Aus Solidarität in Gegenwart von Muslimen auf Alkohol verzichten (als Nicht-Moslem). Gerechtfertigt oder Übertrieben?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich würde das als sehr zuvorkommend und höflich empfinden. Die Person kann ja dann immer noch jedes mal Bier trinken, halt nur dann nicht, wenn der muslimische Freund anwesend ist.

Ich finde das ist eine Sache der Höflichkeit und Empathie. Aber Personen, die dann in meiner Gegenwart Alkohol trinken würde ich nicht automatisch deshalb als unhöflich abstempeln. Wenn ich zum Beispiel einen Freund habe, der sich vor Fleisch ekelt und ich ihn mit mehreren anderen Freunden einlade, würde ich eben auch nur vegetarische Gerichte zubereiten.

Hier wird es bestimmt viele Kommentare geben, dass Muslime sich gefälligst als Gäste oder Einwanderer anzupassen haben usw. aber ich finde es gehört einfach zum guten Benehmen dazu, dafür zu sorgen, dass sich Personen in meiner Gegenwart nicht unwohl fühlen.

Wenn ich als Muslim draußen unterwegs bin und blöderweise es mit den Gebetszeiten falsch oder gar nicht geplant habe und nun drohe ein Gebet zu verpassen, muss ich ja irgendwie irgendwo beten (nehmen wir an ich habe wudu und eine Moschee gibt es in der Nähe nicht, z.B. wenn man im Stadtzentrum in einer Einkaufsstraße unterwegs ist). Dann werde ich um jeden Preis versuchen zu vermeiden, mich auf offener Straße hinzustellen und zu beten, sondern mir eine ruhige Ecke in einem Hof oder so suchen und dort, ohne gesehen zu werden, beten. Und wenn ich eine solche Stelle nicht finde, kostet es mich sehr viel Überwindung an einer Stelle zu beten, wo Passanten mich sehen können. Aber das eher aus dem Grund, weil ich deren negative Reaktionen vermeiden will ("OMG jetzt wurde Deutschland schon vollends islamisiert" oder "Das muss doch ein Extremist oder Radikaler sein, der es nicht abwarten kann, in seiner Moschee zu beten" [es gibt ja manche, die absichtlich in der Öffentlichkeit in Gruppen beten und versuchen, möglichst viel Aufmerksamkeit zuerregen]).

Hier wird es bestimmt viele Kommentare geben, dass Muslime sich gefälligst als Gäste oder Einwanderer anzupassen haben

Mag sein, dass das dem ein oder anderen durch den Kopf geht. Jedoch ist nicht zu vergessen, dass es hier um eine freiwillige Reaktion ohne Zutun der vermeintlich Betroffenen geht.

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Ich finde auch, das ist der falsche Ansatz und setzt falsche Signale. Ich habe viel mit Muslimen zu tun, aber diese Idee ist mir noch nicht gekommen.

Gegenseitiger Respekt und Authentizität entscheiden, finde ich. Auch Muslime lernen ja Toleranz anderer Lebenswelten durch Umgang mit verschiedensten Lebensformen. Besonders, wenn wir in Deutschland sind.

Anders ginge es mir, wenn ich in einem Land zu Gast wäre, in dem Alkoholkonsum unüblich ist,

oder ich in einer Situation hier mich nicht wohlfühle, in der Gegenwart von Muslimen damit. Das wäre eine individuelle, situationsbezogene Entscheidung, es dann zu lassen. Aber als generellen Ansatz finde ich das eher beklemmend und übertrieben.


Gehen ein Muslim, ein Hindu, ein Christ, ein Zeuge Jehovas und ein Phantasie-Mensch gemeinsam Essen.

Der eine darf keinen Alkohol und kein Schwein, ein anderer darf keine Kuh, der eine muss mit Mütze, der andere ohne, der eine muss mit Bart, der andere ohne, der eine darf kein Gemüse, der andere kein Geflügel.

Trinken wir halt Wasser. Mit oder ohne Kohlensäure?

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Was ich damit sagen will: Es kann nicht respektlos sein, wenn ich meine Gewohnheiten, Sitten und Gebräuche auch in Gegenwart von Freunden mit anderen Überzeugungen weiterlebe.

