Ist das Denken abhängig von der Sprache?

5 Antworten

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Versuch doch mal, einen Gedanken zu denken, der mit Sprache nichts zu tun hat. Es wird dir kaum gelingen; sogar dann nicht, wenn du das Gefühl hast, dass dein Gedanke unsprachlich ist. Er ist auf jeden Fall begrifflich und durch die Sprache geprägt. Anders herum gedacht, könnte man auch mal versuchen zu sprechen ohne zu denken. Es gibt Leute, bei denen das geht, aber sind eher kranke Ausnahmen. In der Regel geht das Denken dem Sprechen nicht voraus, sondern das Sprechen vollzieht das Denken.

Ja, das klingt logisch! Danke ;)

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@Meyo08

Dein letzter Satz stimmt nicht. Wir können nichts zum Ausdruck bringen, wenn es nicht vorher schon im Kopf da gewesen ist oder? Schließlich sitzt dein Gehirn da oben und von dort kommt deine Sprache. Vielleicht hat min nicht immer vor jedem Satz einen kognitiven Gedanken, aber ein Bild dazu im mindesten, bis hin zu Zellbildern.

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@Meyo08

Aber man kann doch in Bildern denken, und diese dann mit der Sprache wiedergeben. Dann ist das Denken doch nicht von der Sprache abhängig. Die Sprache ist begrenzt, aber das Denken ist unbegrenzt. Darum können wir auch nicht alle Gedanken wiedergeben. Wenn uns etwas auf der Zunge liegt, wir es aber nicht beschreiben können, dann hat es wohl auch weniger damit zutun, dass die Sprache das Denken beeinflusst, oder?

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@Toffelpunkt

Beruhigend, dass du nur meinen letzten Satz monierst. Der stammt nämlich nicht von mir, sondern von dem Philosophen Maurice Merleau-Ponty. Mir erscheint er aber dennoch logischer als die Annahme, dass etwas dem Sprechen vorausgeht. Denn, wenn das der Fall ist, dann bleibt das Sprechen ja nur noch ein gedankenloser bloßer Akt oder ein solcher, der selber gedacht werden muss. Dann würde man beim Sprechen mindestens zweimal denken müssen. Viel Spaß ... ich bleib beim Einmal-Denken ... zumindest bilde ich mir lieber ein, es nur einmal zu tun :o)

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@Meyo08

Damit stützt du genau das was ich sage und widerlegst die "beste Antwort";)

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@justschroeder

Oh Gott ich würde niemals etwas gegen einen Philosophen sagen! (das ist nicht beleidigend gemeint..) Zumal ich selbst Philosophie studiere. Vielleicht machst du dir besser deine eigenen Gedanken;) Ich moniere eigentlich alles von dem was du geschrieben hast, aber ich hatte meine Meinung ja vorher schon dargestellt. Du meinst nichts geht dem sprechen voraus? Wie soll das gehen? Prozesse im Gehirn sind (wenn sie klein sind) nur Aktionspotenziale, (wenn sie komplexer sind, dann können es Gedanken sein) Meinst du du sprichst, ohne dass etwas in deinem Gehirn vor sich geht?

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@Toffelpunkt

Also Toffelpunkt, was wär denn deine konkrete Meinung dazu? Ich schreib gleich eine Klausur zu diesem Thema, und da du Philo studierst, ist mir deine Antwort wichtig :)

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@Toffelpunkt

Du studierst Philosophie und würdest niemals etwas gegen einen Philosophen sagen??? (kopfschüttel) Und wenn du Philosophie studierst, gestatte mir noch eine Frage: Warum redest du dann ständig vom Gehirn? In dem Augenblick, in dem du es benutzt, nimmst du doch genau den Gedanken wahr, der du gerade bist, oder? Hüte dich vor diesen biologistischen Reduktionisten, die meinen, dass unser Gehirn alles und wir nix machen!!! ;o)

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@Meyo08

So, wie du die Bilder in deinem Kopf entstehen lässt, sind sie aber nicht unbedingt. Sie werden ja von einem Individuum gedacht, dass bereits im Medium der Sprache großgeworden ist und selbst Bilder und andere Vorstellungen nicht mehr durch die Sprache unbeeinflusst, also unbegrifflich hervorbringen kann. Viel Erfolg bei der Klausur. Zur Not kannst du dich ja auf ein Sowohl-als-auch verlegen, indem du die gegenseitige Bedingheit von Sprechen und Denken darlegst. Du schaffst das schon (schulterklopf) ...

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@justschroeder

ja ja ja :-P Die Frage fällt für mich eben eher unter Psychologie und Neurobiologie.

Meyo08 ich schreibe jetzt unter meine erste Antwort meine konkrete Meinung dazu, der Übersicht halber.

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@Toffelpunkt

@Toffelpunkt_Auch Philosophen können irren. (siehe René Descartes) Unnötige Demut vor den großen alten Meistern ist unangebracht. Denke, kombiniere, füge Bekanntes neu zusammen. Deine Gedanken stehen gleichberechtigt neben allen anderen.

