HILFE meine mutter ist ein messi, was soll ich tun?!?!

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7 Antworten

Hallo Du,

ich verstehe dich leider nur zu gut, meine Mutter hat das gleiche Problem :( Ich bin nun schon etwas älter als du und daher schon aus dem Haushalt meiner Mutter ausgezogen. Dennoch, ich fühle genau wie du! Richtig "ausgebrochen" ist die Krankheit bei ihr erst, als ich meinen eigenen Haushalt hatte und sie ganz alleine in ihrer Wohnung war. Ich muss dazu sagen, dass ich sehr früh, bereits mit 16, ausgezogen bin. Das war möglich, weil wir ein eigenes Haus haben und eine Wohnung frei geworden ist. Also: Ich habe immer noch im Gleichen Haus gelebt! Ich liebe meine Mutter aber wir hatten schon immer Spannungen und viel Streit. Auch wegen ihrer Haushaltsführung gab es immer wieder Stress, weil ich mich mit zunehmendem Alter auch zunehmend geschämt habe. Genau wie du habe auch ich nur noch sorgfältig ausgewählte Freunde zu mir eingeladen, von denen ich wusste, sie machen sich nicht über mich lustig und sie erzählen es nicht weiter. Zu dieser Zeit kann man unsere Wohnung noch nicht als "Messi-Wohnung" bezeichnen aber sie war immer stärker mit den täglichen Arbeiten überfordert und mehr und mehr blieb etwas liegen. Im Vergleich mit anderen Familien wurde mir klar: Wir sind anders... EGAL was ich gemacht habe, es hat nicht geholfen. Habe ich ihr gesagt, dass es bei anderen sauberer ist, wurde sie wütend, hat gesagt, andere Mütter sind Hausfrauen und haben Männer, die das Geld verdienen (meine Eltern sind getrennt) und sie muss Haushalt machen und arbeiten gehen. Für mich war das kein Argument sondern eine Ausrede. Immer wieder habe ich angepackt und nach der Schule die Wohnung aufgeräumt, kam sie dann heim wurde sie wieder wütend, weil ich "ihre Sachen durcheinander gebracht hätte" und "sie jetzt wichtige Dokumente nicht mehr finden würde" usw usw usw... Wieder muss ich anmerken, damals war Sauberkeit (z. B. Küche) noch nicht die Riesen-Baustelle, sie hat "bloß" Unmengen Papier, Zeitungen, ausgerissene Artikel aus Zeitschriften und solche Dinge gehortet, bis sich vor dem Sofa Berge an Papier gestapelt hatten. Die Tür zum Schlafzimmer war grundsätzlich verschlossen, sie hat seit Jahrzehnten nicht mehr darin sondern nur noch auf dem Sofa geschlafen... Ist ja auch schwer im Bett zu schlafen, wenn man sich den Weg dorthin erst einmal freischaufeln müsste :( Nun, nach meinem Auszug konnte man zusehen, wie das Chaos wuchs. Nicht nur die Wohnung, auch unser ehemals wunderschöner Garten ist vollgestellt mit Krempel, den kein Mensch braucht. Scham ist gar kein Ausdruck mehr. Unsere Nachbarn haben auch mich verspottet, auch wenn ich -klassische Überkompensation- mein Reich penibel sauber gehalten habe. Mittlerweile ist ihre Wohnung ein einziges Schlachtfeld. Aus dem Badezimmer riecht es schlecht, der Herd ist fast nicht mehr zu erkennen, Berge von schmutzigem Geschirr, Papierberge überall, die Böden seit Jahren weder gesaugt noch gewischt (2011 hatte sie das letzte Mal einen Weihnachtsbaum, die Nadeln der Tanne liegen heute noch da). Hinzu kommt, dass in ihrer Wohnung dringend Reparaturen vorgenommen werden müssten aber da könnte sie keinen Handwerker reinlassen, das weiß sie auch und lebt unter immer widriger werdenden Umständen. Inzwischen habe ich die Umgebung verlassen (ich bin Student) und habe dieses Thema von mir weggeschoben. Ganz verdrängen kann ich es nicht, das Thema Sauberkeit und Messi kommt immer wieder auf. Wenn andere darüber reden und ich höre, wie angeekelt sie sind und wie bösartig sie über Betroffene urteilen, zieht sich mein Magen zusammen und bete, dass niemals jemand herausfindet, wo ich herkomme...

