Hat die Jugend von heute kein Allgemeinwissen?

19 Antworten

viele finden die oben genannten Orte ziemlich schnell.

Warum schreibst du dann "Jugend", wenn du selbst bemerkt hast, dass es nur einige sind? Deine Frage sollte wohl eher "Haben manche Jugendliche kein Allgemeinwissen?" lauten, und darauf wäre die Antwort natürlich Ja. Manche Jugendliche haben kein Allgemeinwissen, genauso wie manche Erwachsene. 

Es gibt einfach Menschen, die haben kein Allgemeinwissen, ganz egal, wie viel Schulbildung sie erfahren haben. Ich kenne mehrere Leute, die einst Abi oder einen vergleichbaren Abschluss gemacht haben, aber keinen Plan von Geschichte, Geographie oder Politik haben. Natürlich gibt es solche Beispiele auch bereits unter Jugendlichen, daran kann man wohl auch kaum was ändern. Es wird immer Menschen geben, an denen die Welt quasi vorbeizieht.  

Andererseits: Wer bestimmt denn, was Allgemeinwissen ist? Du sagst z.B.: 

Und man muss nicht wissen, wo Sanaa oder Nikosia liegt, aber so was Allgemeines und Wichtiges.

Wie kommst du z.B. darauf zu sagen, dass die geographische Lage von Sanaa oder Nikosia nicht "allgemein" oder "wichtig" ist? "Allgemeinwissen" ist ein extrem schwammiger Begriff, der sich auch von Region zu Region, von Land zu Land und von Generation zu Generation unterscheidet. 

Gerade letzteres halte ich für sehr entscheidend: Heute ist es einfach nicht mehr so wichtig, einzelne Fakten auswendig zu lernen, weil man ohnehin alles in wenigen Sekunden im Internet nachschlagen kann. Ich persönlich finde es viel wichtiger, dass Leute wissen, wie sie an eine Info kommen, anstatt die Info selbst zu lernen (im Idealfall natürlich beides, aber manche Menschen haben darauf keine Lust).  

Denkt ihr, die meisten Jugendlichen haben kein Allgemeinwissen?

Nein. 

Meiner Meinung nach kann man nicht sagen, dass Jugendliche heute kein oder weniger Allgemeinwissen als früher haben. Jede Generation lernt etwas anders, und teilweise lernt man auf verschiedenen Schulen unterschiedliche Inhalte (wenn z.B. bestimmte Fächer nicht oder nur wenige Jahre unterrichtet wurden (Schulen mit bestimmten Schwerpunkten, Lehrermangel etc.) oder weil ein Lehrer, der ein Fach mehrere Jahre unterrichtet hat, eigene Schwerpunkte setzte und andere Inhalte weg lies.

Viele Ältere haben z.B. ein deutlich besseres Wissen in Geografie und Literatur, weil das damals noch anders gelehrt wurde. Dagegen sind Jüngere besser in Fremdsprachen - jedenfalls ausschließlich auf das Schulwissen darüber bezogen - und Informatik sowie Präsentationen (das wurde teilweise früher gar nicht gelehrt).

"Klassisches" Wissen mag abnehmen, stattdessen lernen wir anders, neueres Wissen und statt Fakten zu pauken analysieren wir diese eher. Je älter man ist, desto mehr Gesichtsdaten weiß man auswendig, je jünger man ist, desto intensiver hat man sich mit Folgen und Zusammenhängen von geschichtlichen Ereignissen auseinander gesetzt.

Typisches Beispiel: Musikgeschichte wird oft nur noch in Schwerpunktfächern vermittelt. Ältere haben noch viel mehr Musik- und Kunstgeschichte in der Schule gelernt, dafür aber weniger Fremdsprachen, Naturwissenschaften eher als Aneinanderreihung von Fakten, und selten etwas über moderne Kommunikationsmedien oder dem Umgang mit dem Computer. 

