positive und negative Erinnerungen an die DDR

10 Antworten

Hier kann man naturgemäß nur sehr subjektive Erlebnisberichte bekommen, die oftmals jenachdem eben sehr negativ oder sehr beschönigend aussehen können. Leuten, die ihr "Wissen" nur aus der Bild-Zeitung nehmen und in der Regel noch nie mit einem ehemaligen DDR - Bürger gesprochen haben, solltest du von vornherein misstrauen.
Versuche mal, an folgende Bücher ranzukommen:
1) R. Hartmann, "Die DDR unterm Lügenberg", edition ost, ISBN 978-3-360-01820-5;
2) G. Herlt, "Der verdammte Ossi in mir", Reihe "spotless", ISBN 978-3-360-02027-7

wenn heute in deutschland von "servicewüste" die rede ist, was fand dann in der ddr statt? die braunkohlebriketts wurden einfach auf den bürgersteig vor dem haus gekippt und der kunde mußte sie selbst ins haus holen. als kraftfahrer hatte ich mit den teilweise sehr schlechten straßen zu kämpfen: so rissen mir die riesigen schlaglöcher auf der autobahn einmal auf höhe der raststätte börde einmal ein komplettes vorderrad vom anhänger ab. was mir heute noch völlig unverständlich ist, ist die frage, warum man z.b. in halle ganze häuserzeilen einfach verfallen ließ: zunächst kleine schäden im dach wurden nicht repariert, bis dann der regen die ersten wohngeschosse erreichte und das haus unbewohnbar wurde. statt vorhandenes zu erhalten, wurden lieber diese riesigen plattenbauten hochgezogen. nachhaltig in erinnerung geblieben ist mir die schlechte luft, die durch zweitaktfahnen (trabis+ motorräder), braunkohleöfen und große industriebetriebe entstand. wenn dann auch noch die sog. inversionswetterlage dazu kam, wurde schon mal die atemluft knapp.

Also ich habe 30 Jahre in der DDR gelebt,hatte viele Freunde,ja so was wie echte Freundschaft gab es damals noch.Keiner von meinen Bekannten oder Verwanten hatte etwas mit der Stasi zu tun,denn der Kontakt mit diesem Verein,war einer Gruppe von Leuten vorenthalten,die sich an nichts gehalten haben und dann auch noch zu dumm waren,das gross raus zu posaunen.(Obwohl jeder von der Stasi wusste)Mir hat es an nichts gefehlt,Lebensmittel waren bei uns immer reichlich und teilweise besser und schmackhafter als heute.Spanische Tomaten wurden damals nicht mit menschlichem Urin gedüngt!Und Geschichten über tagelanges Anstehen nach Brot und Kartoffeln....sorry aber da kann ich nur lachen.Wer so dumm war sich nach Bananen anzustellen,das waren die Leute ,die auch Probleme mit der Stasi hatten,hatten ja immerhin keine anderen Kontakte!Wohnraum war vorhanden,und das auch noch Spottbillig,ja es waren viele Plattenbauten,aber fahrt heute mal durch Neu Kölln,da sieht es viel schlimmer aus.Auf ein Auto musste man warten,aber da haben ja unmittelbar nach der Wende die Wessis,ihren ganzen alten Schott über die Grenze gekarrt und im Osten 20 Jahre alte Gurken für 10000 DM verkauft....(danke für meinen ersten Polo)Kurz und knapp gab es schlimmeres als im Osten zu leben.Dort hat man nach 40 Jahren begriffen,das Lügen nichts bringt,hier geht das nun schon über 60 Jahre so und keinen interessierts.Damals hatten wir eine Grenze,heute ist das ganze Leben eine Grenze!

Irgendwie haben wir in 2 verschiedenen DDR gelebt-ich denke das du wohl einer aus der Haupstadt warst mit Sonderversorgung denn in den Bezirken sah es ganz Anders aus.

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@Strassenkater

nein ich komme nicht aus der Hauptstadt,trotzdem hat es bei uns an nichts gemangelt....wenn man natürlich im Dschungel wohnt ,dann muss man jagen!

