Deduktion lernen

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4 Antworten

Aus einer früheren Antwort, vielleicht hilft es dir etwas weiter:

In dem Umfang wie es Holmes kann, ist es glaube ich nur in der Literatur möglich. Aber man kann viele Kleinigkeiten beobachten und aus der Summe seine Schlüsse ziehen. Das man anhand der Person großartig Schlüsse ziehen kann, funktioniert eigentlich nicht. Natürlich kann man an meinen Händen deutlich erkennen, dass ich Rechtshänder, Schüler in einer Oberstufe (anhand meines Alters) bin und bevorzugt mit Füller schreibe. Allerdings dürfte das nicht ausreichen um weitere Schlüsse an mir zu ziehen.

Ich gebe hier mal ein paar Beispiele von mir bzw. meiner Schlussfolgerungen und ganz ehrlich wer etwas beobachten kann oder sich darin übt, wird zu ähnlichen Resultaten kommen:

Habe an der Hand einer Mitschülerin geschlossen, dass sie im Tierpark in der Nähe gewesen war, danach kurz zuhause war und dann zu mir kam. Wie ich das herausgefunden habe? Eigentlich ganz einfach: Ihre Hand hatte den Geruch von den Futterpellets, zwar gibt es das Futter auch noch an ein paar anderen Orten, aber durch die verschiedenen Speichel bzw. Erdspuren konnte ich schließen, dass sie im Tierpark war. Was vor allem daran liegt, dass meine Hände nach dem Besuch im Tierpark genauso aussehen. (Also durch Erfahrung). Durch einen kleinen Ketchup-Fleck habe ich dann noch auf eine kleine Pommes-Mahlzeit getippt, wieder richtig ^^. Das sie kurz zuhause war habe ich ihren Schuhen angesehen, weiße Schuhe, aber angeschlammte Hose, also Schuhe gewechselt. ;) Übrigens sieht der Schlamm wirklich je nach Gegend anders aus, beim Tierpark ist er eher hellbraun, hier bei uns etwas dunkler. :)

Oder bei einer anderen Mitschülerinnen, habe ich anhand ihres Fingers geschlossen, dass ihr Kulli weg ist. Unmöglich? Nein, wieder ganz einfach. Beim schreiben drückte sich immer etwas Farbe vom Gummi am Finger ab, an dem Tag war aber kein Grün an ihrem Finger, obwohl wir schon die fünfte Stunde hatten (sie hat bis dahin in anderen Fächern unterricht). Aus ihrer Tasche nimmt sie ihn nur zum schreiben, zuhause hat sie dann noch mal extra Kullis zum schreiben da, sodass der Kulli eigentlich nur in der Schule die Tasche verlässt. Das sie einen anderen Kulli nimmt, passt nicht zu ihr, sie ist da absoluter Gewohnheitsmensch. Ich habe dann einfach gesagt, dass es Schade ist das sie ihren Kulli verloren hat und der Woher-weißt-du-denn-das?-Effekt war da.

Am ehesten findet man meines Wissens aber etwas über andere Menschen heraus, indem man ihnen gut zuhört und auf ihre Wortwahl achtet und seine Schlüsse daraus zieht. So habe ich schon des öfteren dem Gesprächspartner zuvorkommen können und ihn damit mehr oder minder ins Erstaunen versetzt. ;) Was mir auch schon oft aufgefallen ist, viele meiner Mitmenschen hören sich nicht mehr wirklich zu, während sie zwar noch die Kernaussagen mitbekommen, kommen die ganzen Begleitumstände viel zu kurz, aber aus diesen lässt sich am ehesten etwas schließen.

Mein Tipp, man sollte sich nie zu weit bei seinen Schlussfolgerungen aus dem Fenster lehnen nur soweit, dass man die Fakten wiedergibt und das nahe liegenste andeutet.

