"Autorität haben" und "autoritär sein"

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Autorität hat jemand, der das von innen her ausstrahlt - häufig ohne jemals unterdrückend oder laut aufzutreten.

Autoritär ist jemand, der durch Unterdrückung, laute Befehle etc.... andere Menschen unterdrückt oder zu beherrschen versucht. Diese Menschen sind häufig schwach und haben keine (innere) Autorität.

Dann gibt es das noch als politische Begriffe - das ist ein anderes Thema.

"Autorität haben" bedeutet, dass jemand wegen seiner Leistung, wegen seiner Kompetenz, Erfahrung, Kenntnisse, Ausbildung einen maßgeblichen Einfluss auf andere Menschen hat. "Autorität" kann man also nur haben, wenn man Leistung, Erfahrung, Kenntnisse und/oder Ausbildung nachweise kann und diese von den Mitmenschen anerkannt wird. Ob die Menschen das anerkennen hat nicht nur mit objektiven Faktoren zu tun (Zeugnissen, Alter, Messergebnissen...) sondern auch mit subjektiven Faktoren (Auftreten, Charisma, soziale Kompetenz...), die von Mitmenschen unterschiedlich empfunden werden. Das Eigenschaftswort für "Autoriät haben" ist "autoritativ" und nicht "autoritär". Leider kann man diese Worte leicht verwechseln, weil die beiden Begriffe in früheren Zeiten auch als Synomyme verwendet wurden.

"autoritär" bedeutet, dass sich jemand diktatorisch verhält, also Gehorsam von seinen Mitmenschen fordert. Der Gehorsam wird von der autoritären Person gefordert, weil diese für sich einen höheren Status beansprucht als die Mitmenschen, über die geherrscht werden soll.

Autoritäres Verhalten findet man in Situationen in denen keine Zeit bleibt etwas zu diskutieren und schnell gehandelt werden muss (Feuerwehrleute oder Polizisten müssen autoritär sein, um in einer Gefahrensituation schnell helfen zu können - Eltern müssen z. B. dann autoritär sein, wenn ihr 3jähriges Kind zwischen parkenden Autos auf eine Autostraße laufen will...)

Autoritäres Verhalten findet man aber leider auch bei Menschen, denen einfach nur die sachliche Begründung (Notfall, Lebensgefahr) für ihren Machtanspruch fehlt, die nicht fähig sind sich kooperativ zu verhalten oder einfach nur machtgeil sind und dafür "über Leichen gehen" würden. So ist autoritäres Verhalten bei Funktionären religiöser Gemeinschaften anzutreffen (Begründung: Höherer Status durch "Nähe zu einem "höheren Wesen" mit absoluter Autorität) beim Militär (Begründung: Absenkung der Hemmschwelle zum Töten) oder in Diktaturen (Begründung: "ohne Diktator gäbe es einen permanenten Notstand durch pluralistische, demokratische Prozesse")

Gegegenüber Kindern sollte man sich kooperativ verhalten. Nur in Notfällen (wie im Beispiel oben - Lebensgefahr durch spontanes Handeln) ist autoritäres Verhalten der Erzieher im Einzelfall gerechtfertigt. Das (für Eltern anstrengende) kooperative Verhalten hat den Vorteil, dass es auch als Vorbild für das spätere Verhalten der Kinder taugt.

Hallo,

also ich finde das es genau umgekehrt ist als von dir empfunden.

Autoritär sein bedeutet für mich das man etwas aktiv ausübt. Autorität haben setzte ich gleich mit einer charkaterlichen Eigenschaft die man nicht bewusst steuert sondern die einfach angeboren ist und unbewusst ausgestrahlt wird.

Lg Caleb

Autorität hat man aufgrund von Wissen, Können und souveränem Auftreten.

Autoritäre Menschen benutzen eine Machposition (körperliche Überlegenheit, Befugnis kraft Amtes), um andre zu bevormunden, zu unterdrücken, auszunutzen.

Ein Erzieher mit Autorität erklärt dem Kind, warum es was nicht darf - das Kind lenkt ein, weil die Argumente plausibel sind und es einsieht, dass der Erwachsene einen weiter reichenden Horizont hat.

Ein autoritärer Erzieherer brüllt das Kind nieder und droht ihm drakonische Strafen an, wenn es nicht nach seiner Pfeife tanzt - egal, ob seine Forderung gerechtfertigt ist, oder nicht.

Die Beispiele kann man auch auf Chefs und Politiker übertragen...

Allerdings bleibt auch einem vernünftigen Erzieher keine andre Wahl, als autoritär zu werden, wenn Kinder nachhaltig renitent sind und auf Argumente nicht hören wollen.

Terror ist immer ungerecht - egal ob von oben oder von unten.

Allein das Bemühen um fairness zählt.

Autorität:

Autorität ausüben hat was mit einem gesunden Selbstbewusstsein zu tun und nicht Machtausübung auf Andere, im negativen Sinne, mit Unterdrückung, Ausbeutung - und Manipulation. Gesunde Autorität hat derjenige, der andere Menschen mit Rat und Tat fördert und unterstützt. Das bedeutet auch, daß man den ersten Schritt macht und die Initiative ergreift. Egal, ob es um Konfliktbewältigung im Alltag, Aufbau eines Unternehmens,Gründung einer Familie... geht. Autorität hat nichts mit einer falschen Demutshaltung zu tun, indem man zu Allem "ja und Amen", sagt, sich alles gefallen lässt. Es bedeutet aber auch zuhören, lernen und entsprechend zu handeln.

Viele große Männer und Frauen dieser Welt haben auch eine gute, positiver Autorität auf die Menschheit ausgeübt. Mutter Theresa, Ghandi, J. F. Kennedy, Dalei Lama...

Vom Herrschen und vom Dienen (Lukasevang. 22 / 24)

Es entstand unter ihnen ein Streit darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei. Da sagte Jesus: Die Könige herrschen über ihre Völker und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste und der Führende soll werden wie der Dienende. Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient. In allen meinen Prüfungen habt ihr bei mir ausgeharrt. Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat: Ihr sollt in meinem Reich mit mir an meinem Tisch essen und trinken, und ihr sollt auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.

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