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Die positiven Sachen:

-alles verlief etwas ruhiger, es war nicht so hektisch und ungeduldig...Geduld hat man da auch echt gebraucht

-fast jeder hat einen Job bekommen

-man musste sich nicht so viele Gedanken um seine Zukunft machen, arbeitslos konnte man nur schwer werden, Kredite konnte man auch kaum aufnehmen, sich also nicht verschulden

Das war es schon, was mir Positives zur DDR einfällt.

Das Negative:

-ich wurde ständig bevormundet, gegängelt, überwacht...der Höhepunkt war, dass mein Personalausweis eingezogen wurde, weil ich ein Visum für drei Monate Bulgarien gestellt hatte, also durfte ich das Land überhaupt nicht mehr verlassen

-ständig wurde ich von Vopos kontrolliert, saß einige male nachts auf einem Polizeirevier rum, wahrscheinlich nur, weil meine Haare zu lang waren

-oft landeten Kumpels von mir im Knast oder in der Verbannung (Berlinverbot), hauptsächlich wegen Fluchtgeschichten oder anderer politischer Sachen

-immer gab es Gerüchte, dass dieser oder jener für die Stasi arbeitet, man wurde immer misstrauischer mit der Zeit

-es gab kaum Wohnungen, hätte ich nicht eine Wohnung besetzt, würde ich jetzt noch auf eine warten...und was es oft an Wohnungen gab, war echt unzumutbar, da war seit der Kaiserzeit kein Handwerker mehr im Haus, Toiletten auf dem Hof für das ganze vierstöckige Haus usw.

-der Gestank nach Braunkohle und Trabiabgasen war echt nichts für empfindliche Nasen, die Luftverschmutzung war enorm

-man konnte kaum gute Bücher oder Platten kaufen, die Zensur war allgegenwärtig

-Fußball war langweilig, nur der BFC Dynamo durfte Meister werden

-unabhängige Zeitungen oder Zeitschriften gab es nicht, überall konnte man nur vom blumigen Leben im Arbeiter- und Bauernparadies lesen

-es gab keinen Zivildienst, man konnte höchstens einen Wehrdienst ohne Waffe machen

-die Versorgungslage war immer angespannt, mal gab es kein Klopapier, mal keine Zahnbürsten, mal keine Linsen, mal war die Milch sauer (weil sie ja nicht gekühlt wurde), mal keine Bettwäsche, dann wieder kein Werkzeug usw., auf Dauer hat genau das die Menschen zermürbt und auf die Barrikaden gebracht

-es gab nur eine sehr eingeschränkte Reisefreiheit, selbst wenn man Reisen konnte, durfte man nur so wenig Geld umtauschen, dass man sich im Ausland wie ein Bettler vorkam

-nur wenige, bestimmte Leute, hatten Telefon

-es gab so etwas wie Sippenhaft, die Eltern wurden für Sachen, die ihre erwachsenen Kinder "verbrochen" hatten, bestraft. Meist hatte das negative Auswirkungen auf die Karriere, mein Vater z.B. musste seinen Job wechseln, weil ich den Wehrdienst mit der Waffe verweigert habe (was aber legal war).

-wer Verwandte im Westen hatte, durfte bestimmte Jobs nicht machen

-die ärztliche Versorgung war noch schlechter, als heute, es wurden Medikamente verschrieben, die im Westen schon lange verboten waren, beim Arzt musste man eeeeewig warten und es gab auch keine freie Arztwahl, man musste in seinem Stadtbezirk bleiben

-ein Viertel der DDR war Sperrgebiet, entweder Grenzgebiet, Staatsjagdgebiet oder militärisches Sperrgebiet...überall stieß man auf diese Verbotsschilder und Warntafeln

...das reicht jetzt aber, man könnte sonst denken, wir hatten überhaupt keinen Spaß in der DDR, dabei haben wir sogar im Knast viel gelacht ;)

Bis zum Absatz mit der ärztlichen Versorgung hab ich ja noch geschmunzelt und an die Zeit zurückgedacht,aber was eben die ärztliche Versorgung betrifft:nein,mein Lieber,die war früher besser.Und es wurde JEDER behandelt.Heute geht es nach Brieftasche-und ich weiß,wovon ich rede,ich arbeite in der Branche.Aber warte mal ab,wenn Du alt bist und Durchschnittsrente bekommst:spätestens dann wirst Du den Unterschied am eigenen Leib begreifen.

