Gefängnisse nach dem norwegischen Vorbild in Deutschland?

10 Antworten

Die Frage ist immer: soll Gefängnis in erster Linie Strafe (Rache) oder Erziehung, Besserung, sein?

Ich finde das System gut. Man sieht hier auf den ersten Blick nur die "Luxusinsel". In der Beschreibung steht aber auch, dass dort hart gearbeitet wird, und zunächst einige Jahre im "normalen" Knast verbracht werden, den es offenbar außerdem gibt. Außerdem darf nur dort bleiben, wer sich an die Regeln hält. Andernfalls geht es zurück in den "normalen" Knast.

Das Maß der Dinge ist die Rückfallquote. Und wenn diese sagt, dass das System funtioniert, bin ich dafür. Auch wenn manchem nicht gefällt, dass Verbrecher "so toll" leben dürfen. Das eigentliche Ziel sollte doch sein, dass weniger Verbrechen begangen werden. Und das scheint auf diese Weise besser erreicht zu werden als mit Härte und Unnachgiebigkeit.

Ich würde das System noch um eine Komponente erweitern. Der Häftling sollte eine direkte Wiedergutmachung an das Opfer leisten müssen. Ein Teil seines erarbeiteten Lohnes sollte direkt an das Opfer fließen. Dazu muß der Häftling natürlich immer die Möglichkeit haben, zu arbeiten. Seine Anstrengung bei dieser Arbeit könnte einen Einfluß darauf haben, wie der weitere Verlauf seiner Strafe aussieht, zu Beispiel, ob er auf solch einer Gefängnisfarm leben darf oder nicht.


AriadneOliver52 
Beitragsersteller
 30.12.2021, 12:15

Ja, das sehe ich auch so. Es werden weniger andere Menschen Opfer von Verbrechen, was sich unmöglich in Geld ausdrücken lässt

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Schwieriges Thema.

Die Frage dabei ist ja irgendwo die folgende: Was ist das Hauptziel eines Gefängnisaufenthalts? Bestrafung oder (Re-)Sozialisierung? Wollen wir es den Menschen so unangenehm wie möglich machen oder wollen wir, dass sie ihre Handlungen überdenken und sich in die Gesellschaft integrieren?

Im Übrigen: Ein Gefängnis ist immer scheiße. Selbst wenn es noch so nobel ist. Wer zehn Jahre lang in einem 5-Sterne-Hotel festsitzt und sich an anderer Leute Regeln halten muss, hat da auch keine Lust mehr drauf. Das ist weder Urlaub noch Erholung.

Ohne deine (ohnehin nicht aufgeführten) Quellen zu überprüfen, erscheint mir die norwegische Variante zumindest sinniger als die hiesig angewandte. Man sieht es an den (von mir nicht überprüften) Fakten: Rückfallquote, Kosten etc.

Ich für meinen Teil wäre aber evtl. ein Verfechter eines radikaleren Weges und würde das Konzept "Gefängnis" insgesamt kritisch hinterfragen. Evtl. ist es sogar nur dann sinnvoll, wenn es dem Schutze der Allgemeinheit dient. Bspw. bei einem Serienmörder, Vergewaltiger usw.


DoctorInge  29.12.2021, 19:12

Ich würde unterscheiden, bei welchen Menschen man resozialisieren müsste und welche einfach nur eine satte Strafe verdient hätten.

Vergewaltiger müssten meiner Meinung nach einfach nur bestraft werden, um die muss man sich nicht kümmern.

Diebe aber sollte man versuchen zu resozialisieren, da sollte man versuchen, das Grundproblem herauszufinden. ZB

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Noone3141592  29.12.2021, 19:18
@DoctorInge

Ein Thema über das sich durchaus streiten ließe.

Gerade bei den "harten" Delikten, bei denen anderen Menschen geschadet wird, eben - wie du ansprichst - Vergewaltigung etc. gibt es ohne jeden Zweifel Diskussionsbedarf.

