Zitat Aristoteles: "Die Frau ist eine Mißgeburt, aber eine die häufig vorkommt."

7 Antworten

Eine Möglichkeit ist, die Person, die den Vortrag gehalten hat, um eine Stellenangabe zu bitten. Bei einem wissenschaftlichen Anspruch gehört es sich, diese geben zu können.

Ich habe Zweifel, ob dies eine genaue Wiedergabe eines Originalzitates von Aristoteles ist.

Zur Überprüfung könnten wissenschaftliche Darstellungen zu Aristoteles dienen, besonders welche, die ausführlich auf seine biologischen Schriften eingehen. Ein Buch, das durchforstet werden könnte, ist auch:

Sabine Föllinger, Differenz und Gleichheit : das Geschlechterverhältnis in der Sicht griechischer Philosophen des 4. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. Stuttgart : Steiner, 1996 (Hermes : Einzelschriften ; 74), S. 118 - 227 (Teil III Die Geschlechterdifferenz bei Aristoteles; darin unter anderem B 2.2. Das Weibchen als verstümmeltes Männchen S. 137 – 138)

Aristoteles, Περὶ ζώων γενέσεως/De generatione animalium/Über die Entstehung der Tiere II 3, 737a 27 – 29 erklärt: τὸ γὰρ θῆλυ ὥσπερ ἄρρεν ἐστὶ πεπηρωμένον καὶ τὰ καταμήνια σπέρμα, οὐ καθαρὸν δέ∙ „Das Weibchen ist nämlich gleichsam ein verstümmeltes Männchen, und die Monatsblutungen sind Samen, aber kein reiner.“

Aristoteles schreibt bei der geschlechtlichen Zeugung dem Männlichen die Form-, Bewegungs- und Zweckursache zu, dem Weiblichen die Materialursache. Es gibt keine Gleichwertigkeit der Zeugungsbeiträge, das Männchen hat die wichtigere Rolle. Da Aristoteles mit diesem Konzept nicht das Phänomen der Vererbung mütterlicher Merkmale erklären kann, modifiziert er es dahin, auch dem Menstruationsblut (das für ihn den einzigen weiblichen Zeugungsbeitrag darstellt; einige Annahmen bei Aristoteles sind falsch, aber damals war noch nicht der heutige Wissensstand erreicht) eine aktive Rolle bei der Vermittlung von Erbinformationen zuzusprechen (was zwar seinem Ausgangspunkt widerspricht, aber schon darin angelegt ist, das Menstruationsblut als eine Art Samen bzw. als die weibliche Entsprechung zu betrachten).

Als ausschlaggebend für das Geschlecht wird von Aristoteles die Teilhabe an der Wärme betrachtet (Männchen wärmer als Weibchen). Zugrunde liegt die hämatogene Samenlehre (Aristoteles, Περὶ ζώων γενέσεως/De generatione animalium/Über die Entstehung der Tiere I 9, 726 b 30ff.), der Samen sei ein Verkochungsprodukt des Blutes, das wiederum aus der Verkochung (Verarbeitung zu etwas Feinerem durch Wärme) von Nahrung entstehe. Die These mangelnder Wärme des Weibchens, durch das ein Unvermögen (ἀδυναμία) bedingt sei, Nahrung bis zur Stufe des Samens zu bringen, ist kein aufgrund empirischer Beobachtungen aufgestellter Satz, sondern eine Annahme.

Die Entstehung eines weiblichen Kindes kann nach seinem Ansatz als Abweichung mit einem bestimmten Mangel verstanden und damit erklärt werden, das männliche Prinzip habe nicht ausreichend Wärme gehabt und die Materie nicht voll bewältigt.


miimiimiimii 
Fragesteller
 16.09.2010, 20:21

danke. sehr gute antwort.

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Garantieren könnt ichs nicht, aber möglich ist es, die alten Griechen waren in der Hinsicht ziemlich radikal ( Frau = minderwertigere Ausführung des Mannes, hat in der Öffentlichkeit nichts verloren ect.....)

Das habe ich von Aristoteles gefunden:

»Zweck und Mittelpunkt der irdischen Natur ist nicht der Mensch, sondern der männliche Mensch. Ein weibliches Kind ist eine Art von Missgeburt und das Weibliche etwas Verstümmeltes im Vergleich zum Männlichen.«

Es stimmt jedenfalls, dass Aristoteles Frauen unter Männer gestellt hat.


miimiimiimii 
Fragesteller
 16.09.2010, 20:21

danke. das klingt ja schon sehr ähnlich.

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nun als philosoph müsste er erstmal klären was unter einer missgeburt zu verstehen wäre. und wenn dann müsste er sowieso erkennen, dass hierbei die geschlechter austauschbar wären. sprich: genauso anderherum: "der mann ist eine missgeburt.... " er müsste als intelligenter mensch selber drauf gekommen sein warum frauen damals oft weniger bildung genossen haben als männer.


omnia  15.09.2010, 20:55

ich weiß jedenfalls nicht ob er dass gesagt hat. aber wenn dann tuts mir ja leid, aber der "ruhm" galt dann wohl doch dem falschen.

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Zeobit  15.09.2010, 21:17
@omnia

Nein, der Ruhm gilt ihm zurecht, man darf nur nicht den Fehler machen, unsere heutigen, westlichen Wertvorstellungen auf die Antike zu übertragen. Aristoteles hat die Diskriminierung der Frauen nicht erfunden, aber er war ein Kind dieser Zeit, was man ihm nicht zum Vorwurf machen kann.

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omnia  17.09.2010, 15:16
@David0815

ich meinte aber, dass er als philosoph doch eigene gedanken haben muss und nicht blind alle gesellschaftlichen normen unüberdacht übernehmen/nachplappern muss. auf mich als frau wirkt es halt irgendwie beschrenkt wenn jemand sowas sagte und dann nochdazu einen großen namen für sein eigenständiges freies denken bekommt.

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omnia  12.10.2010, 23:10
@omnia

auch gesellschaftliche normen die von kleinauf eingeimpft werden mit der muttermilch sozusagen darf man doch mal hinterfragen wenn man gerne nachdenkt.

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derdorfbengel  17.10.2010, 03:14
@omnia

Das siehst Du völlig richtig. Zwar waren pejorative Zuschreibungen an Frauen damals die Norm, aber es hat immer auch Abweichungen davon gegeben.

Wie es übrigens auch Gegner der Sklaverei gab, obwohl diese absolut ungefährdet blieb, weil sie so wenige waren. Es gab auch Gegner von Hexenprozessen, als man allgemein daran glaubte, diese besser ohne Recht auf Gegenwehr zu verbrennen. Und es gab auch Gegner der Todesstrafe... usw. etc.

Aristoteles nahm in keiner dieser Positionen eine fortschrittliche und menschenfreundliche Haltung ein. Man mag sich übrigens daran erinnern, wie er seinen Lebensunterhalt deckte: als bestens bezahlter Hauslehrer des Erbprinzen von Makedonien (des sog. "Grossen" Alexanders).

Er war schlicht nicht mehr als ein Lieferant von wortreichen sophistischen Rechtfertigungen für Ungleichheit und Ausbeutung. Eben alles, wofür ihn die Herrschenden bezahlten.

Aber mehr steht sehr oft nicht hinter den "grossen" Namen.

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