Wie werden Behinderte in der Öffentlichkeit angesehen?

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15 Antworten

Mein Mann befindet sich seit über drei Jahren im Wachkoma. Er kommt oft in den Rollstuhl und bei schönem Wetter fahre ich mit ihm in den Park. Ganz offensichtlich ist die Trachealkanüle, über die er atmet. Seine Augen sind geöffnet und überwiegend auch sehr aufmerksam. Ich stelle immer wieder fest, daß die meisten Menschen, die uns begegnen entweder sehr erschrocken, absolut unsicher oder geradezu empört reagieren. Letzteres nach dem Motto: wie kann man uns so etwas zeigen bzw. zumuten. Sehr wenig Menschen reagieren natürlich. Besonders merkwürdige Reaktionen erfolgen, wenn ich mit meinem Mann rede. Das geht so über... der bekommt doch sowieso nichts mit oder leise Zweifel an meinem Verstand.

IMMER WIEDER kommt es vor, dass Behinderte (wie ich, im Rolli) durch merkwürdige Angewohnheiten Nichtbehinderter einfach ausgegrenzt werden. Beispiel: ich hatte zu Beginn meiner Kaputtheit noch keinen Elektrorolli, sondern wurde von Freunden und Verwandten durch die Gegend geschoben. Bei vielen Gelegenheiten Supermarkt\Gastronomie sprachen die Leute grundsätzlich meine laufende Begleitung (über meinen Kopf hinweg) an, als sei ich ein unmündiges Kleinkind.Ähnliches habe ich nur im Fernverkehr erlebt, wenn ich als Bartträger grundsätzlich für den LKW in dem ich zufällig nur als unbeteiligter Mitfahrer herumsaß, als Verantwortlicher angesprochen wurde, obwohl meine Freundin für die Fuhre verantwortlich war.

Mein jünger Bruder ist auch geistig behindert (aber körperlich gesund). Ich muss dazu erklären das mein Bruder gerne lacht, freundlich und offen auf andere Menschen zugeht (oder so wirkt) und viele Menschen in der Öffentlochkeit spontan positiv auf ihn reagieren. Ja, es gab auch verunsicherte Reaktionen, aber das hat sich fast immer gelegt wenn man ihn näher kennengelernt hat.

Auf der anderen Seite habe ich es aber auch schon erlebt das sich Leute an einer offensichtlich blinden Dame im Supermarkt einfach vorbei geschoben haben ...

Ich glaube an sich haben wir eine recht tolerante und offene Gesellschaf, was Behinderungen angeht. Wenn man aber ein wenig näher hinschaut gibt es durchaus noch Hindernisse im Alltag (zB Falttreppen bei Straßenbahnen) die den Menschen eben doch noch Steine in den Weg legen. Nichtmal aus böser Absicht, aber aus Unwissen oder einfach Gedankenlosigkeit.

Meine Schwester (15) ist blind und da schauen die Leute schon manchmal, wenn sie bei mir im Arm eingehängt ist, oder mit dem Langstock geht. Allerdings trägt sie keine Sonnenbrille und ihre Augen sehen normal aus (sind nur starr), deshalb fallt man weniger auf als du denkst.

Durch die Freizeitangebote für behinderte Kinder kenne ich auch einen kleinen Jungen mit Down-Syndrom (8) sehr gut - er fällt in der Öffentlichkeit noch weniger auf, weil man es ihm äußerlich nicht sehr ankennt, dass er Trisomie 21 hat und er normaler ist als man auf anhieb denken würde.

Wenn du noch Fragen hast melde dich ruhig.

Werden geistig Behinderte von uns Ausgenutzt? Eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt

Wie soll man das verstehen?

Ich habe zwei kleinere Downie-Geschwister kenne durch die beiden aber auch eine sehr aktive und selbstständige Rollstuhlfahrerin.

Bei Rollstuhlfahrern ist es leider so, dass Laien versuchen ihnen einfach zu "helfen" ohne zu fragen, und sie so erst recht in Gefahr bringen. Ansonsten tut man offensichtlich eher so, als wären die Rollstuhlfahrer nicht anwesend und sieht weg/ignoriert sie.

Wir machen ansonsten mit meinen kleinen Geschwistern alles, was "normale" Kinder auch machen. Wir gehen einkaufen, in Freizeitparks, schwimmen, spazieren, auf den Spielplatz. Da gucken die Leute seltsamerweise mehr, als wenn ich mal was mit der besagten Rollstuhlfahrerin unternehme. Dabei sind die beiden nicht lauter als andere Kinder in ihrem Alter. Gut, man versteht das meiste was sie wollen/sagen erst, wenn man sie eine gute Zeit lang kennt und sie essen nicht Nobelrestauranttauglich, aber dafür eben "Alltagstauglich", man kennt v.a. meiner Schwester das Down-Syndrom an, meinem Bruder nicht ganz so sehr, und sie gehen längere Strecken etwas unsicher, ... Klar fällt man so ziemlich auf.