Erlernen an einer bestimmten Schule o.ä. kann man das meines Wissens nicht, angeboren ist es aber auch nicht. Ich persönlich habe einfach versucht die Methoden vom literarischen Sherlock Holmes so gut es geht selbst anzuwenden. Also macht hier mal wieder Übung den Meister. :)

Auch bei der Serie der BBC kann man mit etwas Erfahrung im Krimi-Bereich vieles erschließen, zumindest war es bei mir der Fall. Ich übe mich wie gesagt darin, es ist nicht angeboren oder in der Familie angelegt, zumindest sind meine Schlüsse zutreffend und sie vermögen ihnen nicht zu folgen.

Kurzum Übung, Erfahrung und dann und wann auch etwas Glück.

Hierzu noch ein interessanter Online-Text, der wirklich mehr als lesenswert ist:

http://www.oliveira-online.net/wordpress/index.php/sherlock-holmes-und-die-gabe-...

Grüße Felix

Danke für den Stern. :)

Grüße Felix

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Deine Bemühung ist so überflüssig wie der Diätplan für die Henkersmahlzeit. Zur formalen Logik wirst Du mühelos überall Literatur finden. Da findest Du auch die Deduktion, d.h. den Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere (die Schlussfolgerung von gegebenen Prämissen auf die logisch zwingenden Konsequenzen).

Aber das vermeintliche "Training des Schlussfolgerns" ist praktisch so unsinnig wie das Training von hören und sehen. Hast Du vielleicht schon einmal erlebt, dass ein kleines Kind fehlerhaft schlussfolgert? Das hat dazu noch gar kein Training. Deshalb wird auch den kindlichen Argumentationen das Charakteristikum der "Unschuld" zugewiesen. Da mögen noch Realität und Fantasie verschwimmen, selbst das Lügen und Täuschen muss noch eingeübt werden, aber die Deduktionen werden mühelos beherrscht.

Die fehlerhafte Schlussfolgerung ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Sie dient der praktischen Irreführung. Die geläufigen Spielregeln dazu (z.B. versteckte Kontradiktionen, Tautologien oder fehlerhafte Abstraktionen) lassen sich natürlich charakterisieren und auflisten. Aber das ist ja hier nicht Dein Anliegen.

Beispiele zu Deduktion und Induktion:

Deduktion (Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere): Aus der Aussage "Alle Äpfel in der Kiste sind rot" folgt die Aussage: "Der dritte aus der Kiste entnommene Apfel ist rot".

Induktion (Schluss vom Besonderen auf das Allgemeine): Aus den vier Aussagen "Die Kiste enthält genau die drei Äpfel A, B und C", "A ist rot", "B ist rot" sowie "C ist rot" folgt die Aussage: "Alle Äpfel in der Kiste sind rot".

Das kann jedes Kind, so etwas lernt man nicht. Lernen kann man dazu nur die Beschreibung der Schlussfolgerungsformen.

Sollte nun ein User hier z.B. einwenden, "das Hören" und "das Sehen" seien "genauso wie das "Deduzieren" das Ergebnis von Lernprozessen, weil "Kinder lernen müssen, aufmerksam zuzuhören" und "weil Kunststudenten lernen müssen, in Gemälden Stilrichtungen zu sehen", woraus folge, "dass eben genauso auch das Deduzieren gelernt wird", dann schlussfolgert der gleich reihenweise falsch, indem er fortwährend den Gegenstand der Aussagen wechselt und dabei die Zuordnungen zwischen Subjekten und Prädikaten willkürlich vertauscht:

Was für die ablenkungsfreie Konzentration beim Zuhören gilt, gilt nicht zwingend für "das Hören". Was für die begriffliche Assoziation bei visuellen Reizen gilt, gilt nicht zwingend für "das Sehen". Und vom *"Deduzieren" ist in den vorgestellten Prämissen schon gar keine Rede gewesen. Rhetorische Irreführungen solcherart bedürfen durchaus einer gewissen Übung.

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