Jetzt mein Rat an dich: Du siehst, ich weiß, wovon du redest. Ich weiß genau, wie man sich schämt und wie viel Wut sich anstaut. Du und dein Bruder, ihr liebt eure Mutter. Aber ihr habt jedes Recht, auch Wut und Hass zu empfinden. Vergiss nicht: Ihr seid die Kinder, eure Mutter muss dafür Sorge tragen, dass ihr euch zu Hause wohlfühlt. Keine Frage, Kinder sollen natürlich auch im Haushalt mitarbeiten. Aber unter solchen Umständen ist das gar nicht möglich, das weiß ich selbst. Und hier gehts nicht darum, eurer Mama eins auszuwischen, wenn ihr euch Hilfe sucht, sondern es geht um eure Gesundheit. Ihr könnt nicht unbefangen aufwachsen und euch entwickeln, wenn ihr immer im Hinterkopf das Chaos daheim und die kranke Mama habt. Ihr werdet euch sozial isolieren und euch immer weiter ducken, um bloß keine Aufmerksamkeit zu erregen. Dass sie wütend wird und dich angreift, wenn du das Thema ansprichst, ist normal bei Betroffenen. Nimm darauf keine Rücksicht, sucht euch Hilfe z. B. beim Jugendamt. Es gibt auch andere Beratungsstellen. Wenn sich eure Mutter therapieren lässt, gibt es Hoffnung. Aber realistisch betrachtet dauert auch das Jahre. Und erfahrungsgemäß wollen Messis keine Hilfe, entweder sie erkennen es nicht als Problem (so wie es bei deiner Mama scheinbar der Fall ist) oder sie schämen sich zu sehr (wie meine Mutter). Bitte, lass dir nicht dein Leben nehmen!!!

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Glammary 29.06.2014, 21:46

Hey :) dankeschön für deine antwort :-) die hat mich echt aufgemuntert :) Es ist schön zu hören, dass man nicht die einzige ist, die so ein Problem hat!

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Als allererstes solltet ihr als Familie euch mal zusammensetzen und überlegen ob ihr die Situation gemeinsam tragen könnt.... oder aber Hilfe von außerhalb braucht als Familie. Beispielsweise über eine Art Familientherapie.

Ihr hängt alle mit drin, es bringt nix die ganze Situation nur einer Person in die Schuhe zu schieben.

Ja, das Messisyndrom ist so gesehen eine Krankheit, kann durch ein psychisches Ungleichgewicht entstehen. Möglicherweise ist in der Vergangenheit irgendetwas vorgefallen das deine Mutter nu so ist wie sie ist. Wirklich herausfinden und Behandlungsansätze finden kann da nur ein Experte.

Statt das alle Familienmitglieder auf der Mutter herumhacken, wäre es sinnvoller wenn ihr gemeinsam mit anpackt. Deine Mom fühlt sich überfordert mit der Ordnung und dem Geschirrabwasch? Dann sollte jeder von euch auf seinen eigenen Kram acht geben - und auch jeder von sich aus etwas erledigen das grad erledigt werden will ( "Oh, der Mülleimer ist voll, ich geh mal eben", "Die Klorolle ist alle, wenn ich sie grade auswechsel kann ich die leere Papprolle direkt wegeschmeißen",...). Dadurch entlastet ihr die Situation enorm.

Es kann doch nicht zuviel verlangt sein wenn man ab einem gewissen Alter schaut das das eigene Zimmer aufgeräumt wird, das man sich selbst darum kümmert das die Schmutzwäsche zur Waschmaschine kommt (oder am besten direkt gewaschen wird), das man selbst auch mal etwas aufräumt oder säubert. Selbst wenn man 8 Stunden pro Tag aus dem Hause ist hat man die Möglichkeit den einen oder anderen Handgriff zu erledigen während man daheim ist.

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Latissimus 26.06.2014, 11:50

Ich finde, du stellst dir das alles ein wenig zu leicht vor. Das hat doch nichts mit in-die-Schuhe-schieben-zu-tun, man ist dem Treiben eines Betroffenen irgendwo auch hilflos ausgeliefert. Wie ich in meiner Antwort ausführlich beschrieben habe, ist meine Mutter auch daran erkrankt. Und ich habe versucht zu helfen, glaub mir. Aber wenn ich angefangen habe, den Papierkrieg auf der Ablage und auf dem Tisch und dem Boden, wegzuräumen, ist sie ausgeflippt, weil ich es "durcheinander gebracht" habe. Natürlich habe ich das Zeug nicht fein säuberlich sortiert, für mich ist das Müll. Sie hat aus Zeitschriften Rezepte rausgerissen aber anstatt vielleicht einen Ordner dafür anzulegen und zu sammeln, hat sie es irgendwo abgelegt. Wo soll das hinführen? Und dann der Klassiker: Man kann das ja irgendwann noch gebrauchen... Habe ich abgespült wurde sie auch wütend, weil sie es als Vorwurf und Provokation empfunden hat. Das hat nichts mehr mit gutem Wille zu tun, die Erkrankten haben ein Brett vor dem Kopf, die sind krank! Es ist doch nicht bloß die Sauberkeit, auch ihre Mutter sammelt sinnlosen Kram. Wie kann man da mit anpacken? Wegwerfen? Was meinst du, wie begeistert die Mama dann ist oder wie lange es dauert, bis sie neuen Kram angehäuft hat. Und bitte, sie ist 16!!! Da geht man zur Schule und konzentriert sich auf seine Zukunft, auf Freunde und Freizeit. Sein Zimmer selbst in Ordnung halten oder beim Abwasch helfen, Wäsche in den Wäschekorb schmeißen und einfach den eigenen Dreck beseitigen, ja klar. Aber die Kinder müssen doch nicht den Job einer Mutter erledigen, wie auf ein Kleinkind auf die Mutter aufpassen und nebenher noch ihren eigenen Kram machen?!? Das führt ganz bestimmt zu einer gesunden Entwicklung, haha. Mit 16 darf man ja wohl noch die Privilegien einer Tochter genießen und wer so krass die Vorstellung verliert, dass man sich auf seine Eltern verlassen kann und keinerlei Halt daheim bekommt, der riskiert selbst krank zu werden. Vielleicht denkst du darüber mal nach und versuchst dich in die Kinder von solchen Menschen hineinzuversetzen.

