Wie sieht der Alltag eines Astronomen aus?

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1 Antwort

Hallo zara1281,

der "Astronom" ist eigentlich ein "Astrophysiker" - also ein Physiker, der halt die Physik anwendet, um Prozesse im Universum zu verstehen.

9 von 10 Physikern landen nach dem Studium in der freien Wirtschaft - nicht selten als Programmierer. An der Uni, oder einer vergleichbaren Forschungseinrichtung zu bleiben, ist also eher die berufliche Ausnahme. Aber ich nehme jetzt mal an, dass es diese Ausnahme ist, die Dich interessert.

;-)

Was der Astronom nicht macht:

Jede Nacht am Teleskop sitzen und die Sterne angucken. Ich kenne Astrophysiker, die nicht mal die gängigen Sternbilder auseinander halten können...

Was der Astronom macht:

Der Astrophysiker ist ein Schreibtischtäter. Meist rechnet man irgendwelche Modellvorstellungen quantitativ durch. Formeln oder komplizierte gekoppelte nichtlineare Differentialgleichungen sollte man mögen.

In aller Regel sind die Modelle nicht analytisch berechenbar, so dass man zur Simulation am Großrechner greift. Das heißt, man packt seine physikalischen Hypothesen in mathematische Modelle, übersetzt diese in Computerprogramme, berechnet Ergebnisse ... und vergleich diese mit Beobachtungsdaten.

Diese Beobachtungsdaten bekommt man in wenigen Beobachtungsnächten im Jahr an den großen Teleskopen, wobei die eigentliche Beobachtung nicht selten an Angestellte vor Ort delegiert wird, damit das Institut Reisekosten spart und die Zeit am Teleskop nicht mit Einarbeitungszeit vergeudet wird.

Anschließend schreibt man über das Ganze eine Fachveröffentlichung in einem wissenschaftlichen Journal. Auf Englisch. Diese Veröffentlichungen braucht man, um regelmäßig Fördergelder für die eigene Stelle bzw. das eigene Projekt zu beantragen.

Die vielen bunten Bilder in den Dokus sind - das vergisst man allzu leicht - das Ergebniss unheimlich langwieriger, mühsehliger und manchmal auch recht zäher "Klein-Klein-Abgleiche und komplexer Berechnungen.

Astrophysiker ist ein Job für den Nerd, nicht den Romantiker... alsooo guuut: für den romantisch veranlagten Nerd. Ok? ;-)

Grüße

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Kommentar von Willy1729
14.10.2016, 23:10

Gerade dies macht die Arbeit der Amateurastronomen ja so wertvoll: Sie tun genau das, was der Astrophysiker läßt, weil er dazu gar keine Zeit hat - den Himmel regelmäßig beobachten, die Helligkeitsschwankungen variabler Sterne aufzeichnen, den Lauf von Planeten und Planetoiden verfolgen, Sternbedeckungen beobachten, Sonnenflecken dokumentieren und was dergleichen mehr ist.

Willy

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Kommentar von zara1281
15.10.2016, 09:39

So eine ausführliche Antwort habe ich schon seit langem nicht mehr bekommen. Dankeschön!

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