Receiver mit 165 Watt pro Kanal und 240W Leistungsaufnahme?

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Hallo HighPressureG,

mein Kompliment, denn du gehörst zu den wenigen Menschen, die ihr Hirn einschalten. Diese Diskrepanz zwischen maximaler Leistungsaufnahme und der angeblich zur Verfügung stehenden maximalen Ausgangsleistung pro Kanal fällt nicht jedem auf.

Leider werben heute sehr viele Anbieter mit absoluten Phantasiewerten, da es keine Bestimmungen gibt, an die sich jeder zu halten hätte. Deshalb hat nur der Anbieter eine Chance, seine Produkte zu verkaufen, wenn er höhere Werte als die Konkurrenz angibt.

Die maximal mögliche Dauerausgangsleistung aller Kanäle kann in der Summe immer nur unterhalb der Leistungsaufnahme liegen, da nie die gesamte  aufgenommene elektrische Leistung in elektrische Endstufen-Ausgangsleistung gewandelt werden kann, denn es gibt immer Verluste je nach Schaltungstechnik in Form von Wärme. In diesem Zusammenhang spielen die Betriebsklassen von Verstärkerendstufen eine große Rolle.

Das sind z.B. analog arbeitende Verstärker in Class A oder AB Technik mit mehr oder weniger großem Ruhestrom zur Vermeidung von Übernahmeverzerrungen oder moderne, geschaltete Verstärker in Class D, die nicht ganz korrekt als digitale Verstärker bezeichnet werden und einen deutlich besseren Wirkungsgrad aufweisen mit nur noch geringen Verlusten kleiner 10
Prozent.

https://de.wikipedia.org/wiki/Endstufe#A-Betrieb

Wenn man nachhakt, erfährt man Leistungsdefinitionen wie Impuls-Spitzenausgangsleistung oder PMPO ohne jegliche Aussagekraft. Was interessiert den Musikhörer, wie viel Millisekunden ein Impuls mit der vielleicht 4 oder 5-fachen RMS-Leistung abgegeben werden kann, viel wichtiger wäre die Angabe von Dauerleistungen pro Kanal ermittelt mit einem Rauschsignal, das prozentual richtig verteilt eine über alle Frequenzen gleichmäßige Energiedichte aufweist, wobei rosa Rauschen dem schon sehr nahe kommt. Sehr viel seltener wird von RMS-Ausgangsleistung gesprochen (seriöse Anbieter tun es fast immer), obwohl das eine durchaus brauchbare Leistungsangabe ist, die du zur Beurteilung  und zum Vergleich heranziehen kannst.

https://de.wikipedia.org/wiki/Musikleistung

Wo nicht getäuscht werden darf, ist die Angabe der Leistungsaufnahme. Deshalb ist es immer richtig, sich diesen Wert anzusehen, der dir den Rückschluss auf die tatsächlich zu erwartende Ausgangsleistung ermöglicht.

Grüße, Dalko

Der Receiver kann daurnd 240W verbrauchen, die einzelnen Kanäle aber nur dynamisch, daher kurzzeitig, 165W pro Kanal. Dabei wird der nötige zusätzliche Strom aus Kondensatoren gesaugt die dann wieder etwas langsamer aufgeladen werden. Also gehen die 165 W dann nur für Paukenschläge, Anschläge von Triangeln usw. 

Bei AV-Receivern wird oft die Leistung der Kanäle einzeln gemessen, und nicht alle Kanäle gleichzeitig voll ausgesteuert. Nennt sich Messung nach "IEC". Das hat man früher anders gemacht, da wurden alle Kanäle gleichzeitig voll ausgesteuert und die Leistung gemessen. Bei der Methode das man einen Kanal nach dem anderen misst wird kaschiert dass das Netzteil der limitierende Faktor ist.

Nach der DIN 45500 wurde damals vorgegeben wie so eine Messung durchzuführen ist:

-Alle Kanäle mit einem Sinussignal von 1 kHz voll aussteuern, der Klirrfaktor darf nicht mehr als 1% betragen.

-Der Wert ist für mindestens zehn Minuten stabil zu halten.

Aber die DIN 45500 wurde Anfang der 1990er durch eine EN ersetzt, und seitdem macht effektiv jeder das was er will. Am besten steht man da wenn die Leistung angegeben wurde "Sinus nach DIN", denn dann wurde das so gemacht wie oben beschrieben. Aber gerade bei billigen Geräten steht da gar nichts, weder DIN oder RMS. Oder so ein Murks wie PMPO, wo absolut nicht nachvollziehbar ist wie das zustande kommt.

Dazu kommt noch, das oftmals die Leistungsaufnahme nicht der Maximalwert ist, sondern ein Durchschnittswert.



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