Richtige Innendämmung / Wandaufbau bei Hohlblocksteinen - was eignet sich, um die Wände richtig aufzubauen?

2 Antworten

Wichtig ist erstmal die Rücktrocknung der Wand. Feuchte Wandbaustoffe leiten die Wärme besser, weil sich an Stelle der Luft in den Poren und Kapillaren des Baustoffs nun Wasser befindet. Volumenbezogen leitet Wasser knapp 3500 mal besser die Wärme als die Luft.

J.S. Cammerer hat vor Jahrzehnten den Zusammenhang von Feuchte und Dämmwirkung am Vollziegelstein untersucht. Sein Diagramm lässt sich mit seinem Namen und der Bildersuche leicht ergoogeln. Bei linear ansteigender Feuchte nimmt der Dämmwert parabelförmig ab. Da nun bei den ersten Feuchteprozenten die Dämmwertänderung am stärksten ist, ist es nicht so wichtig, dass die Wände trocken sind, es ist viel wichtiger dass die Wände knochentrocken sind!!!

Die Styropordämmung verhindert die Abgabe der Wandfeuchte nach aussen. Damit muss die komplette Feuchte nach innen entsorgt werden. Der Vollziegelstein hat beispielsweise ein Porenraum von ca. 23%. D.h. in jedem Kubikmeter Ziegel gibt es 230l Hohlraum der mit Luft oder auch mit Wasser gefüllt sein kann. Das heißt, dass es mehrere hundert Liter Wasser sein können, die noch im Wandbaustoff "versteckt" sind. Mal so schnell eine Trocknung herbeiführen wird nicht möglich ein, die Trocknung wird einige Wochen dauern.

Die Trocknung kann durch Mikrowellen stark beschleunigt werden (Fachfirma). Hierbei wird im Wandbaustoff das flüssige Wasser direkt erwärmt, verdunstet und der Wasserdampf wandert wegen dem Dampfdruckgefälle aus der Wand zum Raum hin und kann dort durch die Fensterlüftung abgeführt werden.

Eine weitere Möglichkeit der Wandtrocknung ist die Trocknung mittels Wärmestrahlung. Hierbei wird durch die Wärmestrahlung die Wandoberfläche erwärmt. An der Wandoberfläche erwärmt sich nun zweitrangig die vorbeistreichende Raumluft. Die nun wärmer werdene Luft bekommt ein größeres Wasserdampfaufnahmevermögen, die rel. Luftfeuchte sinkt, die Luft wird trockener. Diese Luftschicht direkt an der Wandoberfläche nimmt durch Feuchteausgleich die Wandfeuchte von der Oberfläche auf. Die feuchtere Luft muss mit der Fensterlüftung entsorgt werden.

Die trockener Oberfläche wird nachfolgend aus der Tiefe der Wand wieder befeuchtet (Feuchteausgleich). Das geschieht sehr schnell, wenn die Kapillaren noch mit Wasser gefüllt sind. Reißt durch Austrocknung dieser kapillare Transportweg ab, so trocknet der Rest über den Weg der Dampfdiffusion ab., wobei die Wand nie trockener wird, als die direkt an ihr anliegende Luftschicht. Von daher ist es gut und richtig, dass das Zimmer beheizt und gelüftet wird, viel wichtiger ist es aber, WIE das Zimmer beheizt wird. Hier gibt es die Wärmestrahlung, die mit ihrer Wirkung der Warmluft völlig entgegengesetzt gegenüber steht.

Der Warmluftanteil der Heizung steigt zur Zimmerecke und kühlt dort an der Aussenwand aus und die Luft sinkt - da schwerer werdend - vor der Wandoberfläche nach unten. In sich auskühlender Luft sinkt jedoch die Wasserdampfaufnahmefähigkeit, die rel. Luftfeuchte steigt an, die Luft wird feuchter. Diese Luft kann weniger Wasser aus der feuchteren Wand aufnehmen, bzw. ist die Luft sogar feuchter als die Wandoberfläche, so wird die Wandoberfläche sogar befeuchtet. Mit dem Warmluftanteil wird man es nie schaffen, die Wand richtig trocken zu bekommen, was - neben dem unterbundenen Luftaustausch durch immer dichtere Fenster - eine der Hauptursachen füre die heutige Schimmelproblematik in Wohnräumen darstellt.

Für die Umrüstung der Heizanlage auf mehr Wärmestrahlung im vorhandenen Baubestand empfehlen sich die Heizkörper Typ 10 - der einzige (!) Heizkörper mit über 50% Wärmestrahlungsanteil (die Anteile an Warmluft/Wärmestrahlung sind bauartbedingt) oder gleich die hydraulische Heizleiste (mal googeln).

Diese Heizleiste (wird auch als "Anti-Schimmel-Heizung" bezeichnet) legt vor die Aussenwandoberfläche einen aufsteigenden Warmluftschleier, der wärmer und damit trockener als die Raumluft ist. Diese warme und trockene Luftschicht trocknet die Wand aus und verhindert damit Schimmelbildung und sorgt für sehr gute Dämmwerte der Wand (siehe Diagramm von Cammerer). Zusätzliche Dämmmaßnahmen werden damit überflüssig! Durch die durch die Heizleiste erwärmte Wandoberfläche wird (wenn sie wärmer als die anderen Oberflächen im Raum ist) Wärmestrahlung ausgesendet. Der Wandbereich oberhalb der Heizleiste fungiert quasi als "Heizkörper".

Für eine ebene Wandoberfläche bitte nicht erneut Gipskartonplatten an die Aussenwand kleben. Dieses Verfahren beinhaltet immer Hohlräume zwischen Gipskartonplatten und der Bestandswand in denen sich Kondensat (und Schimmel) bilden kann. Gipsputze sind geeinget, sie beinhalten jedoch Kristallwasser was zwar brandhemmend, jedoch förderlich für die Schimmelbilung wirkt.Besser ist ein Kalkverputz (mit leichtem Zementzusatz), der mit etwas handwerklichem Geschick auch selbst zweilagig aufgetragen werden kann. Eine gute Anleitung bietet das alte Buch "Putz, Stuck, Rabitz" von Lade/Winkler. Ggf. bei Ebay zu erwerben - nicht billig, da Rarität, aber sehr lehrreich.

Du darfst eine Hauswand nur von aussen dämmen. Wenn du ein Zimmer von innen dämmst, kommt es zu Schimmelbildung.

Danke. Und wie sieht der Wandaufbau Innen jetzt idealerweise aus?

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