Philosopie.. Leben nach dem tod (platon,Sokrates)

3 Antworten

Hallo cici94,

tauchen wir einmal in die Tierwelt ein: Wie ist es möglich, dass z.B. bestimmte Kapuzineraffen Werkzeuge benutzen, um eine Frucht essbar zu machen (sie schmettern mit einem großen Felsbrocken auf eine Palmfrucht), obwohl ihnen dies niemand aufgeschrieben hatte? In den Genen kann solche Information nicht sein, denn sie sterben mit dem Körper mit; die Information wäre damit verschwunden. Der Grund liegt (bei Tieren) in einer (in meinem Beispiel: Kapuziner-)Gruppenseele, an der diese Affenart quasi 'angeschlossen' ist. Alle Informationen, Lernprozesse und Weiterentwicklungen werden in der Gruppenseele gespeichert. In den Genen werden physische Daten (Organe, Knochen, Muskeln, Hormone, Drüsen, Gehirn, Sinnesorgane, Zellen, Augen- + Haarfarbe etc. eines Körpers) gespeichert. Würde Wissen mitgespeichert werden, bräuchten wir nicht bei der Geburt das Wissen der 'Alten' neu zu (er-)lernen. So sehe ich es auch bei der Evolution: Informationen, Lernprozesse, Emotionen, Denk- und Verhaltensmuster und dergleichen werden nicht in Genen gespeichert und weitervererbt, sondern in den Gruppenseelen bzw. den Einzelseelen des Menschen. Du hast sicher schon mal bei bestimmten schönen Geschehnissen Bauchkribbeln verspürt. Woher kommen solche Gefühle? Natürlich sind sie physikalisch, neuro-biologisch und chemisch erklärbar, dennoch muss etwas diese spürbare Reaktion des Bauchkribbelns ausgelöst haben. Dieses Etwas war ein bestimmtes Gefühl, eine bestimmte Emotion,oder eine Intuition (Eingebung). Jedoch sind Gefühle nicht in den Genen gespeichert. Sie kommen von woanders her: Aus der 'Erinnerung', die in der Einzelseele gespeichert ist. Zu den Göttern möchte ich noch eines hinzufügen: Es gibt einen allmächtigen Gott, aber mehrere 'Unter'götter: Einen Gott für jeden Planeten, einen Gott für jedes Universum. Sie unterstehen jedoch alle dem Allmächtigen. Aber dies ist 'nur' meine 'Weisheit'. MfG Fantho

Die Frage bezieht sich offenbar auf Aussagen, die Sokrates als Gesprächsfigur in Platons Dialog „Phaidon“ äußert.

Die Dinge, die immer gleich bleiben, sind im von Platon vertretenen Denkansatz die Ideen. Kritik an der Ideenlehre kann in anderen philosophischen Weltanschauungen gefunden werden (zu beachten: Kritik kann nicht mit Widerlegung einfach gleichgesetzt werden). Eine Frage (von Platon in anderen Dialogen behandelt) ist, wie die Veränderlichkeit der Welt (sie ist ja nicht gleichbleibend) auf der Grundlage von Ideen erklärbar ist. Ein Thema, bei dem die Meinungen auseinandergehen können, ist die Einschätzung der Allgemeinbegriffe und das Verhältnis vom Allgemeinen zu den Einzeldingen (die Auseinandersetzung darüber wird Universalienstreit genannt). Im Gegensatz zur Ideenlehre stehen Meinungen, es gebe Allgemeinbegriffe nur in den Dingen oder es gebe sie nicht außer als bloße Gedankenabstraktionen und sie seien nur Namen (Nominalismus). Im Empirismus gilt Erfahrung durch Sinneswahrnehmung als Ursprung von Erkenntnis. Immanuel Kant versteht die Ideen als der Erfahrung vorausgehende Formen des Erkennens, welche die Sinnesdaten ordnen.

Die Ideenlehre selbst ist aber nicht das, was im Dialog eigentlich bewiesen werden soll, sondern sie wird nur ein Stück weit entwickelt und für Beweisversuche herangezogen. Auf ihre Richtigkeit und Schlüssigkeit sind die Beweisführungen für die Unsterblichkeit der Seele (individuelles Fortdauern) zu prüfen.

Die Existenz der Seele ist Voraussetzung, um Eigenschaften von ihr zu untersuchen (in diesem Fall ob „unsterblich“ zutrifft). Bei der Existenz der Götter könnte verlangt werden, erst einmal deren Existenz zu beweisen. Allerdings hängt die Beweisführung davon nicht entscheidend ab.

Ein Ansatz in Bezug auf gleichbleibende Dinge ist eine Unterscheidung von Seele und Leib/Körper und die Verbindung der Seele mit Erkennen, des Leibes/Körpers mit Sinneswahrnehmung (dies berührt die schwierige Frage nach dem Verhältnis von Geist und Materie, bei dem verschiedenen Standpunkte vertreten worden sind, also auch von einem Dualismus wie bei Platon abweichende). Die Seele sei dem Göttlichen, Unsterblichen, Vernünftigen, Eingestaltigen, Unauflöslichen und immer Gleichbleibenden am ähnlichsten, der Leib/Körper dem Menschlichen und Sterblichen, Unvernünftigen, Vielgestaltigen, Auflöslichen und nie einerlei und sich selbst Gleichbleibenden. Gegen die Stimmigkeit und durchschlagende Stichhaltigkeit der Beweisführung kann eingewendet werden, es gehe nur um ein Mehr und Weniger an Ähnlichkeit. Die Seele sei gar nicht ausschließlich mit dem Gleichbleibenden verbunden, sondern auch mit dem Veränderlichen.