Ich stimme dir zu, dass Menschen, die solche Straftaten begehen, eine Strafe verdient haben, die dem Vergehen angemessen ist. Insbesondere bei diesen Taten ist es auch denkbar, dass eine Wiederholung stattfindet, insofern ist eine Gefängnisstrafe durchaus denkbar.

Was für ein Glück, dass ich kein Politiker bin :D

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DoctorInge  29.12.2021, 19:23
@Noone3141592

Ich denke mir manchmal, ich wäre gerne eine große Politikerin.

Dann fällt mir aber immer wieder ein, dass ich nicht nach Wien ins Bundesministerium für Irreres ziehen möchte. 😂

Also wird wohl nichts draus.

Zurück zum Thema:

Ja, bei Vergewaltigung sollte eine der Tat angemessene Strafe her. 3 Jährchen oder Bewährung, das ist mE auf keinen Fall angemessen!

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AriadneOliver52 
Beitragsersteller
 29.12.2021, 19:23

Die Strafe ist, egal in welchem Gefängnis du dich aufhälst, die Freiheitsberaubung. Auch in solch "luxuriösen" Gefängnissen bist du deiner familie geraubt. das ist doch die eigentliche Strafe, oder nicht?

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Ich fände das super.


AriadneOliver52 
Beitragsersteller
 29.12.2021, 18:55

Dort deine Haft abzusitzen oder das in Deutschland einzuführen? XD

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Das ist auf jeden Fall eine interessante, für uns völlig ungewöhnliche Strategie.

Ich denke ja, dass Menschen aus Perspektivlosigkeit kriminell werden. Du sitzt in der Vorstadt einer amerikanischen Großstadt, alle deine Freunde sind in einer Gang, in der Schule läufts nicht, die Polizei hat dich schonmal verprügelt und du findest keinen Job, da lieber Weiße angestellt werden.

Jetzt eröffnet Dir ein Kumpel die Möglichkeit, mit Drogen zu handeln. Da verdienst du tausende Dollar im Monat, kannst dir alles leisten, was du willst, bist ein gemachter Mann.

Du hast eine vermeintliche Perspektive. Dass die ganze Sache nicht lange gut geht, sagt Dir natürlich niemand.

Eines Tages wirst du eingebuchtet, man hat dich mit Crack erwischt. Im Gefängnis geht es noch viel brutaler zu als auf den Straßen. Du musst wortwörtlich um dein Überleben kämpfen. Das Gefängnis macht dich noch roher, noch brutaler als du ohnehin schon bist.

Nach drei Jahren kommst du raus. Was machst du jetzt? Du gehst zurück in dein altes Umfeld - du hast ja auch keine Alternative. Und es geht von vorne los, bis du bei einer Schießerei mit einer rivalisierenden Gang mit 27 ins Gras beißt.

Wäre das Gefängnis ein ruhiger Ort, in dem du Zeit hättest, über deine Zukunft nachzudenken, in dem du vor allem einen alternativen Weg aufgezeigt bekommen würdest - dann würdest du schon sehr stark überlegen, ob du wieder Drogen dealst und wie dein Bruder stirbst oder einen vernünftigen Beruf erlernst, deine Familie stolz machst und selbst eine Familie gründest.

Also: ich finde, der norwegische Weg ist ziemlich genial. Allerdings muss man ihn sich auch leisten können, kurzfristig verursacht er sehr hohe Kosten. Außerdem muss auch die Gesellschaft „reif“ für so einen Weg sein.

In den USA würdest du sowas niemals durchbekommen. Ich finde ja, man sollte für alle möglichen politischen Forderungen Modellstädte machen - hier mit strenger Polizei und Strafvollzug, dort etwas lascher und man schaut, was abgeht.


ElektrikKlaus  29.12.2021, 19:18

Völliger Quatsch.

Vom Tellerwäscher zum Millionär.

