Kann mir einer eine kurze Zusammenfassung was man in einem DB-Stellwerk alles zutun hat? (Vorgang!)

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4 Antworten

Das kommt darauf an ob man in einem normalen Stellwerk Stellwerksbediensteter ist oder in einem Befehlsstellwerk Fahrdienstleiter ist. Der Fahrdienstleiter ist für die sichere und pünktliche Durchführung von Zugfahrten und alle damit zusammenhängenden Aufgaben verantwortlich (Fahrdienst). Er hat seinen Arbeitsplatz im Stellwerk, in einer Fernsteuerzentrale oder in einer Betriebszentrale eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens. Ein Fahrdienstleiter, der die Einrichtungen im Fahrweg beim Rangieren bedient, ist in dieser Funktion auch Weichenwärter.

Der Fahrdienstleiter disponiert den Zugverkehr in Abstimmung mit den Disponenten, die in Deutschland von einer Betriebszentrale aus mehrere Eisenbahnstrecken überwachen. Soll eine Zugfahrt stattfinden, prüft der Fahrdienstleiter den Fahrweg des Zuges auf das Freisein von Fahrzeugen und sonstigen Fahrthindernissen (Fahrwegprüfung), stellt, sichert und legt ihn fest. Anschließend gibt er dem Triebfahrzeugführer die Zustimmung zur Fahrt in einen Gleisabschnitt des Bahnhofs und/oder einen solchen der freien Strecke durch das auf "Fahrt" Stellen eines Hauptsignals, durch Ersatzsignale, durch schriftlichen Befehl oder mündlich (beim Signal Zs 12).Der Weichenwärter stellt nicht nur Weichen und andere bewegliche Einrichtungen im Schienenfahrweg, sondern auch Signale. Die Hauptsignale kann er jedoch infolge technischer Abhängigkeiten zwischen den Stellwerken durch den Bahnhofsblock nur im Einzelauftrag des Fahrdienstleiters bedienen. Bei modernisierten Anlagen ist die Signalbedienung auch beim Fahrdienstleiter zentralisiert. Außerdem ist ihm, je nach technischer Ausstattung und Funktion des Stellwerks - die Bedienung des Streckenblocks übertragen. Besteht Erlaubniswechsel, dann ist die Erlaubnisabgabe ebenfalls auftragsabhängig. Auch die Ersatzsignale sind nur im Auftrag des zuständigen Fahrdienstleiters stellbar.

Der Weichenwärter darf Rangierfahrten in den Nebengleisen des Bahnhofs nach eigenem Ermessen durchführen; Rangierfahrten auf Hauptgleisen darf er nur zulassen, wenn er zuvor den Fahrdienstleiter informiert hat.

Danke für den Stern

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Nun ja, an Stelle der Ril. 301 (die heißt schon länger nicht mehr D oder DS und beschreibt die möglichen Signalbilder) würde ich lieber die Ril. 482 (Züge fahren und Rangieren) lesen. Nur ist die außerhalb der DB irgendwie schwer zu beschaffen. Einfacher ist das Lesen der Bedienungsanleitungen zu Stellwerkssimulatoren wie Lindaunis etc.

In einem ESTW (Elektronischem Stelwerk) greift der Fahrdienstleiter nur noch in Ausnahmefällen und beim Rangieren ein. Die Sicherheitsverantwortung im Regelbetrieb liegt beim Computer und nicht beim Fahrdienstleiter. Ein Zuglenkrechner steuert den Zugbetrieb (nicht den Rangierbetrieb) automatisch. Nur bei Störungen, nicht vorher geplanten Zugfahrten und Rangierfahrten übernimmt wieder der Fahrdienstleiter, zumindest für diesen Teil. Daher werden solche ESTW in Betriebszentralen zusammengefasst, wo ein Fahrdienstleiter sich dann um ein größeres Gebiet als bei älteren Stellwerken kümmern kann.

Das Arbeitsgebiet ist auch durch die Technik beschränkt: Mechanische Stellwerke lassen sich nur bis etwa 4 km in beide Richtungen bedienen, dann ist die für die Drahtzüge (und deren Eigengewicht!) benötigte Kraft zu hoch. Relaisstellwerke haben etwa 8 km Stellentfernung, dann wird der elektr. Widerstand zu hoch, um Fehler aufzudecken. Elektronische Stellwerke haben abhängig von der Technik unterschiedliche Stellentfernungen (Thales: ???, Siemens: ISDN oder DSL, Bombardier: DSL oder LWL), beim Bombardier ESTW B950 z.B. ohne Repeater bis zu 90 km.

Fahrdienstleiter haben im wesentlichen einen ruhigen Job, aber wenn Störungen auftreten, müssen sie unter Zeitdruck schnell Entscheidungen fällen und umsetzen, ohne den Zugverkehr, für den dann z.B. das ausgefallener Stellwerksteil keine Sicherheitsverantwortung mehr hat, sicher durchzuführen. Dieser Zeitdruck entsteht vor allem durch eine Vielzahl einzuhaltender Regeln und Formalismen, die einen gesicherten Zugverkehr auch ohne Stellwerk/Stellwerksteile sicher stellen sollen. Kein Job für Adrenalinjunkies, aber auch nicht für Leute, die leicht zu überfordern sind.

Das Jahresgehalt liegt laut JobLeads.de angeblich über 50.000 Euro. Natürlich wird normalerweise (außer auf sehr kleinen Strecken, die Nachts in einen einfachen Durchfahrtbetrieb geschaltet werden) im 3-Schicht-Betrieb gearbeitet.

Soviel zum Fahrdienstleiter, Wikipedia hast Du sicher auch gelesen. In einem Stellwerk der DB gibt es aber weitere Aufgaben. Da ist z.B. noch der Instandhalter, denn natürlich geht all die Technik gelegentlich auch mal kaputt.Je nach Stellwerkstechnik sind das halbe Computerspezialisten (wenn die Kiste nicht läuft, wird sie ausgetauscht, daher ist kein Super-Spezialist notwendig) oder Relaistechniker oder in einem mechanischen Stw. "Feinmechaniker" mit einem 24er-Maulschlüssel.

Dann gibt es noch, zumindest in den Betriebszentralen, die Disponenten, die den Betrieb planen. Und die Notfallmanager, die sich um die Beseitigung von Problemen (inkl. "Personenschäden") kümmern. Und natürlich gibt es in Betriebszentralen eine ganze Menge Verwaltung. Und geplant, beim Bau überwacht, bei Neubauten geprüft etc. wollen Stellwerke auch werden, auch dafür gibt es Spezialisten, die aber natürlich nicht einem Stellwerk, sondern einem Bezirk zugeordnet sind.

Geh auf ein Stellwerk, lies die Arbeitsplatzbeschreibung. Auch die D 301 etc. gibt Auskunft.

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