In einem weiteren Anlauf wird die Ideenlehre zum Ausgangspunkt einer Beweisführung:

Dinge haben Eigenschaften durch Teilhabe an den Ideen (bei Platon Seiendes, das rein das Wesen einer Sache ist und Dinge in ihrem Sosein bestimmt; Idee sein = etwas Bestimmtes sein, z. B. das Gerechte an sich). Es gibt miteinander unvereinbare Ideen. Sie schließen einander darin aus, zugleich und in derselben Hinsicht ein Ding bestimmen zu können (z. B. Größe und Kleinheit). Diese Ideen können weder in einem teilhabenden Ding gleichzeitig in derselben Hinsicht existieren noch sich ineinander verwandeln. Diese Unvereinbarkeit gilt auch für die Teilhabe an nicht direkt entgegengesetzten Ideen, aber mit dem Wesen entgegengesetzten Ideen notwendig verbundenen Ideen. Direkt entgegengesetzt zum Geraden ist das Ungerade. Die Drei/Dreiheit ist zwar nicht der direkte Gegensatz zum Geraden, aber ihrem Wesen nach notwendig immer ungerade. Daher kann sie niemals an der Idee des Geraden teilhaben.

Dies wird in der Beweisführung auf das Verhältnis von Seele, Leben und Körper übertragen:

Die Seele als Prinzip des Lebens sei Ursache für die Beseeltheit und damit das Lebendigsein des Körpers. Die Seele sei notwendig mit Idee des Lebens verbunden. Daher könne sie der Tod, der Gegensatz zur Idee des Lebens sei, nicht berühren und die Seele also nicht untergehen. Am Beweisgang insgesamt ist kritisierbar, unterschiedliche inhaltliche Ausfüllungen des Begriffs Seele zu verwenden (einmal erkennender Geist, dann Lebensprinzip), ohne ausreichend zu begründen, inwiefern beides ganz und gar auf die Seele zutrifft und es sich nur um verschiedene Gesichtspunkte dessen handelt, was die Seele ihrem Wesen nach ist.

Bei der letzten Beweisführung tritt eine Lücke auf (auf die Aufgabe eines noch zu erbringenden Nachweises ist bei Platon, Phaidon 106 a – c sogar hingewiesen). Was an Lebendigkeit Anteil hat, kann nicht tot sein, aber nur solange dieses Anteilhaben besteht. Die Seele könnte aber auch zu existieren aufhören, wenn der Tod eintritt. Aus der Unvergänglichkeit der Idee des Lebens folgt nicht zwingend die Unvergänglichkeit der Seelen. Der Anteil am Leben kann nicht einerseits eine Eigenschaft sein und daher als solche nicht das Gegenteil annehmen, andererseits etwas Individuelles (die Seele eines Menschen) sein, das sich vom Objekt Körper trennen kann. Es fehlt noch ein Nachweis für eine wesenhafte Unvergänglichkeit der Seele.

Eine lebende Seele kann sich zwar nicht in eine tote Seele verändern (anders als Körper auch als Leiche existieren kann), Dies heißt aber nicht, sie könne nicht vergehen, sondern müsse immer existieren. Veränderung erfordert ein konstantes Objkekt, das sich verändert, aber überdauert. Was im Dialog zu beweisen ist (Tod nur eine Zustandsveränderung, die eime fortdauernde Seele erleidet), wird im Grunde schon vorausgesetzt.

In Büchern über Platon und zum Dialog „Phaidon“ stehen Untersuchungen der Beweisführungen, z. B.:

Franz von Kutschera, Platons Philosophie. 2: Die mittleren Dialoge. Paderborn : mentis, 2002, S. 15 - 41

Danke für die Randnotiz, dass Kritik nicht immer widerlegen bedeutet, sondern auch den Aspekt des Erarbeitens.

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Die Seele gibt es. Die angebliche "Seele" ist das Gehirn, die Entscheidung, durch Erinnerung und Erfahrung beeinflusst wird, trifft. Würde man das Gehirn in en Körper des anderen einpflanzen würder er genauso denken wie der vorherige Besitzer und sowas wie "in den Himmel kommen" gibt es nicht oder hast du schon mal ein schwebendes Gehirn gesehen. Wenn man stirbt sendet das Gehirn nocht 24 Stunden lang elektrische Impulse, dann ist alles tot. Wenn man des liest kann man ja meinen dass es sowas wie Sünden nicht gibt. Die gibt es dennoch, denn das schlimme was man getan hat wirkt sich auf die Welt aus und kann fatale Folgen haben.

*Die Seele gibt es nicht. :D

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