht wirklich" (statt: "eigentlich nicht") völlig überflüssig und weniger klar als "eigentlich nicht".

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@Bswss

Wenn man keine Argumente hat, dann schlachtet man eben Tippfehler aus. Des Weiteren hab ich nicht behauptet, dass das englische "make" nicht dieselbe Grundbedeutung hätte, ich hab nur gemeint, dass die Bedeutungsspannweite des deutschen Verbs "machen" viel eingeschränkter und eben auf "herstellen/machen" beschränkt ist, während "make" auf viel mehr Weisen verwendet werden kann.

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@MayaPapaya89

Wenn Du DREImal "sence" (statt "sense") schreibst, dann ist das KEIN "Tippfehler" mehr - das sollte einem** Linguisten** NICHT passieren.

Balduin B hat Recht.

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@Bswss

Erschieß mich doch. Was jetzt an einem Orthographiefehler so schlimm sein soll, gerade dann, wenn man kein Muttersprachler ist, ist mir bisschen schleierhaft. Wie gesagt, wenn einem die Argumente ausgehen, dann greift man eben zur Orthographie-Keule, um den anderen zu diskreditieren. Ich finde das ziemlich erbärmlich, wenn man sich wegen einer solchen Bagatelle so aufspielen muss, besonders dann, wenn man zu den vorgebrachten Argumenten inhaltlich sonst nichts zu sagen hat.

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