Findet ihr, dass die Bundesjugendspiele abgeschafft werden sollten?

29 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Man sollte sie nicht gleich abschaffen, eher sollte die Teilnahme für die Sportskanonen an den Schulen freiwillig sein.

Nicht jeder Mensch kann sportlich mithalten, deshalb finde ich diese Teilnahmepflicht schon etwas befremdlich.

Ich bin extrem athletisch und finde aber nicht dass sie abgeschafft werden sollten. Natürlich macht es (für mich) Spaß sich mit älteren zu messen (weil uch bin der jüngste aber schneide immer am besten ab). Trotzdem kann man keine anderen Kinder zwingen mitzumachen. Es ist zwar wie eine Prüfung und Sport ist auch wichtig, aber manche Kinder werden sich dadurch auch blamiert fühlen. Wenn dir Teilnahme freiwillig wird, fände ich das am besten. Trotzdem sollte man im Sportunterricht Noten machen dürfen. Bloß nicht mit dem Bundesjugemdspielen.

LG

Nur weil sich einige Teilnehmer bzw. stellvertretend deren (Helikopter)Eltern wegen schwache Leistungen erniedrigt fühlen, soll so etwas abgeschafft werden? Was für ein Blödsinn! Dann kann man ja auch gleich sämtliche Schulnoten abschaffen. Es gibt ja auch in jedem Schulfach Schüler die Schwierigkeiten haben. Ich musste auch damit leben dass meine Leistungen in Chemie und Musik benotet wurde.

Justme675 
Fragesteller
 16.05.2024, 07:22

Es geht doch nicht nur darum.

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Nein sollten sie nicht auch wenn es leider viel zu kritisieren gibt aber das sind dann meistens die Eltern oder Kinder selbst die andere Kinder rausmobben.

Ich bin auch dafür, dass die Teilnahme freiwillig sein sollte, aber dann würden kaum noch Schüler:innen teilnehmen, was einer Abschaffung gleichkäme.

Mich stört vor allem, dass Sport und Bewegung in den Schulen vor allem als Wettkampf vermittelt werden, bei dem es darauf ankommt, über Andere zu "triumphieren". Dadurch fühlen sich vor allem Schüler:innen angesprochen, die Wettbewerbe mögen und/oder eh besonders sportlich sind.

Ein vollkommener Irrglaube ist es aber zu denken, dass Schüler:innen die unsportlich sind dadurch motiviert würden, sich mehr zu bewegen.

Menschen bringen physisch einfach ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit. Manche brauchen kaum Training, um sehr gute Ergebnisse zu erzielen, während Andere trotz größter Anstrengungen maximal durchschnittliche Ergebnisse erreichen.

Diejenigen, die sich schon für mittelmäßige Werte richtig reinknien müssen, fühlen sich durch Wettbewerbe eher abgeschreckt, da sie schnell merken, dass es sich eh nicht lohnt.

So ist es in der Schule auch mir gegangen. Durch einen angeborenen Herzfehler war ich in Sport zwar immer ein durchschnittlicher Schüler (ich lag von den Ergebnissen immer irgendwo im Mittelfeld), konnte mich aber immer nur geringfügig verbessern, egal wie viel ich trainiert habe.

Wenn man sehr wettbewerbsorientiert denkt, hat man in diesem Fall praktisch keine Erfolgserlebnisse, auch wenn man seine eigene Leistung verbessern konnte und für seine Verhältnisse ein gutes Ergebnis erreicht hat. Aber von 50 Teilnehmer:innen auf dem 14. Platz zu landen, ist trotzdem kein großes Erfolgserlebnis, da man ja lernt, dass es darum geht, der/die Beste zu sein und man nur als Erste:r oder maximal noch als Zweite:r oder Dritter:r wirklich anerkannt wird.