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Das Jugendamt wäre grundsätzlich ein guter Gedanke. Die können zumindestens einiges in die Wege leite. Vielleicht so gar Therapie-mäßig.

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Auch wenn der Thread schon älter ist: aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, ich glaube nicht dass das Jugendamt die Lösung hat. Meine Mutter ist auch ein Messie, was das bedeutet habe ich erst im nachhinein einschätzen gelernt. In meiner Jugend war es normal für mich die "Mutter meiner Mutter" zu sein und den Haushalt soweit in Ordnung zu halten. Mein Vater hat sich durch Scheidung rechtzeitig aus dem Staub gemacht. Es war nur fast nicht möglich Freunde nach hause einzuladen, weil mir das peinlich war und meine Mutter stets Einwände dagegen hatte. Gut zugeredet hat mir mein Vater mit dem Hinweis: Mach dein Abitur und sei selbständig, dann kommst du da raus. Beinahe hat das auch geklappt, aber nach gut 25 Jahren, in denen meine Mutter weit weg von jeder Therapie ist (sie hatte mal eine begonnen, fand dann aber, dass die Therapeutin sie nicht verstehe und brach sie ab) ist die Bilanz: ein früh verstorbener Lebensgefährte, der dem Druck und dem Stress alleine nicht mehr standhalten konnte, haufenweise zerrüttete Kontakte zu gutwilligen Menschen, die irgendwann aufgegeben haben und für mich: in den letzten Jahren etliche Kontakte zur Polizei, die wegen der Geruchsbelästigung immer wieder von Nachbarn alarmiert wurden. Meine Mutter ist nun fast 80 Jahre alt, nach ca. 3 Jahren Bemühungen haben wir es endlich geschafft, sie zur Übersiedlung in ein betreutes Wohnen zu bewegen, erst jetzt haben wir  Zugang zur Wohnung, sie hat uns Jahrelang nicht hereingelassen. Der Anblick der Wohnung ist unbeschreiblich, es ist mir ein Rätsel wie man in so einem knietiefen Dreck überhaupt am Leben bleiben kann. Trotzdem ist sie nach psychiatrischer Begutachtung nicht "entmündigt" worden, sie hat auch keinen Betreuer zugewiesen bekommen und jeder der sie kennen lernt, käme nicht auf diesen Hintergrund. Nur Ihren Dreck selber abräumen lassen kann sie nicht, das bleibt wieder mir überlassen, sie würde die Wohnung einfach sich selbst überlassen und hat sich auch nicht mehr um Post, Rechnungen etc. gekümmert. Darum kann ich nur den Rat geben, rechtzeitig eine Rechtsberatung zu suchen und für deine Zukunft zu planen. Wenn möglich solltest du überlegen, ob du, wenn du dein eigenes Leben führen willst, deiner Familie keine Informationen über deinen Aufenthaltsort gibst, du entkommst ihrem Messie-Chaos sonst nicht. Messies vermüllen nicht nur ihr Leben, sondern auch das aller anderen Personen, zu denen sie in Kontakt stehen. Behörden helfen da gar nicht weiter, weil es zur freien Entscheidung eines jeden gehört als Messie zu leben oder nicht.

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hallo, du hast da ein großes problem, das du leider nicht alleine lösen kannst. deine mutter braucht unbedingt eine therapie. aber dazu muss sie von sich aus bereit sein. vielleicht sollte dein papa sich einmal an eine stelle wendet, die für so etwas spezialisiert ist. dort gibt es geschulte leute, die euch helfen können.

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Es gibt da ein Buch:

Die fünf Sprachen der Liebe für Singles.

Im Abschnitt 11 'Von Mitbewohnern, Kommilitonen und Kollegen' ist beschrieben, wie ein Student seinen Mitbewohner dazu bringen konnte, aufzuräumen und Ordnung zu halten.

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Wende dich an das Jugendamt, die können dir helfen!

Aber in erster Linie solltet ihr euch an die eigene Nase fassen und mit anpacken im Haushalt. Deine Mutter ist keine Putze und auch kein Hausmädchen für alles!

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