Aber zusammengefasst:

  • Rollstuhlfahrern "hilft" man gerne, obwohl man sie dadurch erst recht in Gefahr bringt und ihnen ihre eigene Meinung 'wegnimmt'. Da hilft nur verbal wehren und auf sein Recht beharren.
  • Behinderte Kinder werden schief angeschaut, oft tuscheln die Leute auch, aber das muss man einfach ignorieren.

Nochmal: Toleranz,Hilfe,leider viel zu selten!! Ich erlebe das ganz oft! An der Bahnhaltestelle steht oft ein Mann im Rollstuhl,leider immer ohne Begleitung obwohl er aus einem Heim kommt! Kaum einer hilft ihm mal in die Bahn,da steigt man lieber hinten ein und tut so,als hätte man nichts gesehen! Ich helfe,aber alleine ist es schwer,einen erwachsenen Mann in die Bahn zu heben!Manchmal hilft einer! Letztens kam dann der Kommentar vom Fahrer:" Na toll,und wie kommt der jetzt wieder raus?" Ich klärte ihn dann auf,dass er dazu VERPFLICHTET ist,zu helfen und dass er gefälligst jemanden von der Security am Bahnhof per Funk bescheid geben soll! Ging sogar!! Ich habe meine Kinder in einen integrativen Kindergarten geschickt,damit sie Behindertsein von Anfang an als normal ansehen! Ich selbst war auf einer Schule zusammen mit Körperbehinderten! Die haben alles mitgemacht,Disco,Konzerte und es ist nach wie vor in der heutigen Gesellschaft eine wertvolle Erfahrung gewesen!!!!

War mal für eine Gemeinde die Organisatorin der Ferien-Freizeitangebotes für Kinder und man hat sich ganz viel Gedanken gemacht - im ganzen Landkreis alle -, wie man Behinderte einbinden kann, welche Angebote wie behindertengerecht sind. Es hat - obwohl das auch mit Behinderteneinrichtungen abgesprochen worden war -kaum ein Jugendlicher mit Behinderungen teilgenommen. Das war sehr schade. Ich versuche genau so mit Menschen mit Behinderungen umzugehen, wie mit Menschen ohne Behinderunen: anlächeln, grüßen. Íntegration in Kindergärten und Schulen ist da ganz wichtig, damit Menschen und Kinder mit Behinderungen nicht versteckt werden, sich nicht verstecken und der Umgang miteinander ganz natürlich wird, so wie es richtig wäre.

Behinderte sind vollwertige Menschen mit einem Handycap. Die Art der Behinderung spielt dabei keine Rolle. Das Problem ist, dass viele Leute sich anscheined schämen, ihre behinderten Angehörigen mitzunehmen, sei es zum Einkaufen oder was auch immer. Als mein Vater durch Hirnschlag stark beeinträchtigt war, haben wir ihn trotzdem überall hin mitgenommen, und es war mir vollkommen egal, was andere Leute darüber dachten. Selbst im Supermarkt war er dabei und hat sich beim Sortieren der Waren auf das Band die Zeit genommen, die er brauchte. Wem es in der Schlange an der Kasse nicht schnell genug ging, der kann sich woanders anstellen. Jeder sollte bedenken: Du kannst der nächste sein der in diese Situation kommt.

Als Behinderter bei dem die Behinderung nicht zu sehen ist; habe ich die Erfahrung gemacht; das mich alle, wie einen Gesunden; behandeln wollen. Selbst einige "Ärzte" erklärten mich für gesund.

Meine Behinderungen; sind eigentlich, ausschliesslich durch andere verursacht. Und ich werde dadurch schlechter gestellt als gesunde Menschen. Ohne Behinderung, würde ich; nicht in Armut leben und als Arbeitsloser beschimpft werden.

Mit den sogenannten geistig Behinderten ist das so eine Sache. Erlebt habe ich Folgendes. Ich sollte ein Paket an einen Arzt ausliefern. In der Klinik, fragte ich nach dem Weg. Die sogenannten geistig Behinderten, waren bei der Erklärung des Weges, nicht nur schneller sondern genauer; als der Sozialarbeiter; der wie man mitbekam, nicht intelligenter war; als die sogenannten geistig Behinderten. Leider aber hielt Er sich selber für intelligenter. Das Problem ist das die sogenannte geistige Behinderung, eben auch, durch Andere; zur Behinderung wird. Der sogenannte geistig Behinderte; hat nur andere Denkwege; deswegen sollte man Ihn nicht für dumm erklären, was aber leider viele tun. Es gibt sogenannte geistig Behinderte, die einen Doktortitel gemacht haben. Aber das wissen nur Wenige; weswegen, die Öffentlichkeit, solche Menschen, meist immer noch als dumm, oder Lebens unfähig betrachtet.

Ich denke, die Öffentlichkeit, sieht uns Behinderte, immer noch schräg an.