Nach drei Monaten wird festgestellt, oh klappt in rl nicht

Kling jetzt doof, aber aus eigener Erfahrung: harter Knast, zwangsumsiedelung und Kontaktverbot

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AriadneOliver52 
Beitragsersteller
 29.12.2021, 19:21

Am 23.Juli 1965 traf sich im Zentrum von Washington DC ein Komitee bestehend aus 19 Spitzenkriminologen. Sie waren von keinem geringerem als Lyndon B. Johnson zusammengerufen worden. Ihr Auftrag für die kommenden 2 Jahre: die Entwicklung einer radikalen neuen Perspektive für das amerikanische Rechtssystem. Die Kommission war der Meinung, dass es Zeit für eibe umfassende Reform sei. Weg mit den Gitterstäben, den Zellen und den langen Gängen. "Was die Architektur betrifft, sollte die Modelleinrichtung ein möglichst wohnliches Setting haben, die Zimmer sollen Türen statt Gitterstäben haben. Die Häftlinge sollen an kleinen Tischen in einer informellen Atmosphäre essen. Es sollte Klassenräume geben, Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sowie vielleicht einen Laden und Bibliothek.", so die Experten.

Im Nachhinein schockiert es, wie schnell eun anderer Wind zu wehen begann. Die Kehrtwende begann mit Philip Zimbardo, ein Psychologe, der nie ein Gefängniss von innen gesehen hat und behauptete, sie seien inhärt bösartige Orte. Wie immer man sie auch einrichte. Die Schlussfolgerung wurde zustimmend aufgenommen und gewann an Popularität, als ein Jahr später der Martinson Report erschien. "Abgessehen von einigen Ausnahmefällen haben die Versuche der Resozialisierung bisher keinerlei Effekt gehabt" schrieb er im Artikel "What works?". Zunächst konnten die Medien gar nicht genug von diesem chartimatischen Soziologen bekommen, wähhrend seine Co-Autoren sich die Haare rauften (In Wirklichkeit waren die Ergebnisse in 48% dre untersuchten Studien nämlich positiv. Resolzialisierung kann durchaus funktionieren) Die fehlerhafte Zusammenfassung des Martinson Report ebnete den Weg für die Hardliner. Seht ihr, sagten Politiker aus der konservativen Ecke, manche Menschen sind nun einmal verdorben. Die ganze Idee der Resozialisierung widerspreche der menschlichen Natur. Missetäter sollte man am besten einfach wegsperren und dann den Schlüssel wegwerfen. So brach eine neue Ära des streng-strenger-am strengsten an. Die amerikanischen Experimente zur neuen Generation der Gefängnisse wurden abgebrochen. Und es war dann auch keien Nachricht mehr wert, als der 52 jährige Zimbardo aus dem 15.Stocks seines Apartments in Manhatten sprang...

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AriadneOliver52 
Beitragsersteller
 29.12.2021, 19:29
@AriadneOliver52

Ironischer Weise wirderrief Martinson, sry, der der aus dem Zimmer sprang war Martinson, der der auch den Artikel geschrieben hat, ich hab das leider übersehen, seine Schlussfolgerung. Abder da hörte ihm keiner mehr zu. Er schrieb noch einen Aufsatz in dem er seinen Fehler zu gab. Ein Kollege meinte seufzend: "Das ist der wahrscheinlich am wenigsten gelesene Aufsatz in der strafrechtlichen Debatte zur Resozialisierung"

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Hey,

Die Hauptsache und die Mission eines Gefängnis sollte die Wiedereingliederung ins Leben sein.

So etwas hilft dabei natürlich, auch wenn es so heftig nun auch nicht sein sollte, weil das schon sehr viel kostet, aber das könnte sich der Deutsche Staat theoretisch leisten.

Desweiteren sollte man dafür sorgen, daß nach der Entlassung ein relativ passabler Einstieg ins Berufsleben garantiert werden kann, weil wer kein Job findet wird meist rückfällig.

Also ja, in abgemindeter Form könnte so etwas gut sein.

LG, CHROLOL

Woher ich das weiß:Hobby – Ich interessiere mich seit Jahren für Politik