Frage an die Christen: Wie ist Lukas 19:27 zu verstehen?

16 Antworten

Vielen Dank für diese wichtige und gute Frage!

Da in vielen heute gebräuchlichen deutschen Übersetzungen nach Luther an dieser Stelle steht "bringt sie her und macht sie vor mir nieder" und da wir heutezutage "niedermachen" umgangssprachlich auch als Synonym für "gründlich zurechtweisen, ausschimpfen" verstehen, dürfte vielen Christen diese provokante Stelle so nicht geläufig sein.

Ich habe viele Übersetzungen miteinander verglichen und dabei festgestellt, dass im Originaltext offenbar wirklich "umbringen, töten, abschlachten" oder etwas in der Richtung stehen muss.

Die Parallelstelle zu Lukas 19, 11-27 im Matthäus-Evangelium (Mt. 25, 14-30) bringt Erhellung. Hier heißt es nämlich: "Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußere Finsternis; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein." (Es handelt sich um dasselbe Gleichnis, Matthäus und Lukas berichten also höchstwahrscheinlich von derselben Rede Jesu.) Bei Matthäus jedoch wird klar: Dieser abschließende Satz ist nicht außerhalb des Gleichnisses als Aufruf zum Handeln hier und jetzt zu verstehen, sondern innerhalb des Gleichnisses als Prophetie im Hinblick auf das jüngste Gericht.

So verstanden steht diese Stelle nicht im Widerspruch zur Nächsten- und Feindesliebe, sondern zeigt vielmehr die bittere einstige Konsequenz für diejenigen "Knechte" (das sind die Menschen, die seit Jesu Lebzeiten auf der Erde bis zu seinem zweiten Kommen auf die Erde leben) auf, die Jesus Christus nicht als Herrscher über ihr Leben und Seine Lehre nicht zur Richtschnur ihres Handelns setzen wollen.

Denn alle Menschen bekommen von Geburt an und ihr Leben lang von Gott "Talente" (Begabungen, Fähigkeiten, materielle Güter) als Ausgangsposition - die einen viel, die anderen wenig - und können im Laufe ihres Lebens frei entscheiden, ob bzw. zu welchen Teilen sie dies alles ausbauen, vermehren und für die Verbreitung von und das Leben nach Jesu Lehre verwenden wollen, oder ob sie nichts dergleichen tun und dem Herrn Jesus am Ende ihres Lebens all ihre Begabungen, Fähigkeiten und materiellen Güter "zurückgeben", ohne je damit in Seinem Sinne "gewirtschaftet" zu haben.

Ob es uns gefällt oder nicht, es wird wohl so geschehen, wie es das Gleichnis nahelegt: Diejenigen "Knechte", die ihre "Talente" im Sinne des HERRN eingesetzt und vermehrt haben, werden am Ende belobigt werden und noch mehr Talente dazu erhalten; aber diejenigen "Knechte", die ihre "Talente" nicht für den HERRN genutzt und vermehrt haben, werden am Ende vor sein Angesicht gebracht und "zum Tode verurteilt". Gemeint ist nicht(!) der leibliche Tod, den wir alle irgendwann erleiden müssen, sondern der "zweite Tod" (vgl. Offb. 20, 14).

Bei näherer Betrachtung hat Lukas 19, 27 inhaltlich also doch nichts mit Sure 2, 191 und ähnlichen Stellen aus dem Koran gemeinsam, obwohl es, wenn man ohne Quervergleiche innerhalb der Bibel - und ohne die Führung durch den Heiligen Geist - liest, durch die Formulierung so erscheint.

Es hiess bringt ihn vor meinen UM!

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KONTEXT ?

Es scheint ein Gleichnis von einem König zu sein, aber keine Handlungsaufforderung an Christen....

13 Er rief zehn seiner Sklaven zu sich und gab jedem ein Pfund Silbergeld. 'Arbeitet damit, bis ich wiederkomme!', sagte er. 

14 Aber seine Landsleute hassten ihn.

 Sie schickten eine Abordnung hinter ihm her und ließen sagen:

 'Diesen Mann wollen wir nicht als König über uns haben!' 

(Johannes 1.11) 15 Trotzdem wurde er zum König eingesetzt. 