Ich selbst hab erst Jahre nach der Schule Spaß an Sport und Bewegung finden können, weil ich gelernt habe, dass Bewegung wirklich gut tut, auch oder gerade wenn man es nur für sich selbst macht und sich mit niemandem vergleichen muss.

Aus meiner Sicht sollte sich der Sportunterricht an den Schulen auch viel mehr darauf konzentrieren, Spaß und Freude an Bewegung zu vermitteln und leistungsorientierter Sport sollte freiwillig sein.

M4RC3LL0  17.05.2024, 11:28
"Mich stört vor allem, dass Sport und Bewegung in den Schulen vor allem als Wettkampf vermittelt werden..."

Die Definition von Sport im herkömmlichen Sinne ist "die aus Freude an der Bewegung und am Spiel zur körperlichen Ertüchtigung nach bestimmten Regeln [im Wettkampf] ausgeübte körperliche Betätigung".

Der Wettkampf war, ist und wird immer ein wichtiger Bestandteil des Sports sein!

Einer der Gründe, warum beispielsweise Schach eine Sportart ist, ist der Wettkampf. Man bewegt sich dabei genauso wenig wie beim Bogenschießen, Darts o.ä.

...bei dem es darauf ankommt, über Andere zu "triumphieren".

Sport vermittelt wesentliche körperliche und geistige Fähigkeiten wie Ausdauer, Konzentration und Teamarbeit sowie wichtige Werte über Fairness, Ausdauer und Respekt, die zu einer positiven Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Dabei geht es selten darum, sich über andere zu stellen. Dass es jemanden geben muss, der die "beste Leistung" erbringt, ist in anderen Unterrichtsfächern nicht anders.

Wo ist der Unterschied, ob jemand die höchste Punktzahl in einem Vokabeltest oder in einer Mathematikklausur erreicht oder z.B. die schnellste Zeit im Staffellauf oder 100m Sprint?

Beides erfordert hartes Training, Übung usw. Hier die körperlichen Aspekte herunterzuspielen, nur weil viele unterliegen, ist bedenklich - Es sollte genau das Gegenteil bewirken! Es ist besorgniserregend, dass immer mehr Kinder schlecht abschneiden, nicht mithalten können, ungesunde Lebensweisen fördern usw.

...physisch unterschiedliche Voraussetzungen [...] trotz Anstrengungen maximal durchschnittliche Ergebnisse [...] mittelmäßige Werte [...] Wettbewerbe abgeschreckt usw.

Das gilt auch für alle anderen Fächer.

Es gibt Menschen mit Defiziten, Lernschwächen, visuelle Lerntypen und dergleichen.

Davon auszugehen, dass alle Gehirne gleich funktionieren, ist genauso fahrlässig.

Genau deshalb fordern viele seit Jahrzehnten ein besseres Schulsystem, aber wenn wir anfangen, die Kinder nicht mehr zu benoten, erreichen wir genau das Gegenteil...

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Brain300  17.05.2024, 20:52
@M4RC3LL0

Sehr guter Kommentar - top formuliert und inhaltlich überragend!

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kurznachgehakt  18.05.2024, 08:31
@M4RC3LL0

Ich habe auch nicht behauptet, dass es in anderen Fächern besser wäre. Mir ging es vor allem darum, dass man mit dem Wettbewerbsdenken nicht erreicht, dass sich diejenigen mehr bewegen würden, die von sich aus kein Interesse an Sport haben.

Aus meiner Zeit als Erzieher kann ich ein Beispiel geben: In unserer Einrichtung haben wir einen Jugendlichen betreut, der bereits bevor er zu uns kam zwei Jahre lang die Schule verweigert hatte und wann immer er die Möglichkeit hatte vor der Playstation saß. Wir wollten ihn nun dazu bewegen, in einem ersten Schritt von der Playstation wegzukommen und sich körperlich zu betätigen.

