Oper - Operette - Musical, wo liegen die Unterschiede?

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Am deutlichsten sind die Unterschiede in den kulturgeschichtlichen Wurzeln. Begrifflich ist eine genaue und klare Abgrenzung schwierig, weil die Begriffe nicht sehr scharf unterschieden und einzelne Stücke Grenzfälle sind (die späten Operetten von Franz Lehár wie Das Land des Lächelns, Der Zarewitsch und Giuditta sind z. B. opernähnlich).

Manche Aussagen gelten nur für einen Teil der Stücke. Es gibt nicht nur ernste/tragische Opern sondern auch komische/heitere (dazu gehören die Gattungen der Opera buffa und der Spieloper). Nicht in jeder Oper wird durchgängig gesungen. Gesprochene Texte enthalten z. B. eine Opéra comique wie Georges Bizet, Carmen, ein Singspiel wie Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte und eine romantische Oper wie Carl Maria von Weber, Der Freischütz. Unterhaltung bieten Opern auch.

Oper ist eine Bezeichnung für ein in Italien entstandenes Musiktheater mit einer profanen (in Abgrenzung zu einer sakralen wie z. B. im Oratorium) dramatischen Handlung, bei der Sprache und szenisches Spiel zusammenkommen und Musik dabei auf jeden Fall eine tragende Rolle hat.

Üblich ist in der Oper ein Einsatz bestimmter Instrumente, es gibt aber auch Ausnahmen von einer klassich gewordenen Instrumentierung. In Musicals werden oft auch andere, z. B. elektrische und elektronische Instrumente verwendet. Die Ausbildung der singenden Darsteller(innen) ist anders. Operngesang ist von einem Bemühen um einen Klang mit ziemlich fest bestimmten ästhetischen Grenzziehungen geprägt, während Musicalgesang in der Gesangstechnik nicht so enge Grenzen zieht. Im Operngesang soll die Stimem allein tragen, bei Musicals ist die Verstärkung durch Mikrophone üblich. Eine Vielseitigkeit wird in Musicals als feste Anforderung verlangt (singen, schauspielern, tanzen). Bei Opernhauptrollen ist eine hervorragende Stimme und Gesangskunst die Hauptsache.

Die Operette ist die kleine Schwester der Oper. Das Wort ist ein Diminutiv (eine Verkleinerungsform). Dies hat sich bei der Wortentstehung auf den im Vergleich zur Oper kleineren Umfang bezogen. In der heutigen Begriffsbedeutung haben Operetten einen heiteren Inhalt (wobei es sich einige Stücke mit melodramatischen Inhalten der Oper annähern). In der Operette hat Tanz im Vergleich zur Oper als Gesamtgattung eine größerer Bedeutung (auch wenn in einzelnen Opern Tanz vorkommen). Gesang und Orchesterspiel sind grundsätzlich nicht anders als bei der Oper. Bei der Frage Oper oder Operette ist eine auf der Bühne dargestellte Tötung ein eindeutiges Anzeichen für eine Oper. In der Oper Tosca von Giacomo Puccini sind alle 3 Hauptpersonen am Ende Leichen.

Das Musical ist eine aus vielen Bestandteilen gemischte Gattung, bei dem der Schauwert des Gesamtpakets große Bedeutung hat. Musicals sind (in der Regel) in 2 Akte eingeteilt, Operetten ein- bis dreiaktig, Opern können noch mehr Akte haben.

Oper

Erik Fischer, Oper. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart : allgemeine Enzyklopädie der Musik. Begründet von Friedrich Blume. 2., neubearbeitete Ausgabe. Sachteil 7: Mut - Que. Basel ; Kassel ; London ; München : Prag : Bärenreiter; Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 635 - 366

Der Begriff Oper leitet sich ab von dem italienischen Wort opera (Plural opere, „Werk“, zu lateinisch opus, Plural opera). Man benutzte im 16. und frühen 17. Jahrhundert den Begriff in diesem weiten Sinn völlig unspezifisch für verschiedene Formen von geschriebenen oder improvisierten Stücken, meist in Verbindung mit charakterisierenden Adjektiven (z. B, L`ingannata Proserpina, 1611, von Francesco Andreini, als opera rappresentativa, e scenica, das nach der Widmung sowohl gesungen als auch gesprochen vorgetragen werden kann). In diesem weiten Sinn fungiert der Begriff opera auch für Werke, die mit begleiteten Gesang eine Handlung auf der Bühne darstellen. Die ersten „Opern“ im engeren Sinn einer musikalischen Werkkategorie haben entweder keine spezifizierenden Untertitel, sind also opera im weiten, oben genannten Sinn, oder gebrauchen unterschiedliche Bezeichnungen wie favola, opera scenica, tragedia musicale, opera tragicomica, dramma musicale. Dramma per musica war der weit ins 18. Jahrhundert allgemein gültige Begriff für musikalisch-darmaturgische Werke. Opera oder Oper festigte sich (wahrscheinlich Mitte des 17. Jahrhunderts im engen Sinn für die ersten Operngattungen angewendet) als fester Terminus erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts, dabei immer auch in Anlehnung an die ursprüngliche Bedeutung gebraucht als Sammelbegriff für alle Arten musikalisch-dramatischer Gestaltung. Die Definition fester (Opern-) Gattungen war von diesem Wortgebrauch unbeeinflußt. Erst im Verlauf des 19. und in der populkären musikalischen Literatur des 20. Jahrhunderts wird Oper dann mißverständlicherweise als Gattungsbegriff benutzt.

