Gab es in den Schulen von der DDR, damals Strafen, wie in die Ecke stellen und wie wurde gegen Hating/Mobbing vorgegangen?

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8 Antworten

Es gab ne Betragensnote. Wegen der man auch sitzenbleiben konnte, wenn sie zu schlecht war. ;)

Aber ansonsten gab es noch sowas wie Erziehung in den Elternhäusern.

Die oftmals negativ dargestellte Schuldisziplin hat auch ihren Zweck erfüllt.

Und der Unterricht war interessant genug, so daß man sich weniger um die anderen in der Klasse kümmerte.

Als Mitglied der Pionierorganisation kam es ohnehin nicht in frage, ein anderes Mitglied zu mobben. Minuspunkte für die ganze Gruppe wegen schlechtem Benehmen kann auch wunderbar disziplinieren. ;)

Zumindest hat man sich mit solchen Sachen zurückgehalten, solange man auf dem Schulgelände war.

Und auf dem Heimweg hatte man meist anderes im Kopf als irgendwelchen Dummfug dieser Art.

warehouse14

Tele5 29.05.2017, 17:24

Sehr gute Antwort:-)))

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thecheeky 29.05.2017, 19:23

Es gab ne Betragensnote. Wegen der man auch sitzenbleiben konnte, wenn sie zu schlecht war. ;

Das ist natürlich Unsinn. Ein solches Betragen, was Sitzenbleiben rechtfertigt, gab es nicht, denn Mobbing und andere von heute bekannten Vorkommnisse unter Schülern waren nicht an der Tagesordnung.

Wenn natürlich schlechtes Betragen mit schlechten Leistungen verbunden war, dann konnte man sitzen bleiben, aber schlechtes Betragen allein, was häufig auch bei leistungsstarken Schülern zu beobachten ist, war kein Grund, dass man nicht versetzt wurde.

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warehouse14 29.05.2017, 20:11
@thecheeky

Und was bedeutet es wohl, wenn es 'ne Betragensnote gibt, die sich auf den Jahresnotenschnitt auswirkt?

Kann man mit nur einer einzelnen schlechten Note irgendwo sitzenbleiben? Bleibt ein Schüler sitzen, wenn er überall außer in einem einzigen Fach 1er hat? Kann man wegen einer einzigen verhunzten Schulaufgabe sitzenbleiben?

Sitzenbleiben ist ein Begriff, der grundsätzlich mit dem allgemeinen Notendurchschnitt am Jahresende zu tun hat. 

Und da es nur eine Betragensnote gibt kann die nicht für generellen Durchschnitt reichen. Obwohl die Jahresnote in dem Bereich ja auch ein Durchschnittsergebnis ist.

Es wäre also klug, wenn man einfach mal verstehen würde, was genau ich sage, bevor man meckert.

Heutzutage gibt es keine Note fürs Benehmen mehr. Also kann man erst recht nicht wegen schlechten Benehmens sitzen bleiben.

Wohin das führt sehen wir ja. Schüler, die Lehrern auf der Nase rumtanzen. Und dann versetzt werden, damit der Lehrer den Mobber los wird.

-.-

warehouse14

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thecheeky 29.05.2017, 20:43
@warehouse14

Die Betragensnote setzte sich zusammen aus:
Betragen, Fleiß, Mitarbeit.

Bei je einer 5 in diesen drei Rubriken ist wohl nicht schwer zu erkennen, dass es es auch mit den Leistungen in den einzelnen Fächern schlecht bestellt war.

Dieser Zusammenhang war natürlich Grund für das Sitzenbleiben, aber:

Um diese Voraussetzungen zu erfüllen, musste man als Schüler
schwer erziehbar und psychisch nicht ganz auf der Höhe sein.

Um solche Schüler wurde sich besonders gekümmert, indem man sich mit dem Eltern kurzschloss und versuchte, die Gründe für solch ein Verhalten zu ermitteln. Fallen gelassen und der Schule verwiesen wurde niemand. Das sahen die pädagogischen Richtlinien für den Lehrerberuf nicht vor.
"Schulverweise" oder besser "Schulwechsel gab es nur, wenn die Empfehlung für den Besuch einer Sonderschule gerechtfertigt schien, was in Zusammenarbeit der Schule mit dem Elternhaus und einem eventuellen psychologischen Gutachten festgelegt wurde.
Also war der allgemeine Durchschnitt am Jahresende unter Einbeziehung der Betragensnoten nur dann Grund für das NIchtversetzen, wenn die anderen Leistungen so schlecht waren, dass das Betragen ohnehin eine geringe Rolle oder gar keine gespielt hätte.

Das sage ich als jemand, der das aus seinem Berufsleben!!! in der DDR weiß.

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warehouse14 29.05.2017, 21:41
@thecheeky

Ok. Ich sehe, daß Du scheinbar nicht verstehen willst, was ich gesagt habe. 

Also ist das Thema für mich hier beendet.

Letztendlich sagen wir ja beide dasselbe, nur eben mit anderen Worten. o.O

Wenn also ich Unsinn rede, dann Du wohl auch. ;P

warehouse14

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Wyatt 30.05.2017, 02:14
@thecheeky

@thecheeky, Als Betragensnote gab es auch noch "Ordnung"

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warehouse14 30.05.2017, 21:31

Danke fürs Sternchen! :)

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Es gab vor allem einen viel engeren Kontakt zwischen Lehrer und Eltern, als es heute der Fall ist. Neben den obligatorischen Elternabenden führten Klassenlehrer nämlich regelmäßig Hausbesuche durch. Die Eltern waren also immer im Bilde, was ihr Nachwuchs so verzapfte und wo es Probleme gab.