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@Dorfrocker

Ich bin leider häufiger beim Arzt und finde die Behandlung heutzutage deutlich besser...Bindehautentzündung mit Säure wegätzen, Bohren beim Zahnarzt ohne Kühlwasser und Hautsalbe auf Teerbasis, sind heutzutage wohl eher unüblich.

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@TomBerlin

das waren sie auch damals...ich war regelmässig in der DDR beim Zahnarzt,und die Arbeit wird noch heute von meinem jetzigen Zahnarzt über alle Masen gelobt!

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@Leichnam69

Bei mir wurde 1980 ohne Kühlung gebohrt. Dann wurden so nach und nach neue Geräte eingeführt, die Wasserkühlung hatten.

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@TomBerlin, etwas zu einigen Punkten, die du als negativ in der DDR empfunden hast: „ständig wurde ich von Vopos kontrolliert, saß einige male nachts auf einem Polizeirevier rum, wahrscheinlich nur, weil meine Haare zu lang waren.“

Genz bestimmt nicht wegen deiner langen Haare. Lange Haare hatten wir alle, und es hat keinen gestört!!!

„oft landeten Kumpels von mir im Knast oder in der Verbannung (Berlinverbot), hauptsächlich wegen Fluchtgeschichten oder anderer politischer Sachen.“

Im Moment sehr angesagt, sich als Knastinsasse in der DDR zu outen und damit zu protzen, denn die können ja nach westdeutscher Lesart nur damit zusammenhängen, dass man ein Widerstandskämpfer war :)!!!

„immer gab es Gerüchte, dass dieser oder jener für die Stasi arbeitet, man wurde immer misstrauischer mit der Zeit“

Bei deinen Erfahrungen warst du für so etwas besonders sensibilisiert.

„es gab kaum Wohnungen, hätte ich nicht eine Wohnung besetzt, würde ich jetzt noch auf eine warten...und was es oft an Wohnungen gab, war echt unzumutbar, da war seit der Kaiserzeit kein Handwerker mehr im Haus, Toiletten auf dem Hof für das ganze vierstöckige Haus usw.

Aha! Wer Wohnungen besetzt hat, die leer standen, hat es offenbar vorgezogen, illegal zu handeln als sich durch die Wobau z. B. eine Wohnung vermitteln zu lassen. Ich gehe davon aus, dass die von dir besetzte Wohnung den Standard hatte, den du dir gewünscht hast. Wenn ja, dann frage ich mich, wieso die leer stand. Ich und alle, die ich kenne, hatten eine Wohnung, die sicherlich nicht immer den gewünschten Standard hatten, aber niemals menschenunwürdig waren.

„der Gestank nach Braunkohle und Trabiabgasen war echt nichts für empfindliche Nasen, die Luftverschmutzung war enorm.

Stimmt! Dafür nimmst du heute Gift in allen Varianten mit dem Essen auf (Beispiel: Dioxin) Damals waren die Lebensmittel nicht vergiftet und haben nachgewiesenermaßen besser geschmeckt.

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@nonentity

Die Wohnung stand jahrelang leer, weil das Dach undicht war, das habe ich dann selbst repariert und die Wohnung war wieder bewohnbar. Warum hätte ich jahrelang auf eine Wohnung warten sollen, wenn im Prenzlauer Berg über 10 Prozent der Wohnungen leer standen...wir hatten ein Baby und brauchten einfach eine Wohnung, die 600 Mark Strafe haben wir gerne bezahlt. Ich lasse mich ungern verarschen, auch heute nicht.

Der Rest deines Kommentars war Polemik...

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@TomBerlin

Als Haus oder Wohnungsbesetzer bekommst Du es auch hier mit der Polizei zu tun und hast mit Represalien zu rechnen.Dach repariert und mit BABY eingezogen.....nunja da sollte man sich nicht wundern.

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@Leichnam69

Wer sagt denn, dass ich wegen der Wohnung Ärger hatte? Das lief ganz glatt, ich habe einfach die Strafe bezahlt und fertig.

Ihr seid schon ein komisches Duo...wie die Komiker Erich&Mielke.