Brockhaus-Riemann-Musiklexikon. Herausgegeben von Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht und Kurt Oehl, Band 3: L - Q. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Mainz : Schott; Zürich : Atlantis-Musikbuch-Verlag, 1995 ( Serie Musik Piper, Schott ; 8398), S. 231:

Von Oper kann gesprochen werden, wenn die Musik eigene Mittel zum Ausdruck der Rede und Gebärde in szenischem Dialog einsetzt und die dramatische Aktion verdeutlicht.

S. Kunze, Oper. In: Das neue Lexikon der Musik. Redaktionelle Bearbeitung der Neuausgabe: Ralf Noltensmeier (Text); Gabriela Rothmund-Gaul (Abbildungen). Teil: 3: Kum - Reig. Stuttgart , Weimar, Metzler, 1996, S. 502:

Oper ist der seit 1639 nachweisliche Sammelname für eine profane dramatische Handlung, die sich im Zusammenwirken von Sprache, Szene und (im Unterschied zu den verschiedenen Formen des Schauspiels mit Musikeinlagen) durch die Musik konstituiert.

Operette

Harald Haslinger, Operette III. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart : allgemeine Enzyklopädie der Musik. Begründet von Friedrich Blume. 2., neubearbeitete Ausgabe. Sachteil 7: Mut - Que. Basel ; Kassel ; London ; München : Prag : Bärenreiter; Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 708:

Rein terminologisch ist der Begriff Operette (ialienisch, englisch operetta; französisch opérette; spanisch opereta) ein Diminutiv von Opéra, *Opera oder Oper und bezeichnet urspünglich ein musikalisches Bühnenwerk von kürzerer Dauer, in dem gesungene oder instrumental vorgetragene Musiknummern mit gesprochenem Dialog- oder Monologpassagen abwechseln. Bereits im jahr 1664 erschien am Wiener Hoftheater Leopolds II. eine Operetta per nascita dell´imperatrice Eleonora, eine musikalische Geburtagsfeier also. Historisch betrachtet häuft sich das Auftreten des Begriffs ab Mitte des 18. Jahrhunderts und seine Verwendung ist stes vollkommen unscharf, meist mit den Begriffen Singspiel, Komisches Singspiel oder Komische Operette einhergehend.

Brockhaus-Riemann-Musiklexikon. Herausgegeben von Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht und Kurt Oehl, Band 3: L - Q. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Mainz : Schott; Zürich : Atlantis-Musikbuch-Verlag, 1995 ( Serie Musik Piper, Schott ; 8398), S. 236:

Operette, ein Bühnenwerk vorwiegend heiteren Charakters mit gesprochenem Dialog, Gesang und Tanz. Die Szenenfolge findet ihre Höhepunkte in den jeweils aktuellen Tänzen der Zeit, durch die die musikalische Substanz der Operette wesentlich bestimmt wird.

Musical

Gisela Schubert, Musical. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart : allgemeine Enzyklopädie der Musik. Begründet von Friedrich Blume. 2., neubearbeitete Ausgabe. Sachteil 7: Mut - Que. Basel ; Kassel ; London ; München : Prag : Bärenreiter; Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 688 – 689

Das Musical ist ein Genre der populären Musikkultur, das vornehmlich in den USA seine gültige Form gefunden hat.

Der Terminus Musical bezeichnet ein Stück dse musikalischen Unterhaltungstheaters, das gleichermaßen Schauspiel, Musik, Gesang, Tanz und Szene einbezieht. Im weiteren Sinn wird der Begriff verwendet, um diejenigen Genres zusammenzufassen, die nicht reines Sprechtheater sind. Der Rahmen dieser Subgenres umfaßt Revue, muscal comedy, musical play, Operette (sowohl die amerikanische als auch die importierte, am Broadway aufgeführte) und die sogenannte Broadway-Oper.

Nachdem sich seit den 1940-er Jahren das amerikanische musikalische Unterhaltungstheater im musical play auch seriösen Gegenständen zuwandte, war musical comedy als Bezeichnung einer Gattung, die sich gerade mit dem musical play auch nachdrücklich als solche konstituierte, zu eng, so daß sich allmählich der Terminus Musical als Gattungsname und Oberbegriff durchsetzte. Musical comedy meint seither ausschließlich musikalische Komödie.

