Philosophen über gleichberechtigung

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Ansatzweise steckt etwas in der Lehre des Pythagoras, alle beseelten Wesen seien miteinander in gewisser Weise verwandt und bildeten eine große Familie. Zur Philosophenschule der Pythagoreer haben auch einige Frauen gehört, z. B. Theano aus Kroton (vgl. unter anderem Iamblichos,  Πυθαγόρου βίου [De vita Pythagorica; „Über das Leben des Pyathagoras“] 267)

Frühe erhaltene, ausdrücklich auf das Thema Gleichberechtigung bezogene Aussagen eines griechischen Philosophen stammen von Platon.

Die zentrale Stelle dafür ist Platon, Politeia 451 c– 457 b. Die Dialogfigur Sokrates legt im Zusammenhang der Erziehung und Bildung der Wächter (einschließlich der zukünftigen Philosophenherrscher dar, auch Frauen sollten auf gleiche Weise erzogen und (aus)gebildet werden. Das Gebären (biologischer Unterschied) begründet nicht, allgemein Tätigkeiten als für Frauen ungeeignet zu erklären (in einem Hundevergleich wird darauf verwiesen, Hündinnen zum Wachen und  Jagen einsetzen zu können). Es ist bei einer Begründung, die sich auf die Naturbegabung/Fähigkeit bezieht zu beachten, wofür einen unterschiedliche natürliche Anlage von Belang ist (nebensächliche Umstände wie, ob jemand kahlköpfig ist oder volles Haupthaar hat, sind ja auch dafür ohne Bedeutung, ob jemand geeignet ist, als Zimmermann tätig zu sein). In der allgemeinen Art der natürlichen Begabung gebe es keinen Unterschied. Eine gewisse Einschränkung besteht in der Aussage, Frauen seien dabei im allgemeinen schwächer (womit ein Übertreffen im Einzelfall nicht ausgeschlossen ist). Eine Frau ist im platonischen Staat grundsätzlich aber als Philosophenherrscherin denkbar.

Eine Kernaussage:

455 d – e οὐδὲν ἄρα ἐστίν, ὦ φίλε, ἐπιτήδευμα τῶν πόλιν διοικούντων γυναικὸς διότι γυνή, οὐδ᾽ ἀνδρὸς διότι ἀνήρ, ἀλλ ὁμοίως διεσπαρμέναι αἱ φύσεις ἐν ἀμφοῖν τοῖν ζῴοιν, καὶ πάντων μὲν μετέχει γυνὴ ἐπιτηδευμάτων κατὰ φύσιν, πάντων δὲ ἀνήρ, ἐπὶ πᾶσι δὲ ἀσθενέστερον γυνὴ ἀνδρός.

„Keine Aufgabe/Beschäftigung/Tätigkeit derer, die den Staat verwalten also, Freund, gibt es für die Frau, weil sie eine Frau ist, oder für den Mann, weil er ein Mann  ist, sondern die natürlichen Anlagen sind bei beiden Lebewesen auf gleiche Weise verteilt und an allen Beschäftigungen/Tätigkeiten hat einerseits die Frau ihrer Natur nach Anteil, andererseits der Mann, bei allem aber ist die Frauen schwächer als der Mann.“

Nach antiker Überlieferung (Diogenes Laertios 3, 46 und 4, 2) sind Axiothea aus Phleius und Lastheneia von Mantineia Schülerinnen der platonischen Akademie gewesen.

Aristoteles erklärt (in Übereinstimmung mit dem traditionellem Rollenbild/der damaligen Konvention) in seinen ethischen und politische Schriften die Frau für dem Mann unterlegen. Die von Natur bestehende Herrschaft des Mannes sei auch für die Frau nützlich. Seine Auffassung steht zu einer Gleichberechtigung im Gegensatz. Wichtige Aussagen stehen in Politika (Politik) 1, 5 und 1, 13. Einige Sätze daraus:

1, 5 1254 b 13 i πάλιν ἐν ἀνθρώπῳ καὶ τοῖς ἄλλοις ζῴοις ὡσαύτως· τὰ μὲν γὰρ ἥμερα τῶν ἀγρίων βελτίω τὴν φύσιν, τούτοις δὲ πᾶσι βέλτιον ἄρχεσθαι ὑπ᾽ ἀνθρώπου· τυγχάνει γὰρ σωτηρίας· οὕτωςἔτι δὲ τὸ ἄρρεν πρὸς τὸ θῆλυ φύσει τὸ μὲν κρεῖττον τὸ δὲ χεῖρον, καὶ τὸ μὲν ἄρχον τὸ δ᾽ ἀρχόμενον.