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@Leichnam69

Und dann standen ganze Straßenzüge leer, weil die Häuser fast zusammenfielen. Was ist daran verwerflich, wenn jemand zur Selbsthilfe greift, sich in so einem Haus festsetzt und die Wohnung einigermaßen wieder herstellt? Von den Behörden erhielt man ja eh nur ein Schulterzucken. Heutzutage wird man des Diebstahls bezichtigt, wenn man sich Lebensmittel einsteckt, die bereits auf dem Weg zur Müllhalde sind - wer entscheidet da eigentlich über Recht und Unrecht?!

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@TomBerlin

Ich gebe dir vollkommen recht, auch wenn deine Erfahrungen nicht für die ganze Zeit und nicht allgemein galten. Das mit den langen Haaren, das muss so Anfang der 70er gewesen sein. Damals galt das als "westliche Dekadenz" und wurde gemaßregelt, ebenso, wenn jemand in Levis-Jeans in die Schule kam. Aber dann gab es Diskussionen, auch in den Zeitungen und Zeitschriften, immer mehr junge Leute trugen die Haare lang, und schließlich störte sich keiner mehr daran. Genauso war es mit der Musik der Beatles und der Stones.

Und was die Wohnung betraf, da kann ich auch ganze Dramen erzählen. Mir haben sie mit 20 noch ins Gesicht gesagt, dass ich keinen Anspruch auf eine eigene Wohnung habe, solange ich nicht verheiratet bin. Vor allem schob ein Wohnungsamt (ich hatte eine Nebenadresse in einer anderen Stadt) die Verantwortung auf das nächste. Und dass ich nicht einmal ein eigenes Zimmer in der elterlichen Wohnung hatte, sondern dieses mit 2 Schwestern teilen musste, hat auch keinen interessiert. Mit Beschwerden und ständigen Interventionen und Eingaben hat man dann doch etwas erreicht, und ganz zum Schluss erhielt ich sogar als Alleinstehende eine 2-Zimmer-Wohnung (was manche zu der Annahme veranlasste, ich hätte Beziehungen zum Rat der Stadt - die hatte ich aber nicht, sondern blockierte zum Schluss lediglich eine von ursprünglich 2 Mietparteien bewohnte Vierzimmerwohnung).

Eigentlich gab es in der DDR freie Arztwahl. Nur die Ärzte deiner Wahl haben dich einfach nicht drangenommen und sagten, sie wären nicht zuständig. Hier half nur Vitamin B.

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@Claud18

Danke für deinen Kommentar.

Das mit den fehlenden Wohnungen war eines der größten Probleme, die die DDR zu bewältigen hatte, hätte es nicht Wohnungsbesetzer gegeben, wäre die Lage noch schlimmer gewesen. Bei meiner Wohnung hieß es, "da ist der Schwamm drin, die ist unbewohnbar"...dabei war nur ein handgroßes Loch im Dach, wo das Wasser in die Wohnung lief. Das hatte ich in 10 Minuten repariert und somit war die Wohnung wieder bewohnbar. Im ganzen System war der Wurm drin, das war das eigentliche Problem...

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@TomBerlin

schön das Du das damals erkannt hast,und heute trotzdem blind bist!

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@TomBerlin

schön das Du das damals erkannt hast,und heute trotzdem blind bist!

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@TomBerlin

keine Unterstellungen...Tatsachen,mit denen Du nicht aufwarten kannst!

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Ganz interessant, den Streit zwischen "DDRlern" und "BRDlern" hier zu beobachten. Ich denke, dass bei der Wiedervereinigung sehr viele Fehler gemacht wurden und die Vereinigung zweier völlig verschiedener und miteinander unvereinbarer Volkswirtschaften viel zu schnell durchgeführt wurde. Das Resultat: in ganz Deutschland sind alle verärgert. In dem Tempo hätte das vermutlich kein anderes Land auf der Welt stemmen können.

Bezugsscheine, Fördergelder, Hartz4 und was sich die Regierungen nach 1990 noch alles ausgedacht haben, gab es ja nicht nur nicht in der DDR sondern in der alten BRD auch nicht.

In Polen, wo ich einige Jahre gelebt habe, will man die Zeit - besonders bis 1981 - möglichst schnell wie einen Alptraum vergessen. In abgeschwächter Form gilt das auch für Russland. Keiner der 20 - 50 jährigen sehnt sich mehr in die alte Zeit zurück.

und wieder absoluter Quark!

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@Leichnam69

Deine Antworten werden immer kürzer und geistreicher... Nächstes Mal sagst Du nur noch Qu.

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