Ist ein "Normaler" rostender Stahl für ein Messer geeignet?

6 Antworten

Im Allgemeinen sind rostende Stähle besser schärfbar.

Daher sind auch japanische Fischmesser aus rostendem Stahl und zählen zu den schärfsten Klingen.

Hier ein Beispiel: Tojiro Aogami Deba 165mm (F-976) - ScharfesJapan.de

PS: Aber sie brauchen natürlich mehr Pflege bzw. sollten oft benutzt werden und nicht einfach irgendwo herum liegen, wo sie dann zu rosten anfangen.

Danke dir!👍

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@TexasCowboy1865

Es gibt ja verschiedene Automatenstähle. Den von dir genannten 1.0718 würde ich schon allein nicht nutzen, da er Blei (Pb) enthält. Automatenstahl – Wikipedia Und Blei ist nicht so gesund und so ein Messer nutzt man vielleicht doch mal um einen Apfel oder so zu schneiden.

Auch solltest du dir bewusst sein, dass diese Stähle so niedrig legiert sind, dass man sie nur Einsatzhärten kann. Das heißt, dass man sie erst einmal Aufkohlen muss (da sie zu wenig Kohlenstoff besitzen). Du würdest also das Teil nicht durchhärten können, sondern nur Oberflächenhärten.

Nehmen wir z.B. einmal den 1.0721. 20160125032223-m_0736_11SMn37 (2).pdf

Dieser erreicht gerade einmal Härten in der Größenordnung von Goldlegierungen. Das ist teilweise immerhin das doppelte von einer Silber-Legierung. Und jetzt kommen wir wieder zurück zu deiner Frage. Kann man daraus ein Messer machen? Ja, es gibt sogar Messer aus Silber-Legierungen.

Macht es viel Sinn? Eher nein, denn als Brotmesser wäre ein Nichtrostender Stahl doch praktischer. Und als scharfes funktionales Messer fehlt den Automatenstählen einfach die nötige Härts (nicht nur an der Randschicht). Die Schneide könnte bei höheren Belastungen (Auftreffen auf einen Knochen oder Krete) lokal plastisch verformt werden und das wäre für ein Messer ein no-go.

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Nein, aus Automatenstählen macht man keine Messer, da sie nicht härtbar sind. Sie werden eingesetzt, wie der Name schon sagt, um an Drehautomaten, millionen von Serienteilen herzustellen, die aber nur gering belastbar sind. Automatenstähle haben "Legierungsbestandteile", sprich Schwefel, Phosphor und anderen Müll, den man in Qualitätsstählen und Werkzeugstählen nicht haben will. Das wird nur gemacht, weil die Späne bei der Bearbeitung problemlos wegfliegen, als Bröckelspäne, die nicht mehr stören.

Messer macht man sehr wohl aus Kohlenstoffstählen, die nicht rostfrei sind. Sie sind meist feinkörniger und haben gleichmäßigere Kristallite, was auch eine bessere Schneidhaltigkeit und Schärfe bringt. Die Krone dieser Technik ist der Damaszener Stahl, der in bis zu 400 Lagen aus zwei verschiedenen Stählen verschmiedet wird. Kannst im Netz vieles finden darüber. Die sind hart, zäh und elastisch.

Rostfreie Messer sind auch nicht schlecht, bleiben aber in der reinen Materialqualität hinter guten Werkzeugstählen zurück. Haben halt den Vorteil, das sie nicht rosten.

Wäre zum Beispiel ein 1.0718er Automatenstahl geeignet?

Keinesfalls, denn der lässt sich quasi nicht härten aufgrund des zu geringen Kohlenstoffgehalts

Ist ein "Normaler" rostender Stahl für ein Messer geeignet?

Aber ja doch. Automatenstahl lässt sich gut Härten und bleibt doch genügend elastisch, um nicht zu brechen. Damit lässt er sich auch sehr scharf schleifen und hat eine gute Schnitthaltigkeit.

Früher gab es für Klingen nur rostenden Stahl. Auch besonders gute Schwerter waren typischerweise aus rostendem und teils aufnitriertem Kohlenstoffstahl gefertigt. Auch Sensen und Sicheln sind typischerweise rostend, aber dafür gut schärfbar und lange schnitthaltig.

Aber kann man normalen Stahl verwenden, denn da bildet sich ja ziemlich schnell Flugrost?

Solche Klingen muss man halt gut pflegen und bei längerer Lagerzeit oder feuchter Umgebung dünn mit Öl behandeln. Für Lebensmittelmesser kann man Olivenöl nehmen oder für Jagdmesser und ähnliches den Klassiker Ballistol.

Kohlenstoffstahl gefertigt

Bedenke, dass Automatenstähle eben keine Kohlenstoffstähle sind und daher nicht einfach härtbar sind. Hier geht nur Einsatzhärten und kein einfaches Vergüten. Sicher du hast es nicht eventuell mit einer anderen Stahlsorte verwechselt?

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@tommgrinn
Sicher du hast es nicht eventuell mit einer anderen Stahlsorte verwechselt?

Nein, nicht sicher.

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Um zunächst Deine Statement zurechtzurücken:

Automatenstahl wird nicht eingesetzt, weil man bei der Bearbeitung eine saubere Oberfläche erzielen will !!

In einem Automatenstahl wird so ziemlich alles an "Dreck" eingeschmolzen, was man den Qualitäts- und Edelstählen nicht antun will / sollte.
Hohe Phosphor und Schwefelanteile (Anteile mit Faktor 10, auch gerne noch mit Blei "zulegiert") sollen bei der spanenden Bearbeitung in Automaten den Span schnell brechen, um keine Wickelspäne zu produzieren.

http://stahl-seltmann.de/page/datasheet/0715-18.pdf

Eine dünne Messerklinge aus Automatenstahl wirst Du wahrscheinlich von Hand durchbrechen können!!

Automatenstähle haben einen Kohlenstoffanteil von unter 0,14% (das ist maximal!!, d.h., er liegt häufig um die 0,1% C).

Mit diesem geringen Kohlenstoffanteil kann man kaum die Härte steigern, der Stahl hat nichts in der Buchse.

So ein "Dreck" für Messer einsetzen zu wollen ist so ziemlich die aller letzte Idee.

Jeder C35, C45 (rostet, was ist normal?) ist wesentlich geeigneter!

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