Willst du nun die Lebensrealität eines Menschen mit Behinderung kennen lernen oder nur irgend welche Phantasien hören? Deine Frage ist meiner Meinung nach recht Sinnlos, das nicht eine Behinderung wie die andere ist. Es gibt welche die wirken im ersten Moment abschreckend und welche die bemerkt ein Außenstehender nicht einmal. Dein letzter Satz lässt mich vermuten du willst nur irgend welche Vermutungen hören.

leider werden sie nicht immer genauso respektiert wie die nicht behinderten. viele leute haben "berührungsängste" und verhalten sich deshalb erst recht unnatürlich gegenüber behinderten.

ich kann nicht unbedingt sagen, wie andere Menschen reagieren...außer, dass es bestimmt welche gibt, die sich über behinderte menschen lustig machen. Ich weiß von mir, dass es mir immer sehr schwer fällt, zu entscheiden, was ich tun soll. Bei einem Rollstuhlfahrer zum Beispiel: Soll ich hinschauen? Dann fühlt er sich "angeglotzt". Soll ich wegsehen? Dann denkt er vielleicht, ich ignoriere ihn absichtlich oder finde ihn hässlich. Soll ich lächeln? Dann KÖNNTE es sein, dass es sich ausgelacht fühlt. Und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht, einige meiner Freunde haben das gleiche Problem geschildert...zu der letzten Frag: ich glaube, behinderte Menschen werden nicht in dem sinne ausgenutzt, aber wahrscheinlich von einigen als nicht vollwertig angesehen, das ist traurig.

Ich denke, dass es da ist, wie mit allen sog. Randgruppen. Es gibt Menschen, die damit keine Probleme haben und ganz normal mit Behinderten umgehen. Dann gibt es Menschen, die nicht damit klarkommen, tlw. sogar Angst davor haben, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Und dann gibt es eben noch so ein paar besondere Experten, die alles, was auch nur im Ansatz nicht der Norm entspricht, niedermachen müssen. In meinen Augen sind das aber Leute ohne Verstand. Ich glaube aber nicht, dass das Alter der Behinderten eine Role spielt, wie damit umgegangen wird. Für mich sind Behinderte Menschen wie alle anderen auch. Ich finde, die sind sogar oft weniger behindert als sog. normale Menschen. Vor allem im Kopf.

Wegen Alt und Jung. Ich habe in meiner kleinen Forschung schon einen Unterschied feststellen können. Bei behinderten Kindern wird oft geschaut und auf Mitleid kommentiert. Bei Älteren Behinderten wird weniger geschaut, als ich nachfragte warum: sagte man mir: es gehört zum altwerden dazu, woher will man wissen ob ein älterer Mensch schon seit Geburt an im Rollstuhl gefesselt ist oder mit 70 einen Schlaganfall hatte und jetzt gelähmt ist. Ich sprach auch mit einer behinderten Älteren Frau, die sagte: früher kam sie kaum zurecht mit ihrer Behinderung, weil sie immer angeschaut wurde und ständig auf für sie peinliche Hilfen angewiesen war. Aber jetzt im ALter, sagte sie, gehört es dazu und ich fühl mich nicht mehr so allein - konnte jetzt viel mehr Gleichgesinnte kennenlernen und ich werde in der Öffentlichkeit nicht mehr so angestarrt.

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@expertin

Aber das ist doch bei Nichtbehinderten genauso. Ein Kind erregt immer mehr Interesse und Mitleid. Holt sich ein Kind ne Beule, wird es bedauert. Holt sich ein Erwachsener (Älerer) eine Beule heißt es: Stell dich nicht so an.

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Genau! Wie soll ein "Unbehinderter" mit seinem Mitmenschen umgehen! Sie sind nicht behindert, sie werden behindert! Sei es durch Treppen, Bordsteine, durch Unverständnis wegen der Artikulierung. Aber wir "Normalos" können nicht damit umgehen! Wollen wir helfen: DAS KANN ICH ALLEIN! oder wir verstehen unser Gegenüber einfach nicht und hören weg. Ich habs geübt. Viel Geduld und Zeit investiert, und -es ging!!!!!! Man muß es auch wollen, sich mit dieser schwierigen Materie auseinanderzusetzen.

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es gibt solche und solche Reaktionen. Mal wird es mehr toleriert mal weniger. Da ich mit Kindern mit Behinderung arbeite, kann ich von mir sagen ich gehe mit ihnen um wie mit jedem anderen Kind auch und mache keinen Unterschied. Und wenn man irgendwohin kommt und die Leute schauen blöd dann sag ich meistens, was es denn eig. zu schauen gäbe. es sind ja schliesslich Menschen wie du und ich , die einfach anders denken und handeln, als wir es erwarten würden...

Wie soll ich jetzt diese Frage verstehen? Willst du die eigene Meinung hören oder...? Mein Mann sitzt auch im Rollstuhl seit seinem Unfall vor 1/2 Jahr. Da ich im DRK bin, wird bei mir jeder gleich behandelt, egal ob behindert oder nicht, was auch andere tun sollten. Ich selbst habe über dieses Thema schon Vorträge gehalten. Das sind keine Menschen 2. Klasse!

Genau deswegen mache ich eine Umfrage... wie werden Behinderte in der Öffentlichkeit gesehen??? Oder wie fühlen sich die Behinderten in der Öffentlichkeit??? Mein Mann ist auch Behindert und ich habe auch viele Vorträge gehalten...

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