Wie bewertet ihr das Buch „Leben und Tod Königs Richard des Zweyten“ von Shakespeare?
Vielleicht hat jemand auch das Schauspiel dazu gesehen?
1 Antwort
Ich liebe Shakespeare, denn er bleibt immer modern, selbst jetzt nach 500 Jahren noch. Ich habe das Stück mehrfach in LOndon gesehen mit Ralph Fiennes in der Titelrolle. Es war toll, aber ich gebe zu, dass ich ab dem dritten Mal mehr auf die unfreiwilligen Fehler der Schauspieler achtete. Und wie sie es schafften, darüber hinweg zu spielen.
- Bei seinem ersten Monolog, in dem er Henry Bolingbroke in die Verbannung schickte, fuchtelte Ralph, alias Richard, so wild mit seinem Zepter herum, dass es ihm aus der Hand fiel und einem Zuschauer der ersten Reihe - ich saß nicht weit von ihm entfernt - auf den Kopf fiel. Ralph stoppte seinen Monolog, entschuldigte sich bei dem Zuschauer, nahm das Zepter zurück und setzte dann den Monolog fort. DAs fand ich toll.
- Das STück wurde vom Almeida Theater aufgeführt und fand nicht in einem normalen Theater statt, sondern in einem alten Fabrikgebäude, das später abgerissen werden sollte. Es hatte jede Menge alter FEnster und Mauerlücken, eine Ruine halt, aber sehr passend zu dem STück. DAs fand wohl auch eine Katze, die ungebeten auf die Bühne kam. Gerade als Ralph von seiner geliebten Frau und König Abschied nahm. Eine tragische Szene, und er und Emilia Fox waren hochkonzentriert. So konzentriert, dass sie die Katze, die hinter ihrem Rücken über die Bühne schlenderte, nicht bemerkten. DAs Publikum vergaß den Shakespeare, sondern brüllte vor Lachen. Ich glaube, der arme Ralph, und die arme Emilia Fox, die die ganze Tragik darstellten, mussten wahnsinnig irritiert gewesen sein, weil das GElächter nun so gar nicht zu der Szene passte.
- Bei der dritten Vorstellung, die ich sah, trat Ralph mit einem Verband um seine Hand auf. Später erfuhr ich, dass er/Richard im Schlusskampf mit seinem Mörder mit dessen Messer verletzt wurde. Er ignorierte die VErletzung, obwohl er stark blutete, und als er tot dalag, dachte er: lass es bluten. Immerhin musste die Wunde dann genäht werden.
DAs war eine schöne Zeit. Die Schauspieler kamen nach der Vorstellung noch in die Theaterbar, wo sie sich mit Freunden trafen. Damals war Ralph 36 und noch mit seiner Lebensgefährtin Francesca Annis zusammen. Oh weiah... privat wirkte er ganz anders als auf der Bühne. Unglaublich verklemmt, so scheu, dass ich dachte: "Junge, warum musstest du aber auch Schauspieler werden und auch noch so ein erfolgreicher. Postbeamter ist doch auch ein schöner Beruf." FRancesca Annis holte ihn nach jeder Vorstellung ab und man hatte den Eindruck, sie ist seine MUtter.