Bin ich für das Arbeitsleben zu dumm?

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8 Antworten

Ich bin nicht in Österreich, aber in Deutschland sind zwei gravierende Tendenzen zu beobachten hinsichtlich der schulischen Ausbildung:

1. Die Vermittlung von Lernstoff erfolgt immer stärker inhaltsorientiert

Zwar steigt dann die Möglichkeit einer besseren Bwertbarkeit von Leistungen, aber dadurch bleibt eine methodische Schulung auf der Strecke, die aber eigentlich zwingend zwischen dem 14. und 17. Lebensjahr zu erfolgen hätte. Ohne methodische Basis fehlt die Möglichkeit zur angemessenen Hinterfragung und man verbleibt zumeist in einer statischen, monokausalen Denkstruktur. Dies hat auch Folgen für das Arbeitsleben. Ein Beispiel aus der Nachbarschaft. Ein Junge (17) sollte helfen, frisch gepflanzte Apfelbäume zu stützen. Man mußte ihm nicht nur jeden einzelnen Handgriff erklären, den er zu tun habe, sondern auch noch erklären, wie er es zu tun habe. Selbst bei Wiederholung der gleichen Arbeitsschritte war es explizit "anzufordern", anderenfalls stand er nur unbeteiligt dabei. Antizipation o.ä. war nicht einmal im Ansatz zu erkennen.

Genau auf diese Arbeitsweise bereitet die moderne Schule vor, was aber mit dem Arbeitsleben nichts zu tun hat (zudem haben ohne methodische Basis erlernte Inhalte eine sehr geringe Halbwertszeit). Gerade die digitale Welt erfordert, daß man nicht zum Reproduzenten erlernter Inhalte mutiert, das können Computer weit besser leisten, sondern es geht gerade um vernetztes, antizipatives und kreatives Denken und die Verinnerlichung methodischer / logischer Abläufe. Wenn selbst Akademiker es für eine glaubhafte Information halten, wenn aus 48 Einheiten inländischer Erzeugung und 53 Einheiten inländischem Verbrauch auf Nettoexport geschlossen wird, weil es in einem offiziellen (Exekutive) Dokument steht, dann sind wir schon weit gekommen.

Hinzu kommt noch mangelnde soziale Kompetenz, mangelnde Befähigung zur Kommunikation sowie eine eher schwach ausgeprägte Frustrationstoleranz. Die Schüler sind hier Opfer, aber es ändert nichts daran, daß sie es sind, die es auszubaden haben. Im angloamerikanischen Schulsystem hat man keine vertikale Trennung, wie früher in Deutschland (nur dafür kann ich sprechen) üblich, sondern eine horizontale Trennung. Durch Adaption dieses Systems, auch im Studium, aber wurde die vertikaleTrennung weitestgehend aufgelöst, aber eine horizontale Trennung nicht zugelassen, was dazu führt, daß die Mittelstufe kaum noch methodische  Inhalte und logisches Denken vermittelt.

2. "Der Ernst des Lebens kommt früh genug"

Wie gesagt: heute am Arbeitsmarkt geforderte Kompetenzen müssen in der Pubertät aufgebaut werden, später kann man sie nur noch über (ineffiziente) bewußt einzuführende Denkschritte kompensieren. Statt gleich beim Lesen das logische Prüfprogramm als Automatismus mitlaufen zu lassen, wird zuerst kognitiv (und mit Chance sogar korrekt) erfaßt und bestenfalls nachträglich auf Zulässigkeit geprüft. Das war schon oben erfaßt. Die persönliche "Verweigerungstaktik" zugunsten des Spaßfaktors verstärkt dies aber deutlich.

Hier wirkt auch nicht gerade der Umstand entgegen, daß die Notenvergabe teils sehr "sozial" erfolgt. An manchen Schulen wird für ein Leistungsspektrum, das früher eine 1-4 abdeckte, eine 1 gegeben, für alles andere gibt es eine 2.  Zu meiner Zeit konnte man mit reiner Reproduktion in Klausuren bestenfalls eine 3 erreichen, die meisten heute geschriebenen Klassenarbeiten dürften danach nur bestenfalls mit einer 3 bewertet werden.

