Buddhistische Zeremonien/Feste?

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1 Antwort

Ich bin Buddhist und gebe dir gerne ein paar Informationen. Allerdings gehe ich davon aus, dass dir die Grundzüge des Buddhismus bekannt sind, so dass ich nicht jeden Begriff erkläre.

Die Zufluchtnahme

Das ist eigentlich das wichtigste Ereignis im Buddhismus, denn mit ihr bekennt man sich zum Erwachten (Buddha), seiner Lehre (Dharma) und der Gemeinschaft (Sangha).

Manchmal wird es irreführend "buddhistische Taufe" genannt.


Die Zufluchtnahme kann ohne besondere Formalitäten erfolgen - jeder der sich zu den drei Kostbarkeiten (Buddha, Dharma, Sangha) bekennt und gelobt die fünf Sittlichkeitsgelübde (Pancasila) einzuhalten, ist Buddhist.

In Asien gibt es aber natürlich auch entsprechend formelle Zeremonien, die sich je nach buddhistischer Tradition unterscheiden.

Die Bodhisattva-Ordination


Diese Zeremonie gibt es nur in den Traditionen, die zum Mahayana-Buddhismus gehören. Sie stellt eine Kombination aus der Zufluchtnahme und den Bodhisattva-Gelübden dar.

Dabei erhält man teilweise auch einen buddhistischen "Dharma-Namen" in einer asiatischen Sprache wie Chinesisch, Japanisch, Tibetisch, Vietnamesisch usw.

Dieser Name kann zwar sowohl den Menschen charakterisieren, soll den Träger des Namens aber vor allem an bestimmte Geisteshaltungen erinnern.

Jemand der den japanischen Dharma-Namen "Muho" ("keine Richtung") erhält, ist also kein planloser, völlig verpeilter Typ, sondern der Name erinnert ihn daran, seinen Geist immer in alle Richtungen offen zu halten und sich nicht geistig zu beschränken und nur in "eine Richtung" zu orientieren.

Da man vor der Bodhisattva-Ordination bereits längere Zeit unter einem Lehrer gelernt hat, ist der jeweilige Name meist durchaus treffend gewählt, auch wenn man ihn selbst vielleicht nicht unbedingt mag.

In manchen Traditionen näht man unter Anleitung eines Lehrers zudem einen Stofflatz aus einzelnen Stücken zusammen. Dieser Latz wird in Japan "Rakusu" genannt und ist ein Symbol für die Robe Buddhas.

Monastische Ordination

Die Ordination zum buddhistischen Novizen bzw. dann zum Mönch oder zur Nonne, ist der größte Schritt, den man zeremoniell machen kann.

Im Theravada-Buddhismus verpflichtet sich der Mönch zur Einhaltung von 227 Regeln. Für die Nonne sind es 311. Hierzu gehört auch das Zölibat.

Hier erhält der Mönch bzw. die Nonne einen Ordinationsnamen, ähnlich wie in christlichen Orden auch (Pater Anselm, Schwester Agathe).

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Kommentar von Julie06
18.01.2016, 16:29

Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Das hat mir wirklich weiter geholfen :)

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