Pistorius will bis 2030 80.000 neue Soldaten gewinnen - ist die Bundeswehr dafür als Arbeitgeber attraktiv genug?
Überwiegend soll es dabei um Freiwillige gehen: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/soldaten-auf-zeit-besoldung-100.html
Pistorius hält die Bedingungen für attraktiv und konkurrenzfähig, aber ist dem wirklich so?
3 Antworten
Es kommt ganz auf den Bereich an. In manchen Bereichen ist die Bundeswehr sehr attraktiv. Je weiter unten in der Hierachie man steht, umso attraktiver ist es für die Bundeswehr zu arbeiten.
Die Mannschaftsdienstgrade sind in weiten teilen recht gut bezahlt, für die Aufgaben die dort übernommen werden. An einfachen Soldaten mangelt es der Bundeswehr daher eher weniger.
Je höher der Dienstgrad, umso unattraktiver wird oftmals der Arbeitgeber Bundeswehr. Feldwebel und die niedrigeren Offiziersdienstgrade werden ziemlich schlecht bezahlt, für die Verantwortung, die Sie für Mensch und Material tragen. Auch Fachkräfte, die bei der Bundeswehr mangelware sind, findet man daher nur wenige. Die Bezahlung ist teilweise deutlich unter dem, was man in der freien Wirtschaft verdient. Dafür stehen die Kasernen aber oftmals am Arsch der Heide, es gibt viele Lehrgänge, Übungen etc. die zudem den zeitlichen Aufwand oft über das steigen lassen, was man in der freien Wirtschaft an Zeit leistet.Die Vereinbarkeit von Job, Familie und Freizeit ist oftmals sehr mittelmäßig.
Also Ja, man findet freiwillig wahrscheinlich problemlos 80.000 weitere Soldaten in einfachen Dienstgraden, wenn man etwas die Werbetrommel rührt. Aber wirkliches fachpersonal, da sehe ich ehrlich gesagt schwarz. Da findet man nur wenige, die wirklich Bock auf den Job haben und dafür Nachteile inkauf nehmen. Kommt aber natürlich auf die Branche an. Für ITler ist die Bundeswehr beispielsweise sehr unattrktiv, für Logistiker hingegen sieht es wieder anders aus. Kann man daher auch nicht generell sagen.
Es ist die Frage, on man einfach nur eine Zahl X an Soldaten will oder ob man eine wirklich spezialisierte Truppe möchte. In meinen Augen machen viel mehr einfache Soldaten heutzutage weniger Sinn, als eine niedrigere Anzahl wirklicher Spezialisten. Militärtechnik wird komplexer und dem kann man nur bedingt entgegenkommen. Bitte nicht falsch verstehen, alle Dienstgrade sind wichtig, ich sehe nur den tatsächlcihen bedarf etwas anders.
Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort, sehr interessant!
Nein, ist sie nicht. 2200€ Sold am Anfang sind heutzutage fast schon ein Hungerlohn. Da verdient man überall besser. Sonst gibt es auch keine nennenswerten Benefits, die es woanders nicht auch gibt. Dafür hält im Zweifel so gut wie kein Vernünftiger seinen Kopf hin. Wenn jemand Soldat wird, dann nur aus Überzeugung - nicht aus Geldgründen oder dergleichen.
Ich glaubte erst 203080000 gelesen zu haben, dann wurde mir bewusst, daß die Zahl unsere Einwohnerzahl übertraf und simit habe ich mir das nochmal angeschaut ;-)