Die oben benannten Tendenzen werden aber dadurch noch einmal verstärkt, was dann auch im Bereich des eigenen Verschuldens anzusiedeln wäre. Nicht wenige Abiturienten haben keine Ahnung, wie sie sauber recherchieren oder ein Problem / eine Fragestellung operational strukturieren können, teils fehlt sogar das Grundgerüst zur kognitiven Erfassung von Inhalten und die sprachlichen Fähigkeiten sind ggf. nur annähernd als "verhandlungssicher" einzustufen.

3. Fazit

Es gibt durchaus Tendenzen, die erkennen lassen, daß sich die Ansprüche von Ausbildung und Bedarf immer weiter auseinanderentwickeln. Dabei wäre die "Schuldfrage" nur erheblich, um hier präventiv wirken zu können. So z.B. scheiterten 25% der Abiturienten, die sich 2016 beim BKA bewarben, alleine an ihren sprachlichen Fähigkeiten. Zu 2017 werden entsprechend die Standards "angepaßt" (klasse: statt die Ausbildung in der Schule zu verbessern, wird ein nachgestelltes Anforderungsprofil reduziert).

Bei Dir solltest Du dich fragen, wo konkret Deine Defizite liegen, um im Anschluß daran zu arbeiten. Manches, aber nicht alles, läßt sich retten, und wenn Du Einsicht und Engagement zeigst, werden deine Mitarbeiter Dich auch wieder mehr unterstützen. Wenn sie keine Entwicklung bei Dir sehen, nur sehen, daß Du dich auf ein "das hat man mir aber nicht beigebracht"-Position zurückziehst, dann dürfte durchaus verständlich sein, daß sie sauer werden, denn dann kassierst Du Geld dafür, daß sie deine Arbeit mitmachen. Sollte dann, wenn man Dir doch wieder Arbeit zutrüge, die Erfüllung derart sein, daß man es besser gleich selber gemacht hätte, verschärfte sich das Ganze noch.

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Kommentar von PolluxHH
05.02.2017, 11:58

Nachtrag:

Versuche doch einmal, deine Frage selber hintergründig zu betrachten. Fällt Dir etwas daran auf?

  • Du stellst zwar dar, wie deine Kollegen etc. auf Dich reagieren, aber zeigst in keiner Weise, daß Du schon einmal darüber nachgedacht haben könntest, woran deren Kritik liegen könnte. Du reduzierst dich selber zu einem Objekt, nicht nur bei der Beschreibung der Vorkommnisse, hier bist Du der Spielball, kein aktives Handeln oder den Versuch eines aktiven Gegenlenkens bzw. einer aktiven "Fehlersuche" ist erkennbar.
  • Du stellst eine Frage, die ohne Einschätzung der Berechtigung oder Tatsachenbehauptungen zum Sachverhalt selber sich jeder Beurteilbarkeit entziehen. Aber auch das Stellen einer Frage kann darüber Auskunft geben, inwieweit man befähigt ist, ein Problem operational zu strukturieren, denn bei einer hinreichenden Strukturierung wird man die Inhalte so wählen, daß die gewünschte Antwort leistbar wäre, was hier nicht der Fall ist.
  • Du reduzierst dich auch beim Inhalt der Frage auf die Objektebene. Die Frage setzt eine diskrete Dichotomie voraus, denn sie unterscheidet zwischen entweder fähig oder unfähig im Sinne einer eingeborenen, unveränderlichen Eigenschaft, die Option eines durch Bemühen zu beseitigenden Mangels wird erst gar nicht erwogen. Was kann ich tun, damit ich den Ansprüchen gerecht werde, ist dadurch nicht zu erkennen und damit zu mutmaßen, daß sich dir diese Frage bisher auch eher nicht gestellt haben dürfte, denn dann hättest Du es selbst bei einer spontanen Abfassung benannt.

Erkennst Du, warum ich nicht wirklich positiver schreiben konnte?

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Also ich weiss ja nicht, aber hier in Deutschland ist das so: Wer keine Ausbildung vorweisen kann, gilt dann als ungelernt und bekommt auch weniger Geld als Gelernte. An Deiner Stelle würde ich mich einfach doch für ne Ausbildung als Softwareentwickler bewerben oder mache neben der arbeit ein Fernstudium oder Lehrgang in dieser Richtung.

Möglichkeiten gibts genug. Du musst jetzt schnellstmöglichst Deine Kenntnisse erweitern, so ein Fernstudium wäre neben der Arbeit meiner Meinung nach das beste.

