Zusammenhang Staatlichkeit und Reformation

2 Antworten

Ja, da gibt es einen Zusammenhang. Die Reformation ist eine frühbürgerliche Ideologie, bzw. der Wegbereiter einer frühkapitalistischen Herrschaftsform. Zum Bürgertum gehört Staatlichkeit, gehört , sowie ein mehr oder minder ausgeprägter Nationalismus. Im Feudalismus gab es, zumindest in D. ,noch keinen Nationalstaat, vielmehr so was wie Kleinfürstentümer und Grafschaften. Die Fürsten wiederum, anders als die Grafen, halfen mit die Vorstufe zu einem Nationalstaat zu schaffen. Kein Wunder, dass allerlei Fürsten Luther zugetan waren.

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Sehr interessanter Beitrag, leider finde ich ihn an einigen Stellen zu wenig begründend ausgeführt.
Welche Aspekte machen die Reformation zu einer frühbürgerlichen Ideologie? Wieso gehört Staatlichkeit zum Bürgertum?

Meiner Ansicht nach schliessen sich Feudalstaat und Nationalstaat aus. Im Feudalismus in seiner reinsten Form kann es keinen Nationalstaat geben. Die Entstehung des Nationalstaates ging mit der Überwindung des Feudalismus in der frz. Revolution einher. Andererseits hatten in der Folge des Wiener Kongresses gerade die Fürsten die Entstehung des Nationalstaates in Deutschland versucht zu unterbinden.

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@Schlauchmayer

DieReformation, das ist der Aufgesang, das Hohe Lied des Individualismus. Der wiederum ist erforderlich, um (früh)bürgerliche Verhältnisse allgemein, die der Ökonomie, entstehen und wachsen zu lassen. Auch die lutheranische Sparsamkeit, die Bedeutung bzw. Hinwendung zur Arbeit, all das ist der Nährboden und Wegbereiter des Kapitalismus. Diese Strenge zu sich selbst und zu den anderen, macht es erst überhaupt möglich, einen aufwärtsstrebenden Wirtschaftsablauf herzustellen. Mit der postulierten sittlichen Anforderung, muss zwangsläufig der Genuss hintanstehen.

Staatlichkeit gehört insofern zum Bürgertum, als dass dieses die Duodezfürstentümer in seiner Zersplitterung ablehnt, die Nation vereint wissen will, auf dass die Ökonomie so gestärkt werde. Je weniger Zersplitterung, desto mehr entfallen all die vielen Zölle, dieunterschiedlichen Maße sowie die inneren Kämpfe, auf dass die Nation gestärkt vorwärts strebe.

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Saatgut hat ja viel richtiges angedeutet, er hat es von den Auswirkungen betrachtet- aber diese marxistische Lesart tut Luther und den frühen Protestanten auch unrecht. Da würde ich lieber mit Max Weber etwas trennen zwischen dem Ereignis Reformation und auf der anderen Seite der VErbreitungsgeschichte und Folgen.

Luther und besonders Frau Lutherin waren begnadete Wirtschafter in Theorie und Praxis - aber man kann das theologische Ringen um neuen Glauben und Kirche nicht nur als das Durchsetzen des Frühkapitalismus sehen - das war die Folge und Erklärung für die VErbreitung!

  • Luther und die anderen reformierten Theologen banden sich an die staatliche Obrigkeit (das waren die deutschen Fürsten) - mussten Sie auch, um zu überleben -> die reformierten Kirchen Nord- und Mitteleuropas sind bis heute staatsaffin

  • Saatgut hat vollkommen recht, dass im Gegenzug die Reformation viel Chancen für die deutschen Fürsten brachte - das war der Schlüssel für die VErbreitung:

    • sie konnten die Abfluss von Steuern kappen, die sie selbst wollten
  • sie konnten die kirchlichen Parallelstrukturen ihrer eigenen Staatlichkeit auflösen, -> besonders die Auflösung der KLöster war lukrativ
  • nicht zuletzt der Wegfall der unzähligen katholischen Feiertage war vorteilhaft für die protestantischen Fürsten

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