Ein Kollege kam dann auf die Idee, eine Personenwage mitzubringen und ihn diese mit den Händen zusammenpressen zu lassen, damit er sieht, wie schwach er im Vergleich zu ihm (dem Kollegen) ist. Dieser war fest davon überzeugt, dass der innere Drang, sich im Wettbewerb zu beweisen ihn dazu bringen würde, zu trainieren um stärker zu werden.

Natürlich hat das nicht funktioniert. Der Jugendliche meinte nur, dass er eh wüsste, dass er schwach und dumm wäre und deshalb alles egal sei.

Natürlich ist das ein etwas extremes Beispiel, aber auch mich hat das Wettbewerbsdenken viel mehr davon abgehalten, Sport zu treiben. Mir selbst war es auch immer relativ egal, wie gut ich in anderen Fächern im Vergleich zu Anderen war. Mit einer Drei war ich immer zufrieden, weil ich wusste, dass es dann zumindest Zuhause keinen Ärger gibt und man mich in Ruhe lassen würde. So habe ich es bis zum Abitur halbherzig durch die Schule geschafft und erst im Studium bemerkt, wie es ist, wenn man sich aus eigener Motivation für etwas begeistert und einen Ehrgeiz entwickelt- nicht um sich mit Anderen zu vergleichen, sondern weil man von einem Thema oder einer Frage fasziniert ist und viel Anstrengung auf sich nimmt, um der Lösung näherzukommen.

Das nennt sich auch intrinsische Motivation, die als ein wesentlich nachhaltigerer Anreiz zum Lernen gilt als extrinsische Motivationen, wie beispielsweise Noten.

Dass man mit der Abschaffung von Noten (was ich nebenbei bemerkt gar nicht gefordert habe) "genau das Gegenteil" von einem besseren Schulsystem erreichen würde, halte ich für eine äußerst fragwürdige Hypothese, für die es meines Wissens nach auch keine empirischen Grundlagen gibt.

Ich bin der Meinung, dass wir im Bildungssystem dringend vom Konzept des Vergleichens und Konkurrierens wegkommen und Schüler:innen individueller begleiten und unterstützen sollten.

Gute Ansetze dafür habe ich während meiner Arbeit in der Schulassistenz in einer inklusiven Klasse erlebt. Die Kinder bekamen individuelle Lernpläne mit an sie angepassten Aufgaben. Die Schüler:innen, die in einem Fach besonders weit waren (beispielsweise Lesen und Schreiben) bekamen fortgeschrittene Aufgaben, während beispielsweise der Schüler den ich betreut habe (dieser hatte eine kognitive Beeinträchtigung) mehr Zeit hatten, um die Grundlagen durch viele Wiederholungen mit einfacheren Aufgaben zu festigen.

Die Lehrerin hat der Klasse immer vermittelt, dass sie nicht darauf schauen sollten, wie gut oder schlecht die Mitschüler:innen sind, sondern sich auf ihre eigenen Aufgaben konzentrieren sollten.

Davon haben übrigens sowohl die "schwächeren" wie auch die "stärkeren" Schüler:innen profitiert, da die individuellen Lernpläne den "stärkeren" Schüler:innen die Möglichkeit gegeben haben, an schwierigeren Aufgaben zu arbeiten und nicht dadurch unterfordert wurden, dass sie wie in anderen Klassen darauf warten mussten, dass die Anderen mitkommen.

Das wäre für mich zumindest ein Ansatz dafür, wie man es besser machen könnte. Ja, das würde erfordern, dass man deutlich mehr in das Bildungssystem investiert, mehr Personal einstellt um kleinere Klassen bilden zu können und das pädagogische (und vor allem sonderpädagogische) Wissen einen deutlich höheren Stellenwert in der Lehrer:innenausbildung bekommt.

Es gibt natürlich auch die Alternative, so weiterzumachen wie bisher, um die "Schuldenbremse" einzuhalten. Ganz im Interesser der jüngeren Generation versteht sich...

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