„Ebenso wiederum verhält es sich beim Menschen und den anderen Lebewesen: Das Gezähmte/Veredelte/Kultivierte ist besser als das Wilde. Für alle diese aber ist es besser, vom Menschen beherrscht zu werden.  Denn dies erreicht Wohlergehen/Erhaltung/Rettung. Ebenso ist das Verhältnis des Männlichen zum Weiblichen von Natur so, daß das eine besser/Tüchtiger, das andere geringer/schwächer/schlechter ist, und das eine herrscht/regiert und das andere beherrscht/regiert wird."

1, 13 , 1260 a 13 – 15: ὁ μὲν γὰρ δοῦλος ὅλως οὐκ ἔχει τὸ βουλευτικόν, τὸ δὲ θῆλυ ἔχει μέν, ἀλλ᾽ ἄκυρον, ὁ δὲ παῖςἔχει μέν, ἀλλ᾽ ἀτελές.

„Der Sklave hat die Fähigkeit zum Überlegen überhaupt nicht, das weibliche Geschlecht hat sie zwar, aber kraftlos/ohne feste Entschiedenheit, der Knabe hat sie zwar, aber unvollendet.“

 Epikur hat Frauen und  Sklaven in seinem „Garten“ (Kepos) in gewisser Weise gleichberechtigt zugelassen (vgl. Diogenes Laertios 10, 3.10.21). Der soziale Status war kein Hindernis, als Teil eines Freundschaftskreises behandelt zu werden. Eine theoretische Auseinandersetzung auf philosophischer Ebene, die das Verhältnis von Mann und Frau und die Frage ihrer Gleichberechtigung reflektiert, fehlt (zumindest in den erhaltenen Schriften).

Dies gilt auch für die Stoa. Kleanthes hat nach dem Titel eines Werkes (Diogenes Laertios 7, 157) die Auffassung vertreten, für Frau und Mann gebe es die gleiche Tugend/Vortrefflichkeit, darüber hinausgehende Überlegungen sind nicht bekannt. Nach Lucius Caelius Firmianus Lactantius (Laktanz), Divinae Institutiones 3, 25 haben Stoiker die Meinung vertreten, Sklaven und Frauen sollten philosophieren.

Informationen zum Thema enthält z. B. eine materialreiche Untersuchung:

Sabine Föllinger, Differenz und Gleichheit : das Geschlechterverhältnis in der Sicht griechischer Philosophen des 4. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. Stuttgart : Steiner, 1996 (Hermes : Einzelschriften ; 74). ISBN 3-515-07011-7

 

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Als Ergänzung zu ALBRECHT:

Wikipedia: "Arete von Kyrene (* um 400 v. Chr.; † um 330 v. Chr.) war die Tochter des griechischen Philosophen Aristippos von Kyrene, des Begründers der kyrenaischen Philosophenschule. Sie gilt als die erste Frau, die als Philosophin hervorgetreten ist. Sie wird von Diogenes Laertios und Aelian erwähnt. Diogenes Laertios berichtet auch von dem uns in der Sammlung der Sokratikerbriefe erhaltenen Brief, den ihr Vater ihr kurz vor seinem Tode geschrieben haben soll. Es handelt sich dabei um das einzig erhaltene Textzeugnis größeren Umfangs, das von Aristipp selbst erhalten ist.

Über das philosophische Denken Aretes ist wenig bekannt. Es wird vermutet, dass das Werk ihres Sohnes Aristipps des Jüngeren wesentlich von ihr beeinflusst ist." Aristippos von Kyrene, ein jüngerer Zeitgenosse des Sokrates, hat also seine Tochter zur selbstständig denkenen Philosophin erzogen. Aristippos gilt als Begründer des Hedonismus, was meist Epikur unterstellt wird. Sein Umgang mit Frauen und im speziellen mit seiner Tochter zeigt aber, dass diese Schublade nicht ganz passend ist, da er in früher Zeit bereits ein hochinteressantes 'modernes Menschenbild' als Grundlage seines Hedonismus hatte.

Die "alten Griechen" hatten eine sehr differenzierte Meinung über die Gleichberechtigung. Sie differenzierten die Arbeitsteilung zu einem gemeinsamen Ganzen. Homosexualität war unter den Philosophen normal.

Sokrates war jemand, der sich besonders mit den Geschlechterteilungen befasste. Gleichberechtigung also in der Form der gleichen Niederlage aus verschiedenen Sichtweisen.

So kam von ihm die berühmte Antwort zu einem Heiratswilligen, der keinen Fehler machen wollte und sicherheitshalber dem Sokrates fragte, ob er nun heiraten sollte oder nicht.

Die Antwort: Egal, was Du machst, nach 30 Jahren bereuhst Du es so oder so.

Platon ! Absolut Platon... in seiner Politeia hat er sich nur mit der Frage, was gerecht und ungerecht ist, auseinandergesetzt und dazu das Modell seines Idealstaates aufgebaut, in dem seiner Meinung nach alle Schichten gleichberechtigt gewesen seien.

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