Netzteil hat mehr Watt als nötig ist das schlimm?

8 Antworten

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Nein, ganz im Gegenteil. Das Netzteil sollte immer ein wenig "überdimensioniert" sein, weil die Spannung nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, wenn das Netzteil an seine Leistungsgrenzen kommt, dann bekommt die Gleichspannung "Wellen" (so genannten "ripple") und das kann Deiner Hardware schaden oder zumindest zu Fehlfunktionen ("Absturz", etc.) führen.

Außerdem sind in einem Computernetzteil im Prinzip Spannungsquellen unterschiedlicher Spannung verbaut, unter anderem +3.3 V, + 5 V, +12 V, -5 V, -12 V. Oft sind auch zwei getrennt geregelte +12 V und +5 V Quellen vorhanden. Jede dieser Quellen kann nur eine bestimmte Leistung liefern. Wenn alle Quellen maximal belastet werden (damit ist nicht maximale Stromentnahme - Kurzschluss - gemeint, sondern lediglich maximale Stromentnahme, bei der die Spannung noch nicht einbricht), liefert das Netzteil seine Nennleistung (z. B. 600 W), das bedeutet aber nicht, dass eine einzelne Quelle 600 W liefern kann, solange die anderen dafür nicht belastet werden.

Es ist vielmehr so, dass die +12 V Schiene z. B. 150 W liefern kann und die +5 V Schiene 25 W (sind jetzt nur willkürliche Zahlen, aber Du verstehst was ich meine) und wenn Du dann aus der +5 V schiene 30 W ziehst, dann bricht die Spannung ein, auch wenn Du aus der +12 V Schiene, die 150 W liefern kann, nur 1 W oder garnichts ziehst.

Aus diesem Grund werden Netzteile immer recht großzügig dimensioniert. Ich betreibe hier einen Server, der vielleicht 150 - 200 W verbraucht, an einem 400 W Netzteil und mein Notebook zieht laut Messung 30 W an Leistung, hängt aber an einem 90 W Netzteil.

So siehts aus...

Du solltest aber auch erwähnen das es nicht zuviel ist, sonst tritt das von mir genannte Problem auf.

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@roadrunn3r

Ja, das stimmt natürlich. Wenn das Netzteil zu überdimensioniert ist, leidet der Wirkungsgrad. :-)

Wobei es da noch andere Faktoren gibt. Man unterscheidet zum Beispiel zwischen "Aktiv-PFC"- und "Passiv-PFC"-Netzteilen. "Passiv-PFC"-Netzteile verfügen nur über eine einzige "Schaltstufe" zwischen der Netz- und der Zielspannung, während "Aktiv-PFC"-Netzteile hierfür zwei Stufen verwenden.

Ein "Aktiv-PFC"-Netzteil erzeugt aus der Netzspannung zuerst mittels einer vorgeschalteten Schaltstufe (sog. "pre-switcher") eine relativ hohe Gleichspannung von meist 400 V. Aus dieser hohen Gleichspannung werden dann die verschiedenen Ausgangsspannungen erzeugt. Die zweite Schaltstufe kann dann sehr effizient arbeiten, da angesichts der hohen Spannung nur noch sehr wenig Strom fließen muss, um die benötigte elektrische Leistung zu übertragen und geringere Ströme sich effizienter schalten lassen, d. h. in den Transistoren wird weniger elektrische Leistung in Wärme umgewandelt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass solche Netzteile fast keine Phasenverschiebung zwischen Spannung und Strom aufweisen, das heißt verhalten sich aus Sicht des Stromnetzes fast exakt wie ohm'sche Widerstände und weisen daher fast keine "Blindleistung" (Imaginärteil der komplexen elektrischen Leistung) und Oberwellen auf. Das ist den meisten Verbrauchern zwar egal, aber die Energieversorger freuen sich, weil ihr Netz entlastet wird. ;-)

Zu guter Letzt kommen "Aktiv-PFC"-Netzteile mit den unmöglichsten Netzspannungen zurecht. So können sie Spannungen im Bereich von 100 - 250 oder gar bis 300 V nutzen und neben den üblichen 50/60 Hz Wechselspannungen auch mit 400 Hz (Bordnetz von Flugzeugen) oder gar mit Gleichspannung oder "beliebigen/exotischen Frequenzen" gespeist werden. Auch eine schwankende Netzspannung wird relativ großzügig hingenommen. Der "pre-switcher" erzeugt aus den unmöglichsten Eingangsspannungen stabile 400 V Gleichspannung, welche die zweite Schaltstufe dann effizient verarbeiten kann.

Ein "Aktiv-PFC"-Netzteil besteht sozusagen aus zwei Schaltnetzteilen, die hintereinander geschaltet sind. Der "pre-switcher" ist gewissermaßen ein Schaltnetzteil, das als Eingangsspannung die Netzspannung hat und als Ausgangsspannung eine Gleichspannung von 400 V erzeugt und die Hauptschaltstufe ist ein Schaltnetzteil, das als Eingangsspannung die 400 V Gleichspannung des "pre-switchers" annimmt und die verschiedenen Ausgangsspannungen erzeugt.

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Ist nicht schlimm. Das heißt ja nur, dass das Netzteil bis zu 600 Watt liefern kann. Wenn du ein Handynetzteil in die Steckdose steckst, explodiert es ja auch nicht, weil es nur 2W braucht, aber die Steckdose 3600W liefern kann.

Nein. Das Netzteil liefert bis zu 600 Watt das was benoetigt wird. Nutzt du weniger Leistung, dann bekommst du auch nur das. Mehr als 600 jedoch kannst du nicht bekommen. Das ist alles.

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