Muss aber kleinlaut deinen Kollegen auch recht geben, dass es für die auch schwer ist, wenn jemand direkt von der Schule ins Berufsleben einsteigt und keine besonderen Fachkenntnisse in Softwareentwicklung (eben durch Kurse oder so) mitbringt...

Du kannst Dich auch momentan für andere leichtere Tätigkeiten bewerben vorübergehend und später dann wieder als Softwareentwickler wenn Du genügend Kenntnisse hast, arbeiten. Ich selbst hab auch mal was ganz anderes zwischendurch gemacht.

LG Keana


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Nein, du bist garantiert nicht zu dumm. Leider ist es gerade beim Einstieg ins Berufsleben häufig so, dass kein kompetenter Ausbilder dafür sorgt, dass ein Neuling alles das, was er wissen muss, in sinnvoller Weise vermittelt bekommt. Fast ebenso ist es in der Schule, da wird der Unterricht durchgezogen und wer nicht mitkommt, hat Pech gehabt, auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden wird nicht eingegangen.

Dabei lernt jeder Mensch auf seine Weise am besten. Da du aber immer nur angeschrien wirst, wenn du einen Fehler machst, anstatt dass dir jemand hilft, entwickelt sich Angst davor zu versagen und die führt dann dazu, dass du erst recht Fehler machst.

Dein Betrieb scheint nicht besonders ausbildungsfreundlich zu sein, vielleicht schaust du dich mal nach einer Alternative um. Wenn man etwas gleich vernünftig erklärt bekommt, dann kann man das auch nach dem 1. Mal verstehen, wenn allerdings etwas auf die Schnelle und ohne dass sich derjenige, der etwas zu erklären versucht, darauf vorbereitet hat, dann ist es kein Wunder, dass du mehrmals nachfragen musst. Ich würde darauf wetten, dass keiner deiner Kollegen sich zumindest mal eine Viertelstunde Zeit zur Vorbereitung nimmt und sich Notizen macht, bevor er dir was erklärt - und genau deswegen verstehst du es dann nicht, es ist also überhaupt nicht deine Schuld, du kriegst diese nur zugeschoben.

Vielleicht solltest du auch nebenbei mit Büchern alleine lernen, da lernst du mehr als bei einer unzulänglichen Erklärung.

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Ohne Ausbildung als Softwareentwickler zu arbeiten klingt ganz so, als ob da praktisch alle Grundlagen an Wissen und Erfahrung fehlen. Wieso dich jemand einstellte, erscheint mir sehr merkwürdig. Wieso machst du keine Lehre um wenigstens irgend etwas zu lernen? Direkt als Arbeiter wird nun mal mehr verlangt und man setzt viel mehr voraus.

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Lass dich nicht unterkriegen! Es tut mir echt leid zu hören , wie asozial manche Kollegen mit Neueinsteigern umgehen...
Vielleicht solltest du wirklich noch eine Ausbildung machen! In dieser Firma würde ich nicht bleiben.

Und nur weil du dir manche Sachen öfter erklären lassen musst, heißt das nicht gleich dass du Begriffsstuzig bist , sondern einfach unsicher bist und deine Arbeit korrekt erledigen willst

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In Ergänzung an meinem Kommentar möchte ich hier noch einen Link einschieben:

https://www.fernstudiumcheck.de/fernstudium/softwareentwickler/tu-kl-3250

Das gibts mit Sicherheit für Österreich auch oder man könne sich auch an deutsche Unis wenden (die deutschen gehen ja auch gerne nach Wien z. B. studieren).

Von institutsinternen Abschlüssen würde ich eher abraten, die sind mit Sicherheit nicht soviel wert wie ein Master (Beispiel TU Kaiserslautern)


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Ist es in Österreich nicht üblich auch eine Lehre zu machen? 

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Kommentar von kraftwerk1155
05.02.2017, 10:26

Ja aber nur nach der Hauptschule. Es heißt ja das mit dem Abitur alle Türen offen stehen. Bei uns im Betrieb sind viele Schulabgänger und diese schlagen sich sehr gut.

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Warum schreibst du dir nicht etwas auf, wenn dir jemand was erklärt? Und dann frag sofort nach, bis du es verstanden hast. Es ist eigentlich nicht normal, dass Dinge fünf Mal erklärt werden müssen.

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Kommentar von Keana
05.02.2017, 10:32

Nur wenn man schwerhörig ist dann schon :-)

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