Als er zurückkam, ließ er die Sklaven, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen. Er wollte erfahren, welchen Gewinn jeder erzielt hatte. 16 Der Erste kam und berichtete: 'Herr, dein Pfund hat weitere zehn eingebracht.' 17 Da sagte der König zu ihm: 'Hervorragend, du bist ein guter Mann! Weil du im Kleinsten zuverlässig warst, sollst du Verwalter von zehn Städten werden.' (Lukas 16.10) 18 Der Zweite kam und berichtete: 'Herr, dein Pfund hat weitere fünf eingebracht.' 19 Auch ihn lobte der König: 'Du sollst Herr über fünf Städte werden.' 20 Doch der Nächste, der kam, erklärte: 'Herr, hier ist dein Pfund Silbergeld. Ich habe es in einem Schweißtuch aufbewahrt, 21 denn ich hatte Angst vor dir, weil du ein so strenger Mann bist. Du forderst Gewinn, wo du nichts angelegt hast, und erntest, wo du nicht gesät hast.' 22 'Du nichtsnutziger Sklave!', sagte der König. 'Mit deinen eigenen Worten verurteilst du dich. Du wusstest also, dass ich ein strenger Mann bin, dass ich Gewinn fordere, wo ich nichts angelegt, und ernte, wo ich nichts gesät habe? 23 Warum hast du mein Geld dann nicht auf eine Bank gebracht? Dann hätte ich es wenigstens mit Zinsen zurückbekommen.' 24 Dann wandte er sich zu den Herumstehenden: 'Nehmt ihm das Pfund weg', sagte er, 'und gebt es dem, der die zehn Pfund erworben hat!' 25 'Aber Herr', sagten sie, 'er hat doch schon zehn Pfund!' 26 'Ja', erwiderte der König, 'aber denen, die einen Gewinn vorweisen können, wird noch mehr gegeben werden, und denen, die nichts gebracht haben, wird selbst das, was sie hatten, weggenommen. (Matthäus 13.12) (Lukas 8.18) 27 

Und nun zu meinen Feinden, die mich nicht zum König haben wollten: Holt sie her und bringt sie hier vor mir um!'" 

ja, so würde evtl. ein menschlicher Kalif/König reagieren....

umsomehr dürfen wir froh darüber sein, dass durch die Annahme des Opfers Jesu, wir vom Gesetz erlöst sind.... und in der Gande sind....

Der Bibelkommentar von Dr. John F. Walvoord schreibt zu Lukas 19,27: "Im Gegensatz zu den beiden Knechten, die auf den Fürsten gewartet hatten, wurden seine Feinde bei seiner Rückkehr zum Tode verurteilt. Die Analogie des Gleichnisses war deutlich. Jesus ging fort, um ein Königtum zu erwerben. Wenn er zurückkehrte, würde er sein Reich errichten. Bis dahin sollten seine Jünger die Pflichten erfüllen, die er ihnen übertragen hatte. Bei seiner Rückkehr würde er diese Treuen dann entsprechend ihrem Verdienst belohnen, und seine Feinde würden vor ihm niedergemacht werden."

Darum geht es also: Christen sollen ein ruhiges, stilles und gottesfürchtiges Leben führen (vgl. 1. Timotheus 2,2) und das Gericht Jesus überlassen, wenn er wiederkommt.

Ich lese den Satz so, wie er dort steht. Das braucht man nicht zu interpretieren oder sich als Gleichnis zurechtzubiegen. 

"Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein!" 

So einfach ist das. Auch das Christentum ging ja nie zimperlich mit seinen (selbsternannten) Feinden um. Nur hat es das rund 622 Jahre vor dem Islam getan und heutzutage doch eher abgelegt. 

Hier geht es zwar um das Neue Testament, aber gerade das alte, welches ja auch zur Bibel gehört, ist doch extrem gewalttätig. 

Und dann kommt jemand und sagt: "Liebet eure Feinde!" Und niemand hält sich dran. 

Man braucht das gar nicht als Gleichnis zurechtzubiegen, denn es steht ausdrücklich da, daß es ein Gleichnis ist. Das kannst Du nciht einfach weglassen.

Was Du da mit Christentum bezeichnest, ist die (kath.) Kirche, die sich schon recht früh von der BIbel abgewandt hat.

Du kannst dem Herrn Jesus wahrhaftig nicht vorwerfen, daß es Menschen gibt, die unter falscher Flagge fahren und seinen Namen in den Schmutz ziehen!