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@justschroeder

Ich muss natürlich einräumen, dass unser Gedankengut immer von Sprache beeinflusst ist! Aber abhängig sind Gedanken davon nicht in diesem Sinne. Sprache als Kommunikationsmittel beeinflusst unsere Gedanken selbstverständlich, aber sie ist kein wichtiger Baustein für die Entstehung eines Gedankens wenn er nicht allzu kognitiv ist. Wie ich unten schrieb, Babys haben auch Gedanken (Bilder, Empfindungen, Kognition[später]) und dennoch liegt ihnen nicht immer Sprache zu Grunde.

Ich finde diese Diskussion sehr anregend und danke für die Stellungnahmen!

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@eExistenz

Bitte mich nicht falsch zu verstehen, eExistenz, mein Ausspruch war Ironie. In Anknüpfung an das Veto, das mein Vorgänger durch Nennung eines Philosophen eingebracht hat.


Ohne Wertung, nur Beschreibung.

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Wir denken in verschiedenen Ebenen. Je höher die Ebene, desto mehr hat es mit der Sprache zu tun, je tiefer die Ebene, desto mehr hat es mit Empfindungen und Bildern zu tun.

Fragen kann man ja immer aus ganz verschiedenen Disziplinen heraus beantworten. Hier geht es wohl eher um Neurobiologie, Evolution und Psychologie. (Und Philosophie mischt sich ja sowieso überall ein)

Was ist (neurobiologisch gesehen) die Fähigkeit zu sprechen? Evolutionär betrachtet haben Menschenaffen irgendwann einen (bis heute nicht ganz erklärlichen) Entwicklungsschritt bezüglich des Gehirns durchlaufen. Wir sind, abgesehen von Delphinen, die einzige Rasse, die das hatte und bei denen sich der Cortex aufgebaut hat. Das ist ergo die jüngste Zone in unserem Gehirn, übrigens ganz oben/vorne. Und diese Region befähigt uns zum sprechen, zur Empathie, zum Planen und so weiter.

(Übrigens würde ich noch dazu sagen dass das Gehirn tatsächlich sogut wie ALLES macht (es führt nur nicht aus), aber gleichzeitig ist es ein bisschen falsch das zu behaupten, denn genau betrachtet SIND wir unser Gehirn - nur wir kriegen nur das Bewusste mit). Niemand behauptet, liebe/r justschroeder, dass wir (im Gegensatz zu unserem Hirn nichts machen), die Behauptung ist, dass wir das Gehirn sind. )

Was sind Gedanken (neurobiologisch)? Alle Prozesse im Gehirn sind erstmal nur elektrische Wechselwirkungen, also Aktionspotentiale (dazu kommen dann noch WIE Synapsen miteinander verknüpft sind und welche Neurotransmitter benutzt werden und wie und ect.) Aber Gedanken sind im Grunde nichts anderes als die Kombination mehrerer Aktionspotenziale.

Und jetzt kommen wir auf die Antwort deiner Frage:

Es kommt darauf an, wo sich diese Aktionspotentiale (nämliche unsere Gedanken) abspielen. Und so meinte ich diese "Ebenen" auch vollkommen bildlich. Weiter unten sind Gedanken nur Empfindungen, Eindrücke und Emotionen, aber je höher (heißt in Richtung Cortex!) das Denken angelegt ist, desto mehr hat es mit Sprache zu tun. (Übrigens: desto mehr ist es uns auch bewusst).

Das heißt nicht, dass wir nicht-sprachliche Gedanken nicht sprachlich beschreiben können, damit machen wir uns uns selbst bewusst!, aber ihrer Entstehung muss keine Sprache zu Grunde liegen.

In der Philosophie könnte man vielleicht darauf verweisen, dass Babys anfangs nur Empfindungen besitzen und dennoch nicht über Sprache verfügen. Dann irgendwann sind schon kognitivere Gedanken, das heißt Gedanken, die eher im Cortex statt finden. Und interessant und wichtig dabei ist natürlich auch, dass der Cortex sich erst im Laufe der ersten Lebenszeit ausbildet, Die Sprache für das Kind überhaupt er zugänglich macht.

Man sollte sich unbedingt die Definition von Denken einig sein. Die meisten Menschen sehen in Gedanken nur das, was sie bewusst mitbekommen und ihnen fällt es grade dann schwer zu erkennen, dass Empfindungen und Bilder auch dazu gehören. Und vor allem, dass man neben kognitiven Gedanken auch parallel Empfindungen hat! LG, ich hoffe das ist verständlich

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@Toffelpunkt

Danke für deine ausführliche Antwort. Verständlich ist es! Jetzt muss ich es nur noch mit eigenen Worten in der Klausur wiedergeben und dann läuft alles wie geschmiert (hoffe ich mal). Danke nochmal!!!

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Das Denken ist abhängig vom sozio-kulturellen Hintergrund

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