Die Äußerung „unfreiwillig zölibatär“ zu sein, impliziert, dass es Andere gebe, die den freien Willen von dir unterdrücken würden und dir deswegen den Geschlechtsverkehr verweigerten, der dir zustehe.
Vorweg daher ein paar Klarstellungen:
- Es gibt ein Recht auf freie, persönliche Entwicklung (auch des Geschlechtslebens), aber es gibt kein Recht auf andere Personen, die dir bei der Erfüllung eines Geschlechtsaktes zu helfen haben.
- Eine Freiwilligkeit kann nur dort bestehen, wo eigene Handlungen und Entscheidungen selbst veranlasst und durchgeführt oder ausgesetzt werden können. Sich als INCEL auf eine Unfreiwilligkeit zu berufen, schiebt die Begründung der Situation auf die Schuld von sich vermeintlich verweigernder Erfüllungsgehilfen.
- Die Begründungen für die eigene Situation und die Schuld notorisch bei Anderen zu suchen, zeugt von einer ungünstigen Persönlichkeitsentwicklung, die spätestens ab 20 J. als Störung anzusehen ist.
Aber vielleicht äußerst du dich nur ungeschickt? Möchtest du eher sagen, „ich wünschte mir so sehr eine Freundin, weiß aber nicht, wie ich das anfangen soll?“ Diese Aussage würde dich selbst wieder als handelnder, freier Mensch ins Spiel bringen. So direkt geäußert wohl auch ein Killer eines Party-Gesprächs, aber kein impliziter Angriff auf die Gesprächspartnerin. Überlege dir mal, lieber ein interessantes Gespräch anzufangen, als gleich mit der Tür ins Haus zu fallen …
Sortiere ich die Gegenangriffe auf ein „INCEL“, so finde ich die Punkte aus der Klarstellung oben wieder:
- „Du hast bestimmt einen kleinen in der Hose“, Du mit deinem kleinen Penis“ —> Du projizierst deine selbst empfundene Unzulänglichkeit auf Andere.
- „Du bist bestimmt Schwul und willst es nicht zugeben.“ —> Du hast einen uneingestandenen Konflikt mit dir selbst und suchst die Schuld her bei Anderen.
- „Dir gefällt es einfach nicht, dass wir Frauen frei sind du Neandertaler“, „bitte bri* dich um“, „Du frauenfeindlicher Stück Sch***“ —> Du betrachtest Frauen als Besitzobjekte und verlangst, dass dir von den Frauen auch zumindest eine gehören soll. Es gibt aber kein Recht auf andere Menschen.
Die Reaktionen sind also zumindest verständlich, wenn auch nicht hilfreich oder gut.
Ich würde mir sogar wünschen, dass jede Frau sich über eine solche Äußerung von dir entrüstet und deutlich zurückweist (muss ja nicht gleich eine Beleidigung sein). Und wenn du mir als „echten Mann“ unter die Augen kommst, werde ich mich auch klar und deutlich und im Sinne der Freiheitlichkeit aller Menschen, Frauen und Männer, äußern.