Mephisto=Teufel?

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Falls es dir jetzt noch hilft: Bin neulich bei meinen Recherchen zu einem anderen Roman auf die Bedeutung des Namens Mephistopheles gestoßen. Demnach kann man ihn aus dem Griechischen mit "Der das Licht nicht liebt", aus dem Hebräischen mit "Verderber, Lügner" und aus dem Lateinischen mit "der, der den Gestank liebt" (sprich: Ba'al Zebub, sprich: der Herr des Mists, sprich: der Fliegengott) übersetzen. Aus der Stelle, an der Faust Mephisto fragt, wer er denn sei ("Bei euch ihr Herrn, kann man das Wesen/ gewöhnlich aus dem Namen lesen/ Wo es sich allzu deutlich weist/ wenn man eich Fliegengott, Verderber, Lügner heißt") lässt sich schließen, dass Goethe mindestens zwei Bedeutungen bekannt waren. Der Name "Fliegengott" verweist auf den Beelzebub, der im Volksmund Synonym mit dem Teufel ist; in der christlichen Dämönologie aber als der zweithöchste Höllenfürst nach Satan gilt. Ergo: Mephisto ist , ausgehend vom Namen und den von Sophronia und mir zitierten Versen, eher EIN Teufel als DER Teufel.

Ja und Nein. Es kommt darauf an, was du unter dem Wort Satan verstehen kannst. Das Wort Satan – ist nicht der Satan. Nur ein Gedankenkonzept, welches im Laufe der Zeitgeschichte entstanden ist. Im Grunde ist es eine sprachliche Verzerrung, welche Goethe zu einer Person in seinem Werk erkoren hat, damit der Leser sich die eigene Vorstellung von diesem Wort bewußt machen kann.

Der tiefere Sinn hinter dieser Darstellung liegt außerhalb des Denkens. Fast scheint es einer göttlichen Komödie zu gleichen, wenn sich die Rollen im Drama zu verschieben beginnen. Die Handlung selbst ist sekundär. Sie dient nur zur Garnierung der menschlichen Vorstellungskraft, welche der Autor an bestimmten Punkten vorsichtig herausfordert.

Eine Reflektion mit sich selbst beginnt, als sich der Protagonist die Frage stellt, mit wem rede ich da eigentlich, wenn ich ein Selbstgespräch führe? Sigmund Freud nannte es zu Beginn seiner Forschungsarbeiten einen Monolog mit sich selbst. Doch die Schriftsteller waren hier schon ein paar Schritte voraus, und so beschrieben sie diese Stimme im Kopf als eine Art Person.

Kafka ging sogar so weit, daß er dieser Stimme in sich daß Schreiben überlies, und so erfuhren wir, wie diese Scheinpersönlichkeit im Kopf die Realität beurteilt und auch ständig versucht, die Wahrnehmung zu kontrollieren und somit zu verändern. Diese Stimme im Kopf bekam im Laufe der Zeiten alle möglichen Bezeichnungen und Namen.

Hermann Hesse lies in seinem Werk – SIDDHARTHA – den Protagonisten erkennen, daß diese Stimme im Kopf nicht er selbst war. Siddhartha erkannte das Echo des ewigen Bewußtseins in sich selbst, und so war es ihm möglich, sich von diesem selbstgeschaffenen Ich zu trennen. Von nun an war er nicht mehr mit diesem Denker in sich identifiziert.

Mephisto ist clever und raffiniert in seinem Gebaren. Er behauptet ganz nebenbei und unterschwellig, daß Er und DU das Gleiche seien. Mephisto spielt mit Wahrscheinlichkeiten, welche er Faust als Geschenk zu machen gedenkt, wenn dieser einem Tausch zustimmen wird. Es geht um die Aufgabe des wahren Ichs, zugunsten einer Spekulation seitens Mephistos.

Das Wort Teufel wird somit mit dieser Stimme im Kopf gleichgesetzt, welche ständig behauptet – ICH bin DU. Heute nennt man das eine Identifikation mit dem Denker. Aus dieser Identifikation entstand auch einmal das Wort – Sünde. Es weißt darauf hin, daß der Mensch sein Ziel verfehlt hatte. In allen Religionen geht es letztendlich darum, dieses Ziel nicht zu verfehlen.

Mephisto mußte also darauf achten, daß Faust weiterhin nicht aufwachen würde, denn sonst hätte er die Absichten erkannt, die hinter all diesen Darbietungen steckten, in welche ihn Mephisto von Mal zu Mal mehr einweihte. Mephisto – als die Stimme im Kopf – verfügt über kein eigenes Bewußtsein, und genau daß muß er vor Faust verbergen.

Mephisto führt Faust auf den Weg der Sünde, um sein Gewissen zu destabilisieren. Doch es dämmert Faust, als er sich eine Sünde vorzustellen begann. Faust spürte die Knechtschaft, die hinter jeder Handlung verborgen lag, falls er eine Sünde begehen sollte.

„Wer Sünde tut – ist der Sünde Knecht.“

Wobei Sünde auch mit Unbewußtheit gleichgesetzt wird. Und so wird der Mensch zum Knecht der Unbewußtheit, da er glaubt, er würde denken. Gleichzeitig wird Mephisto zum Egozentrischen Bewußtsein erklärt, welches nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, und sich um einen feuchten Staub kümmert, was das Erkennen seiner selbst durch Faust betrifft.

Du kommst auf diese Welt, und du kennst keinen Teufel. Das Wort Teufel ist nur ein ton im Ohr. Doch auf deine Fragen bekommst du auch Antworten, und so entsteht ein Teufelsbild in deiner Vorstellung. Deine Eltern wußten es von ihren Eltern, und diese von der Generation davor. Und so erneuert sich laufend die Vergangenheit, da seit Jahrhunderten dieses Teufelsbild laufend erneuert wird.

Der sogenannte Wissende – Mephisto – gaukelt dem sogenannten Unwissenden – Faust – seine Wahrnehmung vor und behauptet, daß wäre die reale Welt. In gewissem Sinne macht ja der Teufel nichts anderes. Und wenn du nun wissen willst, wer letztendlich dieser Teufel sein könnte, dann mußt du nur die Abendnachrichten im TV anschauen. Dort siehst du die Manifestationen der Unbewußtheit.

Herzliche Grüße

Mephisto stellt sich selber so vor: "Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft". Also ist er EIN Teufel, nicht DER Teufel, denn er sagt ja, er ist nur ein Teil dieser Kraft und nicht die teuflische Kraft als Ganzes.

Ja, eigentlich schon. Also bei "die sims 3" heißt er Mephisto und kommt immer, wenn ein Sim stirbt :D Also denke ich mal, dass das im Buch nicht anders ist :DD

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