Heutige Jugendliche sind auch viel mehr Informationen am Tag ausgesetzt - Filme, Internetsurfing, Mails etc. - und müssen sich am Tag viel mehr merken als Schüler vor 20, 40 oder 60 Jahren. Die früheren Schüler hatten also viel mehr Kapazitäten und weniger Ablenkungen, um sich die Schulinhalte zu merken.

Ein Punkt, der gerne übersehen wird: Viele versagen unter Nervosität, besonders, wenn sie Angst haben, sich lächerlich zu machen. Das kann in einem Vorstellungsgespräch, vor der Klasse an der Karte, oder allg. dann, wenn man befürchtet, der Gesprächspartner könne einen für ungebildet oder gar dumm halten, passieren. Statt nachzudenken beschäftigt man sich nur mit seiner Angst. So kommt man natürlich nicht auf die richtige Antwort.

Bsp.: Ich habe im TV so eine Sendung über Ausbilder gesehen, in der die Frage gestellt wurde, "Wie viel sind denn 15%?" - Stille. "Von 100?" - Natürlich ist die erste Frage Quatsch und der Prüfling wurde dadurch nur verunsichert.

Zuletzt: Wenn man ehrlich ist, weiß man vieles auch nur ungefähr und wenn man anderen zuhört/ zusieht, hat man Zeit und Gelassenheit, die Antwort zu überlegen und über die anderen zu urteilen, die sich neben dem Nachdenken über die richtige Antwort noch mit Ängsten plagen müssen wie "lachen gleich alle über mich? Ich *muss* das *jetzt* beantworten! Wie finde ich denn jetzt die richtige Antwort, ich habe keine Zeit mehr, alle warten schon?!" etc. Ist wie mit dem Anschauen von "Wer wird Millionär?" - zu Hause findet man die Antworten meist schneller als im Studio.

Ein letzter Punkt:

Wie googlen heute routinemäßig. 

Früher hat nicht jeder im Lexikon nachgeschlagen. 

Wir schlagen also mehr nach, merken uns davon einiges und lernen automatisch immer mehr dazu. So gesehen müssten wir alle mehr wissen als die Menschen 1990 oder 1960, die damals so alt waren wie wir heute. 

Ich würde nicht sagen, dass das nur heute so ist ---------> früher gab es das auch schon & bei meiner Realschulzeit vor rund 15 Jahren gab es auch die tollsten "Fehlmeldungen" dieser Art, nicht nur geographisch sondern auch geschichtlich. Da wurde nicht nur Erich Honecker mit Erich Mielke verwechselt, sondern auch das Saarland mal eben als Bundesland einfach "vergessen" ----------> das waren jetzt nur die "Stilblüten", also die Sachen, die mir spontan einfielen weil ich sie "lustig" fand ;)

Allerdings würde ich bezogen auf Jugendliche "die Kirche im Dorf lassen" --------> die meisten lernen es noch: In der Regel erarbeitet man sich Allgemeinbildung nicht über die Schule, da man sich dort auch kaum auf allgemeinbildende Inhalte geschichtlicher, politischer, geographischer, naturwissenschaftlicher, technischer oder juristisch/rechtlicher Art konzentriert, sondern in den meisten Fächern eher "Spezialwissen" aufbereitet, das in am Real-Life vorbeigeplanten Lehrplänen eben drin steckt.

Allgemeinbildung in dem Sinn erwirbt man sich über die Teilnahme am alltäglichen Leben, an Verständnis von Nachrichtenmeldungen & das Interesse an Weltpolitik/Weltgeschichte oder aber, wenn man viel Sinnvolles liest.. mir haben die frühe Lektüre von Nachrichtenmagazinen wie Focus, Stern & Spiegel ca. ab 13 Jahren (mein Opa, bei dem ich aufwuchs hatte Lesezirkel), die Erziehung durch meinen Opa mit Fokus auf hohe Allgemeinbildung & auch mein daraus resultierendes Interessen an Geschichte, Politik, Erdkunde & Fakten sehr geholfen, genauso Kreuzworträtsel & Denksportaufgaben. Daraus kann man sich viel erschließen ---------> in der Schule haben mir eigentlich nur Fächer wie Geschichte, Gemeinschaftskunde, Religion oder die Theorie in Musik (Komponisten-Lehre u.a.) wirklich geholfen.

