DDR Stimmzettel?

7 Antworten

Bei den Wahlen in der DDR wurden keine Parteien gewählt, sondern von den Parteien und gesellschaftlichen Organisationen aufgestellte Kandidaten, die gemeinsam auf eine Liste zur Wahl standen. Das waren die Kandidaten der nationalen Front.

Die prozentuale Aufteilung, welche Partei und welche Organisation wie viele Kandidaten aufstellen konnte, war festgelegt.

Die Idee dahinter war die, dass jede Partei und jede Massenorganisation für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe stand und deren Interessen im aufzubauenden Sozialismus vertrat. Entsprechend der Größe dieser Gruppen in der Bevölkerung, war ihr Anteil in den Parlamenten. Natürlich gab es auch Überschneidungen. So konnten SED-Mitglieder auch von der FDJ aufgestellt werden.

Bei der Wahl selbst, ging es nicht darum, aus dem Vorschlag ein oder zwei Kandidaten auszuwählen, sondern im Block alle durch Einwerfen des Stimmzettels zu wählen. Es gab auch die Möglichkeit einzelne Kandidaten zu streichen. Dazu standen in den Wahllokalen auch Wahlkabinen. Demonstrative Zustimmung dokumentierte man durch Falten des Stimmzettels und Einwurf in die Wahlurne, ohne die Wahlkabine zu nutzen.

Wer die Wahlkabine trotzdem nutzte, hatte aber - entgegen anderen Behauptungen - auch nichts zu befürchten. Ebenso wenig hatten die zu befürchten, die nicht wählen gingen. Im Gegenteil, viele nutzten die Drohung nicht wählen zu gehen, um persönliche Anliegen im Umgang mit Ämtern und Behörden durchzusetzen.

Probleme gab es, weil die Anweisungen, wie z. B.mit Streichungen umgegangen werden sollten, nicht eindeutig und einheitlich waren. So war es z. B. möglich, dass Stimmzettel mit der Streichung eines oder zweier Kandidaten ebenso als ungültig gewertet wurden, wie gänzlich durchgekreuzte Stimmzettel.

Das war unter anderem Ergebnis eines absurden inoffiziellen Wettbewerbs, um möglichst hohe Wahlteilnahme und möglichst hohe Zustimmungsquoten. Dabei hätten realistische Quoten im 80er oder 70er Prozentbereich doch auch gereicht.

Tja, das Problem war, man konnte bei so einem Wahlzettel, Stimmzettel, wie du das nennst, gar nichts  ankreuzen, weder ja noch nein noch sonst was. Das waren keine normalen Wahlzettel, wie man sie heute kennt. Das war einfach ein Zettel, wo Namen von Kandidaten drauf standen. Wenn man diesen Zettel brav faltete und in die Urne warf, das galt als Ja-Stimme, wenn man so mutig war, in die Wahlkabine ging und die Kandidaten durchstrich (oder auch nur einen Kandidaten) das galt als Nein-Stimme. 

Ausserdem gab es sogar bei dieser undemokratischen Scheinwahl noch Wahlfälschungen durch SED-Genossen.

Zu Zeiten der DDR gab es kaum Wahlkabinen bzw. wurde man schräg angesehen, wenn man eine benutzte. Des Weiteren wurde ein nicht ausgefüllter Schein als Zustimmung gewertet. Um damit tatsächlich mit nein zu stimmen, musste man alle Kandidaten einzeln ausstreichen. Diesen Aufwand betrieb nicht jeder, der gegen die SED war. Aber es gab immer welche, die das trotzdem taten.

und gerne wurd en auch die Stifte in der Wahlkabine vergessen.

Wer mit NEIN stimmen wollte, der musste enen Stift von zu hause mitbringen :-)

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