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Brockhaus-Riemann-Musiklexikon. Herausgegeben von Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht und Kurt Oehl, Band 3: L - Q. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Mainz : Schott; Zürich : Atlantis-Musikbuch-Verlag, 1995 ( Serie Musik Piper, Schott ; 8398), S. 172 – 173:

Musical, Kurzform von englisch „musical comedy“, „musical play“, eine amerikanische Gattung des musikalischen Unterhaltungstheaters, die sich ab etwa 1900 aus der Vereinigung von Minstrelshow, Burlesque, Extravaganza, Operette, Pantomine, Ballett und Ausstattungsshow zur Eigenständigkeit entwickelte und heute ein auf Serienaufführungen gerichtetes, typisches Produkt der Theater am Broadway in New York darstellt.

Kennzeichnend für das neuere Musical ist seine Entstehung in enger Gemeinschaft von Produzent, Buchautor, Songtexter, Komponist, Arrangeur, Ausstatter, Regisseur, Choreograph und Dirigent. Das moderne Musical ist für Darsteller gedacht, die gleich gut als Schauspieler, Sänger und Tänzer sind.

R.-M. Simon/S. Simon, Musical. In: Das neue Lexikon der Musik. Redaktionelle Bearbeitung der Neuausgabe: Ralf Noltensmeier (Text); Gabriela Rothmund-Gaul (Abbildungen). Teil: 3: Kum - Reig. Stuttgart , Weimar, Metzler, 1996, S. 359 – 360:

Musical, Kurzform von angloamerikanisch „musical comedy“ bzw. „musical play“, eine genuin amerikanische Gattung des Musiktheaters im 20. Jahrhundert, die im Idealfall Musik, Handlung und Tanz zu einer übergeordneten Einheit unter Verwendung von Stilmitteln der Oper und Operette, der Revue, Burlesque und Show sowie des Varietés zusammenschließt. Der Inhalt trägt vielfach aktuell-zeitbezogene, auch zeitkritische Züge oder basiert oft auf literarischen bzw. dramatischen Vorlagen, auch ernsten Charakters.

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Die Oper hat meistens einen ernsten Inhalt. Die Musik ist dramatisch, und die Handlung endet tragisch. Das Bühnenbild eher etwas düster gehalten.

Die Operette ist geprägt von Fröhlichkeit und demonstriert heile Welt.Heitere Musik und farbenprächtiges Bühnenbild halten sich die Waage.

Das Musical legt oft weniger Wert auf ein attraktives Bühnenbild, hat sowohl ernste als auch heitere Inhalte, ist sehr oft gegenwartsbezogen und setzt auch in der Welt herrschende Probleme musikalisch um.

Bitte was? Wenn man sich nicht auskennt, sollte man nichts schreiben...

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Ich finde beide Erklärungen toll und goldrichtig erklärt, habe ebenfalls noch eine kleine Ergänzung. Operetten haben fast immer ein Happy End, mindestens eine jedoch nicht: "Das Land des Lächelns" endet traurig. ("Liebes Schwesterlein, sollst nicht traurig sein, wenn dein Herz auch zerbricht"). Die Protagonistin geht zurück in ihre Heimat, nach Wien, die Ehe mit dem Chinesen ist gescheitert. Ganz traurige Geschichte!

Ich möchte noch hinzufügen: Die Oper ist die älteste dieser Formen. Sie hat nicht unbedingt Unterhaltungswert, das soll bei den anderen beiden Formen schon so sein. Die Operette entstand im 19. Jahrhundert, das Musical im 20. Das Musical enthält moderne Arrangements und Instrumente. Sowohl in der Operette als auch im Musical gibt es kurze Wortbeiträge, in der Oper wird durchgängig gesungen. Jesus Christ Superstar (ein Werk von Lloyd-Webber und Rice) wurde früher als Rock-Oper bezeichnet, inzwischen meistens als Musical.

Lloyd Webber ist auch so ein Problem ;) Jesus Christ S. , Evita und auch das Phantom tendieren heftig in Richtung Operette, was wohl auch teilweise der englischen Traditionen geschuldet ist. Musical wird hier wohl (auch) zum Marketingbegriff.

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Kurz zusammengefasst: Operette: Oper mit gesprochenen Texten dazwischen, meist heitere Handlung

Musical: moderne Operette, moderne Instrumente, moderne Kompositionsweise.

Oper: meist durchkomponiert (Zauberflöte ist Oper, aber in Urbezeichnung "Singspiel" also mit Texten dazwischen)

allerdings zwei Arten: opera seria: ernste Oper: Madame Butterfly, Don Giovanni, Idomeneo und opera Buffa: lustige Oper: Così fan tutte, Le Nozze di Figaro, etc.

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