Relativ "ungebildete" Leute gab und gibt es m.E. übrigens genauso wie es schon immer Menschen gab, die "gebildet" waren/sind! Neulich hatte ich z.B. mit einer 45-jährigen Frau zu tun, die mir ein Manuskript mit unzähligen Rechtschreibfehlern und Fehlinformationen unterschiedlicher Art vorlegte. Es ging um ein absolut banales, eig. selbstverständliches Thema..

Gegenfrage: Wann im Leben kannst du wirklich davon profitieren zu wissen wo sich welche Stadt befindet? Ich möchte die teilweise von mir beobachtete Lernfaulheit einiger Schüler nicht verteidigen, aber ich sehe vieles was früher als Allgemeinwissen gegolten hat nicht mehr gerechtfertigt wissenswert an. Wir leben in einem Zeitalter in der solches wissen nur wenige Klicks entfernt jederzeit abrufbar ist. Das Wissen darum wie ich es abrufe, und vor allem wie ich die Digitale Wissensflut Filtere um relevante Daten zu extrahieren... DAS ist für mich viel Wertvoller. Ich bin der Meinung das, was als Allgemeinbildung gilt unterliegt Zeitbedingter Veränderung. 

Es gibt aber durchaus Situationen in denen Entscheidungen in aller Kürze getroffen werden müssen. Da bringt es wenig, wenn derjenige sich bewusst ist, dass er die Antwort im Internet finden kann.

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@Messkreisfehler

Du hast selbstverständlich Recht, aber das ändert für mich nichts an meiner Kernaussage: Wenn ich gelernt habe eine Suchmaschine sinnvoll und mit erweiterten Funktionen zu bedienen kann ich jegliches Wissen das in kein Fachgebiet fällt innerhalb weniger Sekunden nachschlagen. Das dauert oft weniger lange als die Zeit die ein Mensch der es eigentlich wüsste zum Nachdenken benötigt. Mir will einfach keine Situation einfallen, in der ich zwingend eine Information im selben Moment benötigte, in dem die Frage danach aufkommt. Versteh mich nicht falsch, ich finde auch, dass ein gewisser Wissensschatz zum Leben dazugehört, und dass es peinlich ist, wenn man Google bemühen muss um herauszufinden wer Merkel ist, ich habe es nur oft erlebt, dass sich Leute darüber aufregen dass man die Hauptstadt von einem unbedeutenden Staat nicht kennt, die im Gegenzug Google für einen hessischen Slangausdruck für Hahn halten.

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Mit dem Allgemeinwissen ist es bei Vielen nicht weit her; das sieht man ja alleine an Fragen auf dieser Seite – Satzbaukonstruktionen, Grammatik, ja sogar die Verständlichkeit der Fragen an sich sind mitunter das reinste Ratespiel!

Auf dem Radiosender HR3 werden manchmal Reporter auf die Straße geschickt, um unwillkürlich ausgewählte Personen eine im Prinzip einfache Frage beantworten zu lassen (vielleicht kennt das ja jemand) – die Antworten, welche dabei gegeben werden, lassen mich zweifeln, ob diese Personen überhaupt ein Wissen haben.

So angenehm wie das Internet manchmal auch sein kann, trägt es hierzu leider einen großen Teil bei; kaum jemand setzt sich heute noch hin und „büffelt“ oder schlägt in Büchern nach – nein, die Frage wird eingegoogelt und die Antwort abgeschrieben.

Zu meiner Schulzeit war es untersagt, Taschenrechner mit in den Unterricht, geschweige denn zu Prüfungen mitzubringen; das hat den Vorteil, dass ich auch dann noch rechnen kann, wenn das Internet oder gar die Stromversorgung ausfallen.

Ich befürchte, dass das Allgemeinwissen genauso nachlassen wird als das Grundwissen.

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