Wenn ich also Nicht-Muslime zu mir nach Hause einlade, dann steht trotzdem kein Alkohol auf dem Tisch. Habe ich besipielsweise zum Grillen eingeladen und es brächte sich ein Freund ein Bier mit, weil das für ihn beim Grillen "dazugehört", wäre das völlig OK für mich. Meine Freunde wissen das auch. Respektlos fände ich es, wenn er sich bei mir betrinkt oder mir die Flaschen daließe.

Für Schweinefleisch habe ich einen separaten Grill, der von meinen Freunden zu jeder Zeit gerne bedient werden kann. Dabei breche ich mir übrigens keinen ab, wenn ich die Bratwurst auch mal wende.

Wenn ich bei christlichen Freunden bin, dann kümmern diese sich schon darum, dass mein Stück Fleisch nicht unterm Schweinenackensteak gelegen hat. Soviel Rücksicht darf ich erwarten. Niemals käme ich auf die Idee, dass es kein Schwein oder keinen Alkohol zu geben hätte, wenn ich eingeladen bin.

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.... zumal die islamische Regelung betreffend des Alkohols ja gar nicht so eindeutig ist - also innerhalb des "richtigen" Islams #Ironie Off# (wenn man sich mal an den Quran halten würde, anstatt zu versuchen, das Leben über menschen-erdachte Regelungen per Sunnah oder Hadithe überzureglementieren).

mir die Flaschen daließe.

Vielleicht will er sich damit ja nur an den Kosten beteiligen? :P

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Hi! Also ich bin Christin, finde deine Frage aber sehr interessant. Für mich ist das tatsächlich eine ganz persönliche Entscheidung, die jeder für sich allein treffen sollte. Ich würde mir beispielsweise aus moralischen Gründen niemals ein Bier bestellen, wenn ich mich mit einem trockenen Alkoholiker treffe.

In Gegenwart von Muslimen habe ich allerdings bis jetzt weder moralische Bedenken gehabt, noch kam es je zu diesbezüglichen Diskussionen. Respekt zeige ich, indem ich einem Antialkoholiker ganz einfach keinen Alkohol anbiete, sondern bei Besuchen gute Alternativen zuhause habe. Toleranz findet beidseitig statt, oder eben nicht- Selbstverleugnung und Gefallsucht sind für mich keine Optionen.

Ich habe befürchtet, dass es eine ganz persönliche Entscheidung sein könnte ;)

Der Alkoholiker ist ein starkes Beispiel. Hat mich fast überzeugt, dass ich vielleicht einfach nur unmoralisch bin.

Ich glaube jetzt, dass es nicht nur eine Frage der Person, sondern auch der Situation ist. Es wurden hier Beispiele genannt, in denen ein Verzicht offensichtlich Überzogen ist. Bei Anderen scheint es jedoch angebracht.

Ist das letztendlich also eine Frage der Objektivität (sofern vorhanden) und des gesunden Menschenverstandes?

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@k3ltis

:-) Ich wollte mir das wirklich nicht nur einfach machen mit der Aussage, aber zunächst musst vor allem du selbst mit deiner Entscheidung gut leben können.

Mit einem total schlechtem Gewissen solltest du natürlich wirklich nicht nur stumpf aus Prinzip Alkohol trinken, weil du es eben kannst und darfst. Je nach Situation kann es zwischendurch immer einmal aus moralischen Gründen überaus angebracht sein, eigene Bedürfnisse kurzzeitig zurückzustellen.

Umgekehrt fände ich es sehr schade, wenn du dich aufgrund einer (zweifelhaften) Definition von Respekt nachhaltig verbiegen und in deiner Freiheit einschränken lassen würdest. Und wenn dein Freund diese Art der Respekterweisung faktisch "nur" auf Muslime und nicht auf überzeugte Vegetarier beziehen kann oder will, fehlt mir seinerseits leider etwas die Ernsthaftigkeit...

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Furchtbar, diese Blockwartmentalität! Ich habe mein Studium in Heidelberg durch eine Show für amerikanische Touristen finanziert. Ich habe dabei die Reisegruppen in Hotels eingeladen.

Als ich sagte: "It's a nice show and all your drinks are free", antwortete eine Frau mit verkniffenen Lippen: "We don't drink alcohol". Als ich antwortete: "We serve all kinds of soft drinks too", kam die Antwort: "We don't even like to see other people drinking".

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