Als Strafen gab es zu meiner Zeit neben schlechten Betragenszensuren (Kopfnoten) Tadel, Verweis und Nachsitzen. Diese Strafe ergingen bei uns aber ausgesprochen selten. Eine schlechte Zensur an sich war schon peinlich genug. Schulversager waren bei den Schülern verpönt. Niemand hielt einen Deppen für einen Helden. Und wer den Unterricht störte, durfte sein Wissen an der Tafel unter Beweis stellen. Da war eigentlich auch niemand scharf drauf, sich vor der Klasse zum Horst zu machen.

Ansonsten war die Disziplin natürlich auch vom Lehrer abhängig. Es gab auch einige wenige Lehrer, die überfordert waren, die Klasse in den Griff zu kriegen.

Eckestehen habe ich in der Schule nicht erlebt.

Die Prügelstrafe wurde in der DDR 1949 - also von Anfang an - abgeschafft. In Bayern dann auch 1980.

Mobbing unter Schülern gab es in meiner Klasse jede Menge. Von Seiten der Lehrerschaft wurde dagegen unternommen: nichts.

Damals haben Eltern und Lehrer in bestimmten Dingen (so im Verhalten) noch an einem Strang gezogen. Bei Fehlverhalten ging eine Mitteilung an die Eltern heraus, die dann unterschrieben werden musste. Tadel wurden vor der gesamten Schülerschaft beim Appell ausgesprochen. Das war schon peinlich genug.

An regelrechtes Mobbing kann ich mich nicht erinnern, aber geärgert haben wir uns gegenseitig schon. Das führte aber durchaus zum Anpfiff seitens der Lehrer. In den Pausen mussten die älteren Schüler die Lehrer bei der Aufsicht unterstützen (was nicht immer einfach war, da die jüngeren Schüler einen nicht richtig ernst nahmen). Dadurch passierte jedoch nicht allzu viel. Rennen war bei uns auf dem Schulhof untersagt, die Aufsicht ermahnte die Schüler sofort.

Nachsitzen kam auch vor, aber selten. Heute laufen ja die Eltern in so einem Fall gleich aufs Gericht, damals wäre niemand auf diese Idee gekommen.

Und dann gab es die Verhaltensnoten: Betragen, Fleiß, Ordnung, Mitarbeit, wie hier schon erwähnt. Auch hier wollte man nicht gar so schlecht abschneiden. Vor allem nicht in der 9. Klasse, da man sich mit diesem Zeugnis um eine Lehrstelle bewerben musste. Allerdings: In einem gewissen Alter legten wir keinen Wert mehr darauf, in Betragen eine "1" zu erhalten, das stand für zu viel Bravheit.

Sitzenbleiben gab es auch (ab der 3. Klasse in meiner Klasse allerdings nicht mehr, da ich dann eine Eliteklasse mit erweitertem Russischunterricht besuchte), aber das war nicht unbedingt von Nachteil. Manche Schüler verstanden den Lehrstoff bei Wiederholung dann besser. Mein Klassenkamerad, mit dem ich zusammen eingeschult worden war, musste z. B. die zweite Klasse wiederholen (aber da war ich eh schon an einer anderen Schule). Ihm fiel das Lernen schwer, dafür war er handwerklich sehr begabt.

In den 1970ern und 80ern gab es folgende offizielle (Schul-)Strafen:

  • Eintragung in das Hausaufgabenheft (dann gab es nur Zoff zu Hause)
  • Tadel (ebenfalls als Eintragung im Hausaufgabenheft, war aber ein klarer Warnschuß vor einem Verweis)
  • Verweis (höchste Strafe, wurde von der Schulleitung ausgesprochen, in der Regel vor der Schule auf einem Fahnenappell, bei der alle Klassen und Lehrer angetreten waren)
  • Nachsitzen (bei leichten Sachen wie Störung des Unterrichts)

So erhielt ich z.B. in der 8. Klasse mal einen Tadel, weil ich ein mit meinen Kumpels erdachtes erotisches, na ja, vielleicht auch ein wenig pornografisches Gedicht in der Schule verbreitet habe. Da hat sich die Schulleitung aufgeführt, als wolle ich die Schule einreißen, das war fast so wie bei South Park.

Mobbing gab es in dem Stil wie heute nicht. Deswegen musste auch nicht dagegen vorggangen werden.

Aber ich wurde in den 1960er Jahren tatsächlich mal in die Ecke gestellt. Das hat gewirkt, weil man sich geschämt hat. Man hat den Fehler nie wiederholt.

Betragen, Ordnung, Mitarbeit und Fleiß wurden einzeln bewertet und ich hatte da immer mindestens eine 5 bei und bin nie sitzengeblieben. Also alles Blödsinn.

Bei uns damals gab es kein Hating/Mobbing. Klar durch die Staatssicherheit schon aber nicht untereinander. Wäre mir nie aufgefallen.

Ich selber und keiner aus meinem Jahrgang haben nie in der Ecke stehen müssen,nicht, weil wir immer so "artig" waren, sondern weil in den späteren Jahren der DDR ab Anfang der 60ger Jahre derartige Strafen verpönt waren.

Von meiner Mutter weiß ich, dass in den Anfangsjahren der DDR noch "in die Ecke stellen" angesagt war. Sie selbst musste auch...:)

Mobbing war kein Thema, da es die Voraussetzungen dafür nicht gab.
Das heißt nicht, dass wir uns nicht geprügelt hätten, aber an Vorfälle wie Zusammenschlagen und ins Koma prügeln, gegen den Kopf treten, auf den Körper springen, Überfälle auf alte Frauen etc.pp waren uns bis zur Wendezeit unbekannt. Eine solche Brutalität, von der man jetzt tagtäglich hört - gab es nicht. Das ist keine Lobhudelei oder Verklärung der DDR. Das war einfach so und hatte Gründe...

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