Wer ist der Fuchsteufel?

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Eine Kreuzung zwischen Rotfuchs und Beutelteufel (Tasmanischer Teufel) ist es nicht.

„Fuchsteufelswild sein“ bedeutet, äußerst aufgeregt, aufgebracht und wütend zu sein.

Der Ausdruck „fuchsteufelswild“ ist ein Steigerungskompositum. Solche Komposita (Zusammensetzungen) dienen der Steigerung/Intensivierung/Verstärkung. Der erste Bestandteil bzw. die ersten Bestandteile steigern/intensivieren/verstärken den letzten, das Grundwort (die Basis). Andere Beispiele: pechrabenschwarz, knüppelhageldickevoll

Siegfried Heusinger, Die Lexik der deutschen Gegenwartssprache : eine Einführung. München : Fink, 2004 (UTB : Sprachwissenschaft ; 2491), S. 99:
„Die exponierende Konstituente in der Wortbildungskonstruktion intensiviert das mit dem Grundwort Bezeichnete: Eine Entscheidung kann knallhart, ein Verhalten fuchsteufelswild sein.“

Ein Fuchs ist allgemein ein Wildtier und Versuche, Leben und Freiheit zu wahren und Tollwut können in besonderer Weise eine Vorstellung von Wildheit hervorrufen.

Der Teufel gilt ebenfalls als wild. Manche Märchen enthalten Versuche, den Teufel zu prellen. Dieser reagiert typischerweise verärgert und unbeherrscht bei einem Reinfall. Es gibt Redensarten/Redewendungen wie „den Teufel im Leib haben“ (temperamentvolles/wildes verhakten) oder „vom Teufel geritten werden/den reitet der Teufel“ (der Teufel wie ein Aufhockgeist im Nacken), die den Teufel als Verursacher mit Wildheit verbinden.

Das Hinzutreten des Teufels zum Fuchs (gewissermaßen wie ein zweiter Zusatzantrieb) soll zur Vorstellung eines Höchstmaßes an Wildheit führen.

In einem Nachschlagewerk stehen mehrere Ansätze zur Erklärung, offenbar in abnehmender Reihenfolge der Wahrscheinlichkeit (plausibelste und verbreiteteste Erklärung zuerst).

Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 2: Easy – Holzweg. 5. Auflage. Freiburg im Breisgau ; Basel ; Wien : Herder, 2001 (Herder-Spektrum ; Band 5200), S. 484:
fuchsteufelswild: Jemand ist fuchsteufelswild: sehr aufgeregt, sehr zornig. Für die Entstehung des zusammengesetzten Adjektivs gibt es mehrere Erklärungen: Da es bereits im 16. Jh. ein Adj. 'fuchswild' gab, das sich entweder auf die verzweifelten Bemühungen eines Fuchses in der Falle bezieht, seine Freiheit durch wilde Bewegungen oder sogar durch das Abbeißen eines eingeklemmten Körpergliedes wiederzuerlangen, oder auf die wilde Angriffslust eines tollwütigen Tieres, kann das aus vielen Wndgn. und Flüchen bekannte ↗ 'Teufel' zur Verstärkung und Steigerung in die Zusammensetzung gelangt sein.

Es ist aber auch denkbar, daß das Wort nichts mit 'Fuchs', sondern mit 'fuchsen' = sich ärgern, zu tun hat. Dieses geht auf ein älteres 'fucken' = hin und her laufen, reiben zurück, woraus sich studentensprachlich im 19. Jh. der neue Sinn von: sich an etwas reiben, wütend, verzweifelt sein, entwickelte. Vielleicht wirkte aber auch die studentensprachliche Bezeichnung 'Fuchs' für den jungen Studenten auf die Wortbildung ein, da dieser von den älteren Verbindungsstudenten gern geneckt und geärgert wurde. Dann wäre das Adjektiv aus der Verbindung von 'Fuchs' und 'teufelswild' entstanden.

R. Becker (Beiträge z. Erklärung dt. Rda.en I, in: Zs f. d. U. 6 [1892], S. 693-698) leitet den Begriff von dem alten Verb 'fi[...]n', d.h. kurz und rasch hin und her fahren, zuschlagen, peitschen, ab; mundartlich 'das Zugvieh fuchsen': anstacheln, quälen, daher komme die Rda. es fuchst mich: es bereitet mir körperlichen und seelischen Schmerz, macht mich so aufgebracht, daß ich des Teufels werden könnte.“

Jh. = Jahrhundert
Adj. = Adjektiv
Wndgn. = Wendungen
R. Becker (Beiträge z. Erklärung dt. Rda. I, in: Zs f. d. U. 6 [1892], S. 693-698) = Rudolf Becker, Beiträge zur Erklärung deutscher Redensarten I, in: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 6 (1892), S. 693 - 698
Rda. = Redensart

Das nenne ich mal eine Erklärung! Vielen Dank, lieber Albrecht! :-)

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VIELLEICHT hat`s mit der tollwut zu tun??

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