Es gibt sehr wohl Christusnachfolger, die ihre Feinde lieben. Das steht nur meist nicht in den Zeitungen, weil die das Proklamationsblatt des Teufels sind. Geschichtsbücher sind ähnlich.

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@Hooks

Ja ja. Friede, mein Bruder und allen GF-Usern ein Wohlgefallen! "Tötet alle Ungläubigen! Gott wird die Seinigen erkennen." Wer hat's gesagt? Es war jedenfalls kein Moslem, sondern ein Christ.  

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@Hooks

OK, nicht genau im Wortlaut, aber: 

"Tötet sie alle, Gott wird die Seinigen schon erkennen“ bzw. „Gott kennt die Seinen“ Im lateinischen Original wohl: „Caedite eos. Novit enim Dominus qui sunt eius.“ 

(Abt Arnaud Amaury, später Erzbischof von Narbonne, im Juli 1209 während des Ansturms auf Béziers); zu finden bei:

Caesarius von Heisterbach: Dialogus miraculorum, distinctio V, capitulum XXI, oder auch hier: 

Caesarii Heisterbacensis monachi ordinis Cisterciensis Dialogus miraculorum, hrsg. von Joseph Strange (1851), Bd. 1, S. 302. 

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@ramay1418

Danke, das Latein kann ich noch entziffern ;-)

Aber: Wie kommst Du auf die Idee, daß ein Erzbischof ein Christ sein soll?

Wenn er so etwas geäußert hat, ist er keiner. Typisch Kirchenmann, aber in der Kirche sind ja in aller Regel keine Christen zu finden. Jedenfalls keine Christusnachfolger.

Was weiß ich, was Du unter "Christ" verstehst. Für mich ist das einer, der Christus nachfolgt, ihn liebhat und mit ihm lebt.

Mit der Bibel hat das jedenfalls nichts zu tun, was Du zitiert hast.

Die Kirche hat sehr viel Schuld auf sich geladen... gerade deren Personal wird sich einst verantworten müssen vor Gott.

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hi ,ClusterOne84,

interssante Frage, die du da stellst....

Diese Aussage  Jesu steht ja am Ende eines Gleichnisses. Um sie also einzuordnen, muß man das ganze Gleichnis und seine Bedeutung kennen!

"Im übrigen, diese meine Feinde, die nicht wollen, daß ich König über sie werde.Bringt sie her und schlachtet sie vor mir" (Lukas 19:27)

Es handelt sich ja um das "Gleichnis vom Menschen von vornehmer Geburt"!

Bevor dieser (Jesus) in ein fernes Land reiste, um Königsmacht zu erlangen., gab er seinen Sklaven  (Christi Nachfolger) Geld (Minen)  (sie sollten seine Botschaft verbreiten und Jünger machen) mit dem sie arbeiten sollten.

Nach seiner Rückkehr (für die buchstäblichen Augen unsichtbar als Geistwesen) gebot der Mensch (Jesus) , daß jene Sklaven  zu ihm gerufen würden, um festzustellen, was sie durch ihre geschäftliche Tätigkeit (seinen Willen zu tun = Matthäus 24:14; 28:19) gewonnen hätten.

Christi Nachfolger, die sich den irdischen Interessen ihres Herrn widmen sollten/gewidmet haben: diesen hat er mehr Autorität verliehen ("Mine des einen Sklaven wird dem Sklaven gegeben, der schon 10 Minen hat"!).

Vers 27: Infolge dieser Beschreibung kann mit dem Vers 27 eigentlich nur der "Antichrist" gemeint sein. Dieser widersetzt sich Jesu Königsmacht. Jesus wird ihm aufgrund seiner (Jesu) Überlegenheit trotzdem zeigen, wie sich biblische Prophezeiungen erfüllen und er (Jesus) als himmlischer König amten wird!

"Denn irgendeine Nation und  irgendein Königreich, die dir nicht dienen werden, werden zugrunde gehen, und die Nationen selbst werden werden ganz bestimmt der Verwüstung anheimfallen" (Jesaja 60:12)

Nach seiner Rückkehr (für die buchstäblichen Augen unsichtbar als Geistwesen) gebot der Mensch (Jesus) , daß jene Sklaven  zu ihm gerufen würden, um festzustellen, was sie durch ihre geschäftliche Tätigkeit (seinen Willen zu tun = Matthäus 24:14; 28:19) gewonnen hätten.

Wie hat er das denn gemacht?

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