empirismus als Grundlage des utilitarismus

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Das Ganze fußt auf dem Epikureismus, dem am weitesten ausgearbeiteten Empirismus der Antike. Empirismus bedeutet, dass die Quelle der Welt, ihre Antriebskräfte und Zusammenhänge aus der Erfahrung und Teil dieser Welt erklärt werden. Das Gegenteil ist der Idealismus, der im Zweifel Göttliches oder eine höhere Kraft als Quelle und Lenker der Welt annimmt. An diesen Gegensätzen erkennst Du, dass der Empirismus die Begründung zwischenmenschlichen, moralischen Verhaltens nicht aus von oben oder außen gegebenen Setzungen speist, sondern aus dem Kalkül, welches Verhalten für das Individuum und für alle am empfehlenswertesten sei.

Der epikureische Empirismus ist bereits in der Renaissance in Italien aufgegriffen worden, dann in Frankreich und England über die Übersetzung des Lukrez-Gedichts "De rerum natura" und dann vor allem in Frankreich über Pierre Gassendi (1592-1655), der Epikur komplett übersetzt hat, von wo er an die französischen und englischen Aufklärer kam, die den Epikureismus unterschiedlich aufgenommen haben. Auch die Vertragstheorie eines Rousseau ist ursprünglich epikureisch. Jeremy Benthams Darstellung der Grundlagen des Epikureismus zeigt, dass er ihn besser verstanden hat als alle deutschen Philosophen, für die Epikur nur ein platter "Glücksphilosoph" ist, aber sie legt auch gleichzeitig das Grundverständnis dessen dar, was heute "Utilitarismus" genannt wird.

„Die Natur hat den Menschen zwei Leitempfindungen mitgegeben, negative Empfindungen wie Schmerz, Leid, Unwohlsein und positive Empfindungen wie Freude, Lust, ein gutes Gefühl. Diese beiden signalisieren, ob die eingeschlagene Orientierung im Sinne des Überlebens gut oder schlecht ist. Einerseits sind Menschen so durch eine Markierung, was richtig und was falsch ist, an die Leitung der Natur gebunden, andererseits durch die Einbindung in Gesetze und das Ineinandergreifen von Ursachen und Wirkungen. Das wirkt auf uns in allem, was wir tun, sagen und denken. Alle Anstrengungen, uns davon zu befreien, verstärken die Erfahrung dieser Gebundenheit. Jemand mag zwar verbal diese Eingebundenheiten leugnen, doch in Wirklichkeit ist er immer eingebunden. Das Prinzip der positiven Einpassung (Nutzenorientierung) akzeptiert diese Eingebundenheit, macht es gar zur Grundlage von Lebensentscheidungen mit dem Ziel, ein gelingendes Leben zu meistern und dazu Vernunft und Recht fruchtbar zu machen. Systeme der Lebensbewältigung, die dies in Frage zu stellen versuchen, geben sich mit Lauten anstatt mit Sinn, mit einer Laune anstatt mit der Vernunft, mit Dunkelheit anstatt mit Licht ab.“

Du musst den Nutzen vorhersagen können, um überhaupt mit Utilitarismus anzufangen können. Dafür ist Wissenschaft sehr gut.

Utilitarismus:

"Grundlage für die ethische Bewertung einer Handlung ist das Nützlichkeitsprinzip, die utilitaristische Grundformel und Maxime: „Diejenige Handlung bzw. Handlungsregel (Norm) ist im sittlichen bzw. moralischen Sinne gut bzw. richtig, deren Folgen für das Wohlergehen aller von der Handlung Betroffenen optimal sind.“ Den Kern des Utilitarismus kann man auch in der Forderung zusammenfassen: „Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück entsteht!“ (Prinzip des maximalen Glücks bzw. engl. maximum-happiness principle). Dabei ergibt sich das allgemeine Glück aus der Aggregation des Glücks der einzelnen Individuen." [Wikipedia]

Bevor aber Werturteile über die Nützlichkeit getroffen werden können, muss überhaupt einmal die Wahrnehmung der Welt gesichert sein. Hier greift der Empirismus und stellt die Mittel der Erkenntnis zur Verfügung.

Empirismus:

"Der Ausdruck Empirismus (griechisch εμπειρισμός, von der Empirie, bzw. lateinisch empiricus, der Erfahrung folgend‘) wird bei Klassifikationen erkenntnistheoretischer Theorieansätze für Theorien gebraucht, welchen zufolge Wissen, verstanden als gerechtfertigte wahre Erkenntnis, zuerst oder ausschließlich auf Sinneserfahrung beruht (inklusive der Verwendung wissenschaftlicher Instrumente)." [Wikipedia]

Ist dieser Gedankengang eher dem Empirismus oder dem Rationalismus zuzuordnen?

Eine Freundin fragte heute in einer Chatgruppe was wir zu den Themen Nihilismus, Existenzen usw. denken. Sie erläuterte ihre Gedanken, nämlich dass sie momentan alles im Leben anzweifle, selbst Gegenstände usw. bei denen es für uns selbstverständlich erscheint, dass diese existieren. Sie meinte es könne ja sein, dass wir alle nur getäuscht werden und diese Sachen eigentlich gar nicht wirklich existieren. Dasselbe bezog sie dann auf Gott und meinte man kann zwar nicht beweisen dass ein Gott existiert, man kann aber auch nicht beweisen dass er nicht existiert, folglich bezeichnet sie sich als Nihilistin bzw. Agnostikerin.

Auf die Frage wie wir darüber denken antwortete ich spontan, ohne länger drüber nachzudenken, dass ich ihre Gedanken nachvollziehen kann, ich aber nicht der Meinung bin dass wir nicht sicher sein können dass Dinge existieren. Schließlich hat jeder Mensch eine ähnliche Wahrnehmung, die auf den Sinnen beruht, und diese macht es uns möglich für uns selbst zu beweisen und die Erkenntnis zu bekommen, dass Dinge existieren. Mit dieser Methode kann man auch ausschließen, dass ein Gott existiert. Deshalb bezeichne ich mich als Atheistin.

Sie meinte dann, was ich sage klingt "sehr empirisch". Ich dachte allerdings immer, ich wär eher so auf der Seite des Rationalismus, da ich insbesondere den Gedankengang von Descartes bezüglich der Erkenntnistheorie sehr gut nachvollziehen kann. Da ich in dem Thema nicht mehr so drin bin, wollt ich euch (Hobby-)Philosophen fragen, wo ihr mich eher einordnen würdet und warum.

Danke.

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