Pferd nach 5 Jahren Pause wieder anreiten?

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4 Antworten

Es ist durchaus machbar, auch ältere Pferde wieder anzureiten. 

Vorher sollte aber alles gecheckt werden: 

Der komplette Bewegungsapparat, die Beine, die Hufe, Halswirbel und Nackenband und natürlich die Zähne. 

Gibt der TA grünes Licht, beginnst du langsam mit Führtraining, Bodenarbeit und Vertrauen. Wenn das soweit sitzt, beginnst du langsam mit dem korrekten longieren, so dass dein Pferd lernt, sich selbst korrekt an die Longe zu stellen und sich praktisch selbst arbeitet. 

Erst wenn die Muskulatur und das entsprechende Vertrauen vorhanden ist, lässt du den Sattler kommen, der dir den Sattel passgenau richtet. 

Mit dem Sattel longierst du noch etwa 14 Tage weiter, dass das neue Dings am Rücken den Schrecken verliert. Dann erst langsam ans Gewicht gewöhnen. 

Bei allem was du machst: mach langsam und nicht mehr, wie dein Pferd auch verarbeiten kann. Lieber früher aufhören und feste loben und am nächsten Tag zB nochmal wiederholen. 

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Und ja. Spät gerittene Pferde unterscheiden sich nicht von Jung angerittenen, alles was ich bisher mitbekommen habe, dass sie etwas ruhiger sind und manchmal etwas länger brauchen, um eine Aufgabe sicher zu erfüllen.

Grundvoraussetzung ist wie immer: Vertrauen, erreichbare Ziele stecken und rechtzeitiges Beenden von schwereren Lektionen, so dass die Motivation erhalten bleibt. 

Ich bin mehr als skeptisch, was solche Geschichten angeht. Denn in der Regel hat es einen Grund, warum ein Pferd nach dem Anreiten einfach weggestellt wurde. Meistens, weil es "nicht gehalten halt," das heißt, unter der Arbeit lahm ging, Sehnenprobleme hatte oder sich reiterlich derart wiedersetzte, dass es einfach nicht reitbar war. Ein Verkäufer wird keine dieser Hintergrundgeschichten erzählen. Die Story lautet dann - "keine Zeit," "Bereiter erkrankt," "auf der Weide vergessen", "das Pferd sollte Zeit haben, sich zu entwickeln," bla bla bla.... Je nachdem, wie gut der Verkäufer den Nerv des Käufers trifft, ist dieser dann durchdrungen von dem Gedanken, was besonders gutes zu tun.

Doch als erstes eigenes Pferd würde ich das nicht empfehlen. Es fehlen Erfahrungen, die man für einen eventuellen Problemfall braucht. Und auch wenn es mal das kleine 1mal1 gelernt hat, heißt das nicht, dass es mehr kann, wie unausbalanciert geradeaus zu laufen, wenn es denn überhaupt einen Reiter akzeptiert. Und ob ein Greenhorn dem tatsächlich gewachsen ist? Ein 8-jährigem Pferd ist kein Jungpferd und charakterlich deutlich gefestigt. Kann von Vorteil sein, aber eben auch von Nachteil.

Ohne große AKU mit Röntgenbildern und allem drum und dran, würde ich da erst Recht nicht dran gehen. Überleg Dir das gut.

Danke für deine Antwort es wäre nicht mein Erstes Pferd und auch nicht das erste was ich einreiten würde .

Eine große Aku ist für mich selbst verständlich :) Ich werde mit meinem Trainer es mir vermutlichen anschauen  und dann weiter entscheiden 

Danke für deine Antwort sie War hilfreich 

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@lara23456789

Dass Dein Trainer sich das Pferd mit ansieht, ist schon mal ein hoffentlich guter Schritt. Und sicherlich kann es durchaus eine Erfolgsgeschichte werden, je nachdem wie die tatsächliche Vorgeschichte war. 

Ich kenne ein junges Mädchen, eine überaus talentierte Dressurreiterin mit leider nicht entsprechend vermögendem familiären Background, die natürlich dennoch hoffte, ein Dressurpferd zu finden mit entsprechender Veranlagung und das Ganze für nicht so viel Geld. Gelandet ist sie bei einem wirklich netten Pferd, das "auf der Weide vergessen worden ist" - Der Anfang war vielversprechend, doch dann folgte eine Lahmheit nach anderen und heute weiß sie, warum er auf der Weide vergessen wurde.....

Denn mal ehrlich - ein Züchter züchtet nicht, weil er nicht verkaufen will. Wenn es weder zur Ausbildung noch zum Verkauf kommt, liegt in der Regel ein Grund vor. Und der muss nachvollziehbar sein. 

Mir ist im letzten Jahr eine fantastisch gezogene Stute angeboten worden. 7-jährig, aber noch so gut wie roh. Sie wurde zusammen mit noch einigen anderen Pferden ihrem Züchter, einem ganz alten, total überforderten Mann, vom Veterinäramt weggenommen, weil der Mann mit allem total überfordert war und die Pferde nicht mehr ordentlich versorgen konnte. Für mich war sie zu roh als dass ich sie mir reiterlich zugetraut hätte, aber ein versierterer Reiter hätte aus ihr sicherlich etwas machen können. Wenn sie dann auch noch charakterlich so eingestellt ist, dass sie Spaß am Lernen und am Mitarbeiten hat, dann kann das zur Erfolgsgeschichte werden - zusammen mit dem richtigen geduldigen und vor allem wirklich Ahnung-Habenden Reiter. So ein Pferd in falschen Händen hingegen kann fatal enden.

Ich hab mir den Schritt aus mehreren Gründen nicht zugetraut. Grund 1 war sicherlich, dass ich selbstständig berufstätig bin, Familie habe und befürchten musste, für so ein Projekt nicht die nötige Zeit zu haben. Grund 2 war, dass ich mir bei einem Pferd sicher sein muss, die Aufgabe auch bewältigen zu können und in diesem Fall das komplette Volumen nicht berechenbar gewesen ist.

Überlege es Dir gut. Wie auch immer Du entscheidest - viel Glück!

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@Sallyvita

Und ich würde noch zu bedenken geben: Die AKU ist ein Standardverfahren, das längst nicht alles aufdeckt und einige Problemstellen kann man gar nicht röntgen, weil beim Pferd doch viel Körper im Weg ist. Z.B. die Sitzbeinfraktur, die durchaus nicht gar so selten Jungpferden passiert und möglicherweise eine Hinterhand zurück lässt, die statt Muskeln Bindegewebe hat. Hier kommt man einfach nicht ran. Oder die Arthrosen vom Ausbinder Anlongieren, die zwischen den Schulterblättern sind (6./7. Halswirbel gerne mal) und die man daher am Bild nicht sieht, ein vermeintlich gesundes Pferd kauft, das aber so erhebliche Bewegungseinschränkungen hat, dass vieles einfach nicht mehr drin ist.

Daher bitte ich Verkäufer immer, meine auf manuelle Therapien spezialisierte Tierärztin mitbringen zu dürfen, dass sie mir das Pferd mit ihren Mitteln durchcheckt. Mir fast wichtiger als Röntgenbilder (den was man per Röntgen finden würde, findet sie meist auch und man kann dann immer noch ein Bild machen, um zu sehen, wie eine Abweichung vom Ideal gelagert ist, ob die Auswirkungen haben wird) und zudem noch günstiger zu bekommen.

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für mich stellt sich die frage, ob das nicht eine ausrede dafür ist, warum das pferd nicht probegeritten werden kann, was mit dem pferd in den 5 jahren gemacht wurde - und wenn es nur herumstand, warum sich jemand einen unnützen fresser 5 jahre lang auf die weide und im winter in den stall stellt.

wenn derjenige wirklich ein gutes verhältnis zu dem pferd hat, verkauft er es nicht.

such den haken, finde ihn und überlege sorgfältig, ob du damit auf die dauer leben kannst.

wenn die stute beispielsweise ein ranghohes tier ist und schon mit 3 dominanzverhalten bis unter den sattel gezeigt hat, wird es jetzt damit nicht besser sein.

häufig genug hat sich auch dann jahrelang keiner mehr auf ein pferd gesetzt, das beim anreiten seinen reiter aus irgend einem grund (panik oder zur wehr setzen) schwer verletzt hat.

aber ohne den grund für den gemütlichen schnlendrian des pferdes kann man dir nicht wirklich einen rat geben.

Ich habe eher eine geteilte Meinung. Auf der einen Seite, Ja. Auf der anderen, Nein. Ich weiß leider nicht, wie sie angeritten wurde, wurde sie pferdefreundlich angeritten, oder nicht. Denn auch das, macht einen großen Teil aus. Wenn es zB traumatisiert ist, kann es sein, dass es anders reagiert. Es ist möglich, vielleicht erstmal Bodenarbeit machen und Vertrauen aufbauen. Es wird Zeit brauchen, also am besten viel Zeit mit einplanen.
Ich wünsche